Fußball bleibt in Albanien Sportart Nummer eins
Montag, 5. Januar 2004
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Kokona ist Generaldirektor von Tele Sport, Albaniens einzigem Sportkanal.
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Tritan Kokona, Generaldirektor von Tele Sport, Albaniens Sport- Fernsehkanal, erkennt auf nationaler Ebene Verbesserungen, sagt aber, an der Basis müsse noch gearbeitet werden.
Auf welche Leistungen können die albanischen Fußballfans mit Stolz zurückblicken?
Fußball war und ist der beliebteste Sport in Albanien. Die Menschen hierzulande sind am internationalen Fußball interessiert, aber auch am heimischen Fußball, obwohl die Nationalmannschaft noch nie an einem großen Turnier teilgenommen hat. Immerhin hat das Land 1946 den Balkan-Pokal gewonnen, als sie Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien hinter sich ließen. 2000 wurde das Rothmans-Turnier [gegen Malta, Andorra und Aserbaidschan] gewonnen. Aber das sind bisher unsere einzige Leistungen. Die U21-Nationalmanschaft hat sich 1984 für die UEFA-Europameisterschaft qualifizieren können, nachdem Deutschland und Österreich ausgeschaltet werden konnten. Dieses Team gewann 1977 und 1981 den Balkan-Pokal. Im Vereinsfußball haben nur wenige albanische Mannschaften eine Runde in einem europäischen Wettbewerb überstanden. Dies waren FK Partizani, FK Tirana, KS Dinamo Tirana und KS Vllaznia. Der erfolgreichste Verein war KS Flamurtari, der 1987 im UEFA-Pokal nacheinander den FK Partizan aus Jugoslawien und Wismut Aue aus Ostdeutschland ausschalten konnte, ehe dann in der dritten Runde gegen den FC Barcelona das Aus kam.
Was war die Goldene Ära für den albanischen Fußball?
Ich würde sagen, die Zeit zwischen 1980 und 1990. Das war ein Jahrzehnt, als etliche albanische Vereine eine Runde im europäischen Fußball überstanden haben. Die Nationalmannschaft hatte zudem die Chance, sich für die FIFA-Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko zu qualifizieren, nachdem es in der Qualifikation gegen Polen und Belgien gute Ergebnisse gegeben hatte.
Wer waren die besten Spieler, die Albanien je hervorgebracht hat?
Albanien hat immer seine Stars gehabt, und vor dem Zweiten Weltkrieg haben einige sogar in der ersten italienischen Liga gespielt - Riza Lushta bei Juventus FC, Naim Kryeziu beim AS Roma und Loro Boriçi beim S.S. Lazio. Dann gibt es die Spieler, die in unserer Heimat geglänzt haben: Refik Resmja, Panajot Pano, Kolec Kraja, Perlat Musta, Sulejman Maliqati, Lefter Millo bei Partizani; Skënder Halili, Petrit Dibra, Shkëlqim Muça, Agustin Kola, Arben Minga in Tirana; Skënder Jareci, Zihni Gjinali, Ilir Përnaska, Muhedin Targaj, Sulejman Demollari bei Dinamo; Rrapo Taho, Kreshnik Çipi, Vasil Ruci bei Flamurtari; Sbah Bizi, Medin Zhega, Astrit Hafizi, Ferid Rragami bei Vllaznia; Ferdinand Lleshi bei KS Elbasani; Haxhi Ballgjini, Alfred Filjari bei KS Teuta; und Jani Kaçi bei KS Skënderbeu.
Albanien war 50 Jahre lang vom Rest der Welt abgeschnitten. Welchen Einfluss hatte dies auf den Fußball im Lande?
Ja, es war bedauerlich, dass Albaniens größte Spieler nicht die Möglichkeit hatten, im Ausland zu spielen. Leute wie Panajot Pano und Skënder Hali waren gut genug, um für irgendeinen großen Verein in Europa zu spielen. Und sie hätten auch mehr Spiele im internationalen Fußball absolviert. Nachdem sich Albanien der Welt geöffnet hat, sind viele Spieler ins Ausland gegangen und spielen nun in großen europäischen Ligen wie in der italienischen Serie A, der deutschen Bundesliga und in Frankreich, Griechenland, Türkei, Belgien und so weiter.
Nachdem Albanien jetzt ein offenes Land ist, wie würden Sie die Zukunft des albanischen Fußballs und der Nationalmannschaft beurteilen?
Tatsache ist, dass Albanien keine Angst mehr hat, gegen irgendjemanden zu spielen, speziell zu Hause, wo wir besonders stark sind. Wir haben Spieler in guten Vereinen in ganz Europa wie Paris Saint-Germain FC, RSC Anderlecht, Eintracht Frankfurt und Bologna FC. Es gibt also ausreichend Erfahrung und Qualität im Kader, um es mit jeder Mannschaft aufnehmen zu können. Unglücklicherweise befindet sich die nationale Liga noch auf einem sehr bescheidenen Niveau, auch wenn es dort gute Spieler gibt. Es gibt Tausende Jungendmannschaften, aber sie trainieren und spielen unter miserablen Bedingungen, weil es an der notwenigen Infrastruktur mangelt. Ich denke, dass die Nationalmannschaft dennoch große Fortschritte gemacht hat. Albanien blieb in der UEFA EURO 2004™-Qualifikation daheim ungeschlagen gegen die Schweiz und die Republik Irland und hat Russland sowie Georgien besiegt. Jetzt, in der FIFA-WM-Qualifikation für 2006, bekommen wir es mit der Türkei, Dänemark, der Ukraine, Griechenland, Georgien und Kasachstan zu tun. Das sind schwere Gegner, aber Albanien hat mit Ausnahme von Kasachstan gegen alle schon einmal gespielt. Mit Hans-Peter Briegel als Trainer hat die Mannschaft nun viel mehr internationale Erfahrung, und die Spieler sind reifer geworden, weil sie bei professionellen Vereinen in ganz Europa spielen. So ist es nur angemessen, dass wir in der WM-Qualifikation mehr von ihnen erwarten sollten.