UEFA-Bericht dokumentiert Weg des europäischen Fußballs zu Rentabilität

Die UEFA hat ihren zehnten Benchmarking-Bericht zum europäischen Klubfußball herausgegeben – die maßgebende Übersicht über die 700 Erstligisten hebt Gewinne und Rekordeinnahmen hervor und zeigt Trends der vergangenen zehn Jahre auf.

Der Benchmarking-Bericht der UEFA liefert interessante Einblicke.
Der Benchmarking-Bericht der UEFA liefert interessante Einblicke. ©UEFA.com

Die UEFA hat die zehnte Ausgabe ihres jährlichen Benchmarking-Berichts zum europäischen Klubfußball mit dem Titel „Die europäische Klubfußballlandschaft“ veröffentlicht, die sich nicht nur auf das Finanzjahr 2017 konzentriert, sondern auch die wichtigsten Trends der letzten zehn Jahre analysiert.  

Der Bericht bietet die umfassendste und transparenteste je veröffentlichte Übersicht über den aktuellen Zustand der europäischen Fußballfinanzen. Sowohl die Daten von 2017 als auch die detaillierten Zehnjahrestrends vermitteln ein positives Bild. Im Finanzjahr 2017 generierten die 700 Erstligavereine gemeinsam erstmals einen Nettogewinn. Dieser Nettogewinn von EUR 615 Mio. – nach Berücksichtigung von Transfers, nicht betrieblichen Posten, Finanzierung, Steuern und Veräußerungen – widerspiegelt sechs aufeinanderfolgende Jahre des Fortschritts seit der Einführung des finanziellen Fairplays.

Der Blick zurück auf die letzten zehn Jahre verdeutlicht eine klare Zweiteilung zwischen den Jahren nach der Rezession und vor dem Inkrafttreten der Vorschriften zum finanziellen Fairplay von 2008 bis 2011 und der Zeit nach 2012, als die UEFA-Bestimmungen und anschließend verschiedene nationale Regelwerke eingeführt wurden. Ausufernde Kosten bei den Vereinen verursachten einen Anstieg der Verluste von EUR 600 Mio. 2008 auf EUR 1,7 Mrd. 2011. Seit der Einführung des finanziellen Fairplays konnten die Verluste jedoch gedrosselt und bis 2017 schließlich in Nettogewinne umgewandelt werden.

Im Vorwort des Berichts erklärt UEFA-Präsident Aleksander Čeferin: „In diesem Bericht werden die zahlreichen Erfolge des europäischen Fußballs aufgezeigt. Es wird ersichtlich, dass sich die im letztjährigen Bericht zu Tage geförderten positiven Trends bezüglich Einnahmen, Investitionen und Rentabilität fortsetzen. Die grundlegend positive Situation im europäischen Klubfußball ist erkennbar: Die 700 Erstligaklubs generierten zusammen erstmals in der Geschichte einen Nettogewinn. Es überrascht deshalb nicht, dass das Interesse am europäischen Fußball über den Kontinent hinausreicht, wie die Millionen von Followern in den sozialen Medien und die zahlreichen Vereinsübernahmen durch ausländische Investoren belegen.“

Im Bericht wird ein Mentalitätswandel bei den Finanzen des europäischen Fußballs im vergangenen Jahrzehnt hervorgehoben, der durch die Regulierung von der UEFA angestoßen und von den Nationalverbänden unterstützt wurde; eine stabile Medienlandschaft, loyale Fans und intensive Bemühungen hinsichtlich der Kostenkontrolle seitens der Vereine haben ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen, dass der europäische Fußball am Ende dieser zehn Jahre wesentlich stärker ist als zu Beginn.

Im Bericht wird festgehalten, dass 2017 der größte Einnahmenanstieg der Geschichte mit über EUR 1,6 Mrd. verzeichnet werden konnte. Zudem meldete eine Rekordzahl von 28 Ligen für 2017 Gewinne; vor der Einführung des finanziellen Fairplays 2011 waren es neun Ligen gewesen.

