„Schnee hält mich nicht vom Fußballspielen ab“

Der 14-jährige Iwan Grebelkin lebt im nördlichen Polarkreis im Nordwesten Russlands und spielt einen Großteil des Jahres Fußball im Schnee. Er erzählt uns, warum er den Sport liebt und wie sein Leben in einer Region mit einem derartigen Klima aussieht.

Nichts und niemand kann den 14-jährigen Ivan vom Fußballspielen abhalten – weder Schnee noch Minustemperaturen.
Fußball nördlich des Polarkreises bedeutet Schnee von Oktober bis Mai.
Fußball nördlich des Polarkreises bedeutet Schnee von Oktober bis Mai.©UEFA

Jeden Monat berichtet die UEFA im Rahmen ihrer Kampagne #EqualGame über eine Person aus einem ihrer 55 Mitgliedsverbände. Sie alle sind Beispiele dafür, wie der Fußball Inklusion, Zugang zum Sport und Vielfalt fördert und dass Behinderung, Religion, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit und soziale Herkunft kein Hindernis sind, Fußball zu spielen und Spaß daran zu haben.
 
Auf Schnee – vor allem, wenn er in großen Mengen vorhanden ist – gestaltet sich das Fußballspielen schwieriger.
 
In Nordwestrussland, in der nördlich des Polarkreises gelegenen Oblast Murmansk, können die Winter besonders hart sein. Bereits im Herbst fällt sehr viel Schnee, der für mehrere Monate liegen bleibt.
 
Fußballspielen ist in dieser Gegend daher eine große Herausforderung. Es gibt jedoch Menschen, die die Sportart so sehr lieben, dass sie diese Herausforderung annehmen – vor allem Jugendliche wie der 14-jährige Iwan Grebelkin, der in diesem Monat der Protagonist der UEFA-Kampagne #EqualGame ist. Iwan wohnt in Montschegorsk, einer Stadt mit gut 40 000 Einwohnern, die 145 km südlich des regionalen Verwaltungszentrums Murmansk auf der Halbinsel Kola liegt.     
 
„Ich lebe jenseits des Polarkreises“, sagt er. „Hier scheint die Sonne im Winter nicht sehr oft. Deswegen ist es sehr kalt und es liegt viel Schnee. Außerdem ist der Boden oft gefroren. Bei uns liegt von Oktober bis Mai Schnee, und wenn es heftig schneit, sieht man die Hand vor Augen nicht mehr. Bei starkem Wind werden die Schneeverwehungen teilweise kniehoch.“

„Selbst im Sommer ist es nicht besonders warm, und deshalb kann es auch im Sommer mal schneien. Im Winter haben wir hier die Polarnächte und auch davor und danach geht für etliche Wochen die Sonne praktisch kaum auf. Dann wird es gegen 15 Uhr schon wieder stockdunkel. Im Sommer haben wir hingegen den Polartag und die Sonne geht den ganzen Sommer über fast nie unter.“

'Die Menschen sind an diese Bedingungen gewöhnt.'
'Die Menschen sind an diese Bedingungen gewöhnt.'©UEFA

Die Bewohner der Region nehmen diese besonderen Bedingungen mit Gelassenheit hin. „Die Menschen sind an ein Leben unter diesen Bedingungen gewöhnt“, erklärt Iwan. „Es ist für uns nichts Neues. Schnee im Sommer ist normal... es überrascht die Menschen nicht.“

Iwan und seine Freunde lieben Fußball. Iwan ist Stürmer und spielt und trainiert zusammen mit anderen Jugendlichen. Außerdem tauschen sich die Freunde über Fußball aus und möchten  sich immer weiter verbessern. In seiner Familie wurde schon immer viel Fußball gespielt – sein Vater Sergei liebt das Fußballspielen und seine 10-jährige Schwester Lisa ist eine talentierte Torhüterin.

Gemeinsam mit Freunden kicken.
Gemeinsam mit Freunden kicken.©UEFA

Iwan und seine Freunde zeigen viel Einsatz, um auch im Winter Fußball spielen zu können – manchmal helfen sie sogar mit, den Fußballplatz vom Schnee zu befreien.


