Die offizielle Website des europäischen Fußballs

Klublizenzierung

Klublizenzierung
Die ersten Lizenzen für Klubs stellte die UEFA 2004 aus. ©UEFA.com

Kalender

Die Anfänge

Zu Beginn wurde die Klublizenzierung als Kriterienkatalog eingeführt, den Vereine erfüllen mussten, wenn sie an UEFA-Klubwettbewerben teilnehmen wollten. Seit der Gewährung der ersten Lizenz 2004 hat sich das Verfahren stark weiterentwickelt und ist heute Teil der strategischen Pläne der UEFA-Mitgliedsverbände hinsichtlich der Entwicklung ihrer Vereine und die Verbesserung ihrer Governance. Sie ist zu einem zentralen Element bei wichtigen Entscheiden von Vereinen und deren Geschäftsführung geworden.

In einigen wenigen Ländern existierte in der einen oder anderen Form bereits zuvor ein Klublizenzierungsverfahren. 1999 forderten die Profivereine jedoch selbst eine Regulierung, um zahlreiche gängige Probleme im europäischen Fußball anzugehen, wie mangelnde finanzielle Transparenz und Instabilität, unangemessene Stadien, überfällige Verbindlichkeiten und fehlende Investitionen in den Juniorenfußball. Das führte dazu, dass acht Mitgliedsverbände für ein Pilotprojekt ausgewählt wurden, mit dem das Klublizenzierungsverfahren weiterentwickelt werden sollte, bevor das UEFA-Exekutivkomitee 2002 die erste Ausgabe eines Klublizenzierungshandbuchs genehmigte.

„Als das Klublizenzierungsverfahren 2004 eingeführt wurde, zielte es in erster Linie darauf ab, die Mindeststandards in der europäischen Fußball-Governance anzuheben, nachdem zahlreiche Fälle von Misswirtschaft bekannt geworden waren, die Vereine in einigen Fällen sogar in den Ruin getrieben haben. Seither wurde jedoch viel erreicht […]. Ich wünsche mir nur, dass wir uns weiterhin so entschlossen engagieren und vorwärts blicken, um jegliche Entwicklung, die diesen Zielen zuwiderlaufen würde, zu unterbinden.“

Michele Uva, UEFA-Vizepräsident und Vorsitzender der Klublizenzierungskommission beim jährlichen Workshop der UEFA zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay 2017 in Montenegro.

©UEFA.com

Das Reglement

Das UEFA-Reglement zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay ist ein Anforderungskatalog, der sich ständig an die sich wandelnden Gegebenheiten der europäischen Fußballlandschaft anpasst, mit dem Ziel, dass die an UEFA-Wettbewerben teilnehmenden Verbände einheitliche Mindestanforderungen erfüllen. Zurzeit umfasst das Verfahren 39 separate Kriterien, die fünf Säulen zugeordnet werden können: sportliche, infrastrukturelle, personelle und administrative, rechtliche und finanzielle Kriterien.

Obwohl es nie möglich sein wird, alle Probleme im europäischen Fußball durch die Klublizenzierung zu beseitigen, hat diese folgende übergeordneten Ziele:

• die Standards in allen Bereichen des europäischen Fußballs kontinuierlich zu fördern und zu verbessern;

• eine angemessene Administration und Organisation der Klubs sicherzustellen;

• die Sportinfrastruktur der Klubs anzupassen, um Spielern, Zuschauern und Medienvertretern geeignete, gut ausgestattete sowie sichere Einrichtungen zu bieten;

• die Integrität und den reibungslosen Ablauf der UEFA-Klubwettbewerbe zu gewährleisten.

Der UEFA ist bewusst, dass all ihre Mitgliedsverbände anders strukturiert sind und unterschiedlich geführt werden und sie das Verfahren deshalb an ihr jeweiliges Umfeld anpassen müssen. Deshalb verfügen die 55 UEFA-Mitgliedsverbände bei der Umsetzung des Lizenzierungsverfahrens über eine gewisse Flexibilität. Trotz dieser den Mitgliedsverbänden zugestandenen Flexibilität spielt die UEFA eine zentrale Rolle in der Gewährleistung einer einheitlichen und korrekten Anwendung des Verfahrens in ganz Europa.