Im Bericht wird auch aufgezeigt, dass sich in den vergangenen zehn Jahren der Anteil der „globalen“ Top-12-Klubs an den gesamten Sponsoring- und kommerziellen Einnahmen der europäischen Vereine beinahe verdoppelt hat und zwar von 22 % auf 39 % mit einem entsprechenden Zuwachs von EUR 1,6 Mrd. Im Vergleich dazu betrug der Zuwachs bei den übrigen 700 europäischen Erstligisten aus großen, mittleren und kleinen Ligen eine knappe Milliarde Euro. Wenngleich die Polarisierung an der Spitze laut Bericht 2017 aussetzte und der Wachstumsanstieg bei den Vereinen auf den Plätzen 11 bis 20 größer war als bei jenen der Top 10, beobachtet die UEFA diese Entwicklung weiterhin genau. 

Aleksander Čeferin sagte: „In den jüngsten Ausgaben dieses Berichts wurden die Herausforderungen der Polarisierung und des Gleichgewichts in den Wettbewerben in den Mittelpunkt gestellt und es wurde aufgezeigt, wie finanzielle Gräben durch die Globalisierung und technologische Entwicklung vergrößert werden. Deshalb ist es wichtiger denn je, dass alle Interessenträger zusammenarbeiten, um den Fußball auf sämtlichen Ebenen der Pyramide zu stärken. Im Fußball werden nie alle gleich sein, er lebt nicht in einer Blase; ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass die UEFA als Hüterin des europäischen Fußballs sicherstellen muss, dass unser Sport in jedem einzelnen unserer 55 Mitgliedsverbände sein volles Potenzial ausschöpfen kann; daran arbeitet sie.“

Weitere wichtige Ergebnisse des Berichts:

• Die Einnahmen der Erstligavereine sind um 77 % von EUR 11,4 Mrd. 2008 auf EUR 20,1 Mrd. 2017, angestiegen.

• Zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren wuchsen die Einnahmen der europäischen Vereine stärker (8,9 %) als die Gehaltssummen (6,7 %).

• Dank dieser verbesserten Gehaltskontrolle konnten die europäischen Vereine 2017 die höchsten Betriebsgewinne der Geschichte (EUR 1,4 Mrd.) verzeichnen. Die Vereine haben in den letzten fünf Jahren insgesamt über EUR 4 Mrd. an Betriebsgewinnen erzielt, was jüngst die Transferausgaben ankurbelte.

• Die Nettoverschuldung geht weiter zurück, von 65 % der Einnahmen vor Einführung des finanziellen Fairplays 2011 auf 40 % im Jahr 2015 und 34 % 2017.

• Im ersten Jahr des laufenden Zyklus der TV-Rechte für die englische Premier League vergrößerte sich der Vorsprung der englischen Vereine gegenüber dem Rest Europas mit einem Plus von 47 % in der nationalen Währung und von 28 % in Euro. Einzig der FC Barcelona, Juventus Turin und Real Madrid erzielten höhere TV-Einnahmen als der 20. Premier-League-Verein.

• Die Transferausgaben sind innerhalb von lediglich drei Jahren um 95 % gestiegen, wobei sich die Beträge in allen drei Preisklassen (Transfers mit hohen, mittleren und niedrigen Werten) beinahe verdoppelt haben.

• Glücksspiel- und Wettanbieter sind in zehn europäischen Ligen zurzeit die häufigsten Trikot-Sponsoren.

• Noch nie haben so viele Menschen den europäischen Fußball mitverfolgt. 2017/18 wurden in Europa die höchsten je erfassten Besucherzahlen verzeichnet – mit 105 Mio. Besuchern lagen sie leicht über den Zahlen von 2011/12. Die Rekordzahl von 15 Vereinen übertraf bei Meisterschaftsspielen die Marke von einer Million Besuchern.

• UEFA-Preisgelder haben sich insbesondere in den weniger wohlhabenden Ligen zu einer wichtigen Einnahmequelle entwickelt: Die UEFA-Einnahmen sind in den vergangenen zehn Jahren um 228 % angestiegen, im Vergleich zu einer Erhöhung der Gesamteinnahmen von 77 % und der Einnahmen aus den TV-Rechten von 113 %.

• Im vergangenen Jahrzehnt wurden 46 ausländische Investoren 22 verschiedener Nationalitäten oberste beherrschende Partei europäischer Erstligaklubs.

Vollständigen Bericht herunterladen (zurzeit nur auf Englisch)

 

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