EM-Lehrstunde für Schiedsrichter
Mittwoch, 13. Oktober 2004
Artikel-Zusammenfassung
Erkenntnisse der UEFA EURO 2004™ könnten Schiedsrichtern zukünftig ihre Arbeit erleichtern.
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Von Mark Chaplin
Die UEFA und ihre Schiedsrichterexperten streben in ihren Bemühungen, Schiedsrichter für Europas Spitzenwettbewerbe mental und physisch optimal vorzubereiten, weiterhin nach Perfektion.
Jüngste Erfahrungen
Aus den jüngsten Erfahrungen, die man bei der UEFA EURO 2004™ gesammelt hat, will man Schlüsse ziehen, um in Zukunft noch bessere Resultate und Leistungen zu erzielen, als es in Portugal der Fall war. Der Standard bei der EM war laut der Europäischen Fußball-Union jedoch bereits sehr hoch.
Erfolg bei der EURO
Werner Helsen, der UEFA-Fitnessexperte für Schiedsrichter, der mit den besten Unparteiischen zusammenarbeitet - insbesondere vor großen Turnieren - hatte kürzlich bei einem UEFA-Seminar in der Schweiz die hervorragende Arbeit, die die Unparteiischen in diesem Sommer geleistet haben, lobend hervorgehoben.
Überragende Arbeit
"Die Schiedsrichter waren auf das Turnier gut vorbereitet", hatte Helsen vor den Unparteiischen bei einer EURO-Nachlese in Nyon erklärt. "Und ihre Leistungen waren exzellent. Training und Fitness sind wichtig - doch am Ende zählt nur die Leistung, die die Schiedsrichter bringen."
Optimale Arbeitsbedingungen
Sowohl hinsichtlich Logistik als auch Training wurden die Vorgaben für die 40 Schiedsrichter, Assistenten sowie vierte Unparteiische sehr genau erfüllt. In der Nähe modernster Sporteinrichtungen, wo man arbeiten aber auch entspannen konnte, waren die Schiedsrichter in einem erstklassigen Hotel untergebracht. Und Helsen und sein Team hatten vor und während des Turniers ein Trainings-, Vorbereitungs- sowie Erholungsprogramm ausgearbeitet, um die Unparteiischen in Form zu halten.
Erfahrungsanalyse
Beim Seminar bewerteten Helsen und die EURO-Schiedsrichter die Erfahrungen, die sie während des Turniers gesammelt hatten, und diskutierten Bereiche, in denen noch Verbesserungspotenzial besteht. Gesprochen wurde über die physischen Anforderungen der Endrunde an die Schiedsrichter und ihre Assistenten, über Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, sowie über Abwechslung im Training und in der Vorbereitung, um eine gute Atmosphäre zu erzeugen.
Interessante Schlussfolgerungen
Es wurde auch eine Reihe interessanter Schlussfolgerungen gezogen. Die Einführung eines Pulsmessers bei Unparteiischen im Training und bei Spielen wurde als sinnvoll erachtet, um die körperliche Leistung der Schiedsrichter objektiv beurteilen zu können und um Verletzungen, die aufgrund von Überanstrengung auftreten, vorzubeugen.
Pulsmesser
Man fand heraus, dass die durchschnittliche sowie höchste Herzfrequenz bei einigen Unparteiischen in EURO 2004™-Partien höher war, als zuvor in der UEFA Champions League. Das wurde auf die höheren Temperaturen sowie das höhere Tempo bei der EM zurückgeführt. Es wurde auch bestätigt, dass Schiedsrichter während eines Spiels öfter als die Akteure selbst Tempo und Richtung ändern.
Keine Verletzungen
"Es scheint, dass wir zwischen Trainingsintensität und Erholung ein gutes Gleichgewicht hergestellt haben", sagte Helsen. "Ich war froh, als im Endspiel [durch Markus Merk] der Schlusspfiff ertönte, weil ich damit wusste, dass alle Schiedsrichter und Assistenten im Turnier verletzungsfrei geblieben sind."
Ruhepausen einlegen
Helsen appellierte an Europas Schiedsrichterelite, trotz des vollen Terminkalenders in der Liga oder in der Champions League Ruhepausen einzulegen. "Es ist so wichtig, sich zwischen den Spielen mental und körperlich zu erholen", betonte er. "Nach einer anstrengenden Saison beispielsweise ist es nämlich schwer, in einem großen Turnier alles zu geben."
Schritt halten
Auch Themen, die die Zukunft betreffen, kamen auf den Tisch. Gibt es eine Lösung, wenn Schiedsrichter von der Sonne geblendet werden? Kann man die Ernährung der Unparteiischen bei Großereignissen optimieren? Die EURO 2004™ war für die europäischen Spitzenschiedsrichter eine großartige Erfahrung. Doch die Botschaft ist klar. Der Fußball bleibt nicht stehen, und so müssen auch die Schiedsrichter alles dafür tun, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten.