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Videoschiedsrichter-Zentrale der EURO 2020 am UEFA-Sitz in Nyon

Die UEFA ist fest davon überzeugt, dass das Videoschiedsrichter-System den Schiedsrichterleistungen bei der bevorstehenden EM-Endrunde zugutekommen wird.

Einer der VSA-Räume am UEFA-Sitz in Nyon.
Einer der VSA-Räume am UEFA-Sitz in Nyon. UEFA

Beim Vorab-Briefing zum Turnier am Freitag hob der Vorsitzende der UEFA-Schiedsrichterkommission, Roberto Rosetti, den Wert der Videoschiedsrichterassistenten (VSA) hervor und erklärte, weshalb sie bei der EURO für die Unterstützung der Schiedsrichter im Hinblick auf das Treffen korrekter Entscheidungen auf dem Platz eine so zentrale Rolle spielen werden.

Im Rahmen dieses Systems, das seit 2019 schrittweise in die UEFA-Wettbewerbe integriert wurde, überprüft ein Team von Videoassistenten Entscheidungen des Schiedsrichters in bestimmten Schlüsselsituationen eines Spiels mittels Videomaterial und Headset zur Kommunikation. Die Videoassistenten sollten nur eingreifen, wenn der Schiedsrichter einen offensichtlichen Fehler begangen hat oder ein schwerwiegender Vorfall übersehen wurde. Die Entscheidungshoheit liegt so weiter maßgeblich in den Händen des Spielleiters, doch der VSA ist von wesentlicher Bedeutung bei der Vermeidung von möglicherweise spielentscheidenden Fehlern.

„Die UEFA ist von diesem Projekt absolut überzeugt“, so Rosetti. „Das Ziel besteht nicht allein darin, die Schiedsrichter zu unterstützen, sondern den Fußball insgesamt. Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen und arbeiten intensiv daran, das System noch weiter zu verbessern.“

VSA-Zentrale am UEFA-Sitz in Nyon

Die UEFA hat 22 Videoschiedsrichter für die EM-Endrunde verpflichtet.
Die UEFA hat 22 Videoschiedsrichter für die EM-Endrunde verpflichtet.UEFA

Neben 18 Schiedsrichterteams wurden für die bevorstehende Endrunde insgesamt 22 Videoschiedsrichterassistenten (VSA) ausgewählt, die während des Turnier vom UEFA-Sitz im schweizerischen Nyon aus arbeiten werden. Hierfür wurden zwei Räume auf dem UEFA-Campus eingerichtet und die VSA-Teams wurden im Rahmen von Workshops umfassend auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Bei jedem der 51 Endrundenspiele wird der Haupt-Videoschiedsrichterassistent (Haupt-VSA) von einem Assistenten und einem Abseits-VSA unterstützt werden. Der Haupt-VSA ist der Chef des Teams und Hauptkontaktperson des Schiedsrichters. Er hat die Aufgabe, sich auf besondere Vorfälle zu konzentrieren. Derweil verfolgt der Assistent des VSA das Spiel allgemein, während der Abseits-VSA für alle potenziellen Abseitssituationen zuständig ist. Dem Team stehen zudem drei Operatoren und ein VSA-Support-Assistent mit koordinierenden Aufgaben zur Seite.

„Wir sind sehr froh über die zentrale Einrichtung in Nyon, und die bisherigen Tests sind allesamt sehr positiv verlaufen“, so Rosetti. „Wir sind zuversichtlich, dass das VSA-System bei der EURO von großem Nutzen sein wird, und wir sind überzeugt davon, dass unsere Videoassistenten die Besten der Welt sind. Ihre Eingriffe ins Spielgeschehen sollten umsichtig, eindeutig und konsistent sein.“

Erfreuliche Statistiken

Roberto Rosetti präsentierte erfreuliche Zahlen zum VSA-System seit dessen Einführung in den europäischen Wettbewerben vor zwei Jahren. „Seit Februar 2019 kamen in insgesamt 453 Partien Videoassistenten zum Einsatz – davon 297 Mal in der UEFA Champions League und 115 Mal in der UEFA Europa League. Zudem wurde das VSA-System nach und nach in anderen Wettbewerben eingeführt.“

In den 453 Begegnungen wurden dank Videoschiedsrichter 139 Entscheidungen korrigiert, was einer Korrektur pro 3,25 Spielen entspricht. Von den insgesamt 2 522 überprüften Situationen war die ursprüngliche Entscheidung des Spielleiters in 94,5 % der Fälle korrekt. Darüber hinaus nimmt die Anzahl der Korrekturen von Saison zu Saison kontinuierlich ab. Ein Ziel für die Zukunft besteht laut Rosetti darin, die durchschnittliche Dauer einer Intervention weiter zu verkürzen. „Die Zahlen zeigen, dass das System bereits sehr gut funktioniert“, resümierte der UEFA-Verantwortliche.

Neue Spielregeln schon bei der EURO

Roberto Rosetti, Vorsitzender der UEFA-Schiedsrichterkommission.
Roberto Rosetti, Vorsitzender der UEFA-Schiedsrichterkommission.UEFA

Rosetti bestätigte außerdem, dass bei der EM-Endrunde schon die IFAB-Spielregeln 2021/22 gelten werden. Die neuen Spielregeln treten am 1. Juli in Kraft, können aber bereits bei unmittelbar davor beginnenden Wettbewerben eingeführt werden.

Zu den aktuellen Änderungen gehören Klarstellungen zur Handspiel-Regel, die im Hinblick auf eine bessere Verständlichkeit überarbeitet wurde. Die Endrundenschiedsrichter wurden vor kurzem bei ihrem Vorbereitungskurs in Nyon umfassend über die neuen Spielregeln informiert.

Zudem sind die Schiedsrichter gehalten, Halten und Stoßen im Strafraum, Simulationen, rücksichtslose Tacklings und schwere, gesundheitsgefährdende Fouls bei der UEFA EURO 2020 konsequent zu ahnden. Auch Reklamieren und Rudelbildung gegen Unparteiische werden bestraft. „Wir möchten das Image des Fußballs ebenso schützen wie die Gesundheit der Spieler“, so Rosetti, „und wir werden kein unsportliches Verhalten oder respektloses Benehmen gegenüber den Schiedsrichtern dulden.“

Rosetti begrüßte die Möglichkeit für die UEFA-Schiedsrichterkommission, im Vorfeld des Turniers mit Spielern und Trainern der 24 teilnehmenden Mannschaften zu sprechen. „Wir erklären den Mannschaften unsere Richtlinien und Weisungen für die Schiedsrichter und reden mit ihnen über die Änderungen an den Spielregeln. Es erscheint uns wichtig, den Kontakt zu den Mannschaften zu pflegen, um ein besseres gegenseitiges Verständnis zu erreichen“, so Rosetti.