Die UEFA-Trainerkonvention wird 20 Jahre alt

Die UEFA-Trainerkonvention, die eine gut strukturierte und anpassungsfähige Trainerausbildung für die europäischen Mitgliedsverbände gewährleistet, besteht seit nunmehr 20 Jahren.

Ideenaustausch bei der UEFA-Trainerkonferenz.
Ideenaustausch bei der UEFA-Trainerkonferenz. ©Sportsfile

Wie werden Geburtstage gefeiert? Mit Kerzen, Kuchen oder einem Glas Wein? Viele sehen anlässlich eines Geburtstags die Gelegenheit, auf Errungenschaften der vergangenen Jahre zurückzublicken.

Die Akteure der Trainerausbildung könnten also das 20-Jahr-Jubiläum der UEFA-Trainerkonvention zum Anlass nehmen, über zwei Jahrzehnte des Fortschritts zu reflektieren. Der Öffentlichkeit sei hingegen verziehen, wenn sie keine guten Wünsche schickt – schließlich sind die Feinheiten der Trainerausbildung eine ganz eigene Welt oder, wie Howard Wilkinson einst sagte: „Es ist ein bisschen wie ein Schwan, der anmutig auf der Oberfläche dahingleitet, unterhalb allerdings wie verrückt paddelt.“ Der ehemalige englische Nationaltrainer, der nach wie vor intensiv an UEFA-Trainerausbildungsprogrammen beteiligt ist, findet hinsichtlich des Nutzens der UEFA-Trainerkonvention deutliche Worte: „Ich bin überzeugt davon, dass das Trainerwesen ohne die UEFA noch im tiefsten Mittelalter stecken würde.“

Andy Roxburgh, der langjährige Technische Direktor der UEFA, der bei der Entwicklung und Umsetzung der Konvention eine wichtige Rolle spielte, erinnert sich an die Anfänge in den 1990er-Jahren: „Das Exekutivkomitee war der Ansicht, dass die Trainer hinsichtlich der Anhebung der Standards und der Weiterentwicklung des europäischen Fußballs absolut zentral sind und dies nicht nur auf Profistufe, sondern auf allen Ebenen des Breitenfußballs.“Die Ziele bestanden darin, einheitliche Mindeststandards für das Trainerwesen einzuführen, die Spieler vor unqualifizierten Trainern zu schützen und den Trainerjob als anerkannten Beruf zu etablieren. Das Niveau der Trainerausbildung konnte in sämtlichen UEFA-Mitgliedsverbänden angehoben werden, und die wichtigste Errungenschaft war die Erleichterung der Personenfreizügigkeit qualifizierter Trainer auf dem Kontinent in Übereinstimmung mit der europäischen Gesetzgebung.

20 Jahre alt und noch nicht ausgewachsen

Die Konvention wird von Spitzentrainern unterstützt – Stanislaw Tschertschessow (Russland), Didier Deschamps (Frankreich) und Joachim Löw (Deutschland).
Die Konvention wird von Spitzentrainern unterstützt – Stanislaw Tschertschessow (Russland), Didier Deschamps (Frankreich) und Joachim Löw (Deutschland).©AFP

Die sechs Gründerverbände Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande und Spanien, welche die Konvention 1998 unterzeichneten, brachten einen Prozess ins Rollen, der gerade einmal acht Jahre später seinen Höhepunkt erreichte, als die Konvention bereits sämtliche UEFA-Mitgliedsverbände umfasste. Zurzeit zählt sie 54 Mitglieder und selbst ohne Berücksichtigung der zahlreichen UEFA-Breitenfußball-C-Lizenzen wurden 165 773 UEFA-Diplome (von der reitenfußballbis zur Pro-Stufe) ausgestellt.

Die Konvention hat sich mit dem Credo weiterentwickelt, dass Trainerausbildung ein dynamischer Prozess ist, herkömmliche Vorgehensweisen nicht unbedingt die besten sein müssen und es stets gilt, Verbesserungen anzustreben. Zur Ergänzung der klassischen Diplome – Breitenfußball, C, B, A und Pro – wurden Spezialistendiplome für Elitejunioren-, Torwart- und Futsal-Trainer geschaffen. Es wurden Programme eingeführt, um Trainerinnen dazu zu ermutigen, UEFA-Diplome zu erwerben. Den Trainerausbildungskursen wurde realitätsnahes Lernen zugrundegelegt und der Ausbildung von Ausbildern sowie der beruflichen Weiterbildung wird mehr Bedeutung zugemessen. Die Konvention wurde kontinuierlich optimiert und wird 2020 erneut überarbeitet. Viele wissen nicht, dass für den Erwerb einer UEFA-Pro-Lizenz 360 Unterrichtseinheiten mit mindestens 216 Stunden Praxisarbeit auf und neben dem Spielfeld erforderlich sind. Viele Verbände gehen sogar weit über diese Mindestanforderungen hinaus.

Die Konvention wird von vielen Seiten gelobt. „Es ist ein Beruf, den man erlernen muss, deshalb ist die Ausbildung von großer Bedeutung“, so Didier Deschamps, Weltmeister als Spieler und Trainer. „Trainerausbildung muss gut strukturiert und vielfältig sein und sich ständig den Entwicklungen im Fußball anpassen“, fügt der frühere Weltmeistertrainer Joachim Löw hinzu. „Die UEFA hat das vor vielen Jahren verstanden und die Trainerkonvention eingeführt.“

Dieses Jubiläum ist jedoch kein Grund für die UEFA, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Die Nationalverbände verdienen Lob für die Art, wie sie das UEFA-Konzept übernommen haben. Im Hinblick auf die effiziente Umsetzung der Programme werden Ressourcen bereitgestellt (und die UEFA steuert jährlich EUR 100 000 bei). Die Konvention ist ein mustergültiges Beispiel für die Verbindung zwischen der UEFA und ihren Mitgliedsverbänden – eine Verbindung, die seit nunmehr 20 Jahren andauert.

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus UEFA Direct Nr. 182

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