„Und wenn wir auf dem Platz nicht spielen könnten, würde ich mit meinen Freunden wohl einen anderen Ort zum Spielen suchen.“

'Wir haben jede Menge Spaß.'
'Wir haben jede Menge Spaß.'©UEFA

Iwan genießt die Kameradschaft, die zwischen ihm und seinen Freunden durch den Fußball entstanden ist. „Wir haben viel Spaß und lachen viel. Wir reden auch über alles, was in der vorherigen Woche in der Welt des Fußballs passiert ist, wie die besten Szenen, Tore und Paraden.“

Ballbehandlung auf Schnee – eine kniffelige Angelegenheit.
Ballbehandlung auf Schnee – eine kniffelige Angelegenheit.©UEFA

Wenn Iwan über Fußball spricht, beginnen seine Augen zu leuchten. „Wenn ich Fußball spiele, bin ich den ganzen Tag gut drauf“, sagt er. „Ich fühle mich gut und bin ausgeglichen. Wenn ich spiele, vergesse ich meine Probleme und alles um mich herum.“
 
Er betont, dass die Wetterbedingungen auch einen positiven Einfluss haben können. „Mich kann nichts vom Fußballspielen abhalten. Schlechtes Wetter würde mich nie vom Spielen abhalten... durch das Wetter wird das Spiel nur noch interessanter. Außerdem bekomme ich ein besseres Gefühl für den Ball, wenn ich im Schnell auf dem Platz spiele, denn es ist schwerer, einen Gegner im Schnee auszudribbeln.“

'Für Fußball im Schnee braucht man eine gute Kondition.'
'Für Fußball im Schnee braucht man eine gute Kondition.'©UEFA

Iwan erklärt, wie man im Winter auf dem Platz zurechtkommt. „Der größte Unterschied beim Spielen auf Schnee ist, dass der Ball rutschig ist und man schnell ausrutschen kann. Der Boden ist uneben und das macht das Dribbeln mit dem Ball schwieriger. Auch die Ballbehandlung wird schwerer. Und wenn man rennt, wird man doppelt so schnell müde, denn auf einem normalen Rasenplatz behindert einen nichts, aber auf Schnee sinken die Füße ein und das ist sehr anstrengend. Für Fußball im Schnee braucht man eine gute Kondition. Ich trainiere daher viel meine Technik und das wird mir langfristig helfen. Ich kann viel besser mit dem Ball umgehen. Und nachdem ich auf Schnee gespielt habe, ist es auf Rasen um einiges leichter.“

Ein erfolgreiches Team.
Ein erfolgreiches Team.©UEFA

Skifahren und Eislaufen sind bei Iwan, seinen Freunden und seiner Familie ebenfalls sehr beliebt.

„Diese Wintersportarten helfen mir dabei, eine Persönlichkeit sowie mehr Ausdauer und Geduld zu entwickeln. Diese Eigenschaften sind nützlich fürs Fußballspielen. Beim Skifahren wird außerdem eine bestimmte Muskelgruppe trainiert, die auch beim Fußball beansprucht wird.“
 
Iwan hat einen großen Traum: Er möchte eines Tages ein erfolgreicher Fußballer sein. Seine Mannschaft aus Montschegorsk belegte beim „Festival of the North“ – einer jährlich stattfindenden Sportveranstaltung in den Städten der Region Murmansk – in der Disziplin „Schneefußball“ den dritten Platz.

'Der Fußball gehört allen.'
'Der Fußball gehört allen.'©UEFA

Iwan würde aber auf jeden Fall auch in eine wärmere Gegend ziehen, auch wenn es eine große Umstellung wäre. „Ich würde gerne nach Spanien gehen, denn dort gibt es besseres Wetter und bessere Plätze.“
 
Der junge, zielstrebige Fußballliebhaber mit dem Leuchten in den Augen begreift instinktiv die Werte, die die UEFA-Kampagne #EqualGame vermitteln möchte – vor allem für die Ansicht, dass Fußballspielen für jeden Menschen und an jedem Ort möglich sein sollte.
 
„Ohne Fußball wäre das Leben nicht so aufregend“, betont er. „Es wäre nicht so farbenfroh. Jeder der Fußball spielen möchte, sollte dazu auch die Möglichkeit haben. Denn wenn man den Fußball liebt, dann kann man überall spielen.“

 

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