Heute beantragen rund 550 der insgesamt 719 Erstligaklubs in Europa jedes Jahr eine Lizenz. Von denjenigen, die 2017 eine Lizenz für die Teilnahme an den UEFA-Klubwettbewerben 2017/18 beantragt haben, erhielten 88 % die Lizenz zugesprochen. Diese Zahl zeigt, dass die Mehrheit von ihnen die verschiedenen Anforderungen des Reglements nun kennt und sie auch erfüllt. Da das Verfahren in der einen oder anderen Form nun in den meisten der 55 UEFA-Mitgliedsverbände auch auf nationaler Ebene Gültigkeit hat, wird es Jahr für Jahr von 1 500 Vereinen durchlaufen.

©UEFA.com

Sehr große Tragweite

Wie oben bereits erwähnt, war die Klublizenzierung ursprünglich für Vereine vorgesehen, die an UEFA-Klubwettbewerben teilnehmen wollten, doch haben seine Auswirkungen auch dazu beigetragen, die Standards auf nationaler Ebene anzuheben. Genauso wie die Vereine Mindestanforderungen erfüllen müssen, müssen auch die Lizenzgeber (UEFA-Mitgliedsverbände und/oder ihnen angeschlossene Ligen) Mindestanforderungen bei der Umsetzung des Klublizenzierungsverfahrens erfüllen und ihrer Verantwortung in Übereinstimmung mit den Kriterien des finanziellen Fairplays gemäß Qualitätsstandard zur Klublizenzierung nachkommen.

©UEFA.com

Die aktuelle Ausgabe des 2003 eingeführten Qualitätsstandards zur Klublizenzierung bezweckt eine weitere Förderung des professionellen Managements und eine kontinuierliche Verbesserung der Klublizenzierungs- und der Monitoring-Verfahren. Um die Glaubwürdigkeit des Verfahrens sicherzustellen, muss der Lizenzgeber den Kernprozess, die vorgegebenen Fristen, den Sanktionskatalog sowie die Folgemaßnahmen einer Lizenzverweigerung korrekt umsetzen und gleichzeitig die Grundsätze von Unabhängigkeit, Vertraulichkeit und Gleichbehandlung aller Lizenzbewerber/Lizenznehmer gewährleisten. Ein unabhängiges Zertifizierungsorgan beurteilt jährlich, ob die im Qualitätsstandard zur Klublizenzierung enthaltenen Anforderungen erfüllt werden.

Im Laufe der Jahre wurden bestimmte Auswirkungen der Klublizenzierung auch über den Fußball hinaus in der Gesellschaft sichtbar. Dies zeigt sich deutlich in der Verpflichtung der Vereine, über ein schriftlich festgelegtes Juniorenförderprogramm und eine etablierte medizinische Betreuung für Spieler zu verfügen. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Klublizenzierung Veränderungen herbeiführen kann, ist die Einführung von Fan- bzw. Behindertenbeauftragen 2012 bzw. 2015. Zudem haben Trainerqualifikationen im Profifußball dank der engen Verbindung zwischen der UEFA-Trainerkonvention und dem UEFA-Klublizenzierungsverfahren an Bedeutung und Akzeptanz gewonnen.

Weitere Auswirkungen sind die Qualitätssteigerung bei der Sportinfrastruktur in vielen Teilen Europas sowie die Verbesserung der finanziellen Transparenz und des Managements dank der Einführung des Kriteriums betreffend überfällige Verbindlichkeiten. Zudem haben die UEFA und ihre Mitgliedsverbände seit der Gewährung der ersten Lizenzen 2004 ihre Erfahrungen und bewährten Vorgehensweisen mit der FIFA und anderen Kontinentalverbänden, die in ihren Gebieten ähnliche Verfahren eingeführt haben, ausgetauscht.

Trotz der zahlreichen Erfolge auf dem Gebiet der Klublizenzierung blickt die UEFA weiterhin voraus und findet Wege, um die Entwicklung voranzutreiben und die Standards auf europäischer Ebene weiter anzuheben, um die nach wie vor bestehenden bedeutenden Probleme im Fußball anzugehen.

Letzte Aktualisierung: 04.10.18 15.15MEZ