"Den Fußball für die Zukunft schützen"

UEFA-Präsident Michel Platini sprach auf dem XXXV. Ordentlichen UEFA-Kongress in Paris von den Erfolgen in seiner vierjährigen Amtszeit, richtete aber auch den Blick nach vorne auf die Probleme der Zukunft.

UEFA-Präsident Michel Platini
UEFA-Präsident Michel Platini ©UEFA.com

Der Schutz des Fußballs und die Liebe und Leidenschaft für diesen Sport sind die Prinzipien, die nach Meinung von UEFA-Präsident Michel Platini den europäischen Fußballdachverband und die Fußballfamilie antreiben sollten, das künftige Wohlergehen des Fußballs zu sichern.

In seiner Eröffnungsansprache beim XXXV Ordentlichen UEFA-Kongress am Dienstag in Paris, unterstrich der UEFA-Präsident die Errungenschaften seit seiner Wahl im Jahre 2007, und richtete die Bitte an die Fußballgemeinde, die Zukunft des Fußballs positiv zu gestalten.

Michel Platini sprach von den Verpflichtungen und Versprechen, die er vor vier Jahren getätigt hatte, und die er mittlerweile erfüllt hat. So wurden zum Beispiel die Befugnisse und Kompetenzen des UEFA-Exekutivkomitees ausgeweitet, die Kommissionen wurden wieder ins Zentrum der UEFA-Aktivitäten gerückt und den 53 Nationalverbänden wurde größerer Einfluss eingeräumt.

Im Rahmen des Studiengruppen-Programms und des KISS-Programms wurde der Austausch zwischen den Verbänden intensiviert und trotz der Finanzkrise wurden die Solidaritätszahlungen an die Verbände erhöht, vor allem im Rahmen des HatTrick-Hilfsprogrammes.

Mit Blick auf die Wettbewerbe erinnerte Michel Platini den Kongress daran, dass bei der UEFA EURO 2016 erstmals 24 Mannschaften an den Start gehen werden, dass durch veränderte Zugangsbeschränkungen mehr Verbände und Meister an der Gruppenphase der UEFA Champions League teilnehmen können und dass die UEFA Europa League aus der Taufe gehoben wurde. "Dank diesen Reformen konnte die Universalität der Wettkämpfe gewahrt und sogar verstärkt werden", sagte er.

Die Einheit der Fußballfamilie konnte wieder hergestellt werden, durch den Dialog zwischen UEFA, den Verbänden, Spielern, Klubs und Ligen – "im vorrangigen Interesse des Fußballs " – und zudem sind die Beziehungen zur FIFA exzellent.

Die soziale Rolle des Fußballs wurde durch die Einführung der Respekt-Kampagne ebenso verstärkt, wie durch die Entwicklung im Bereich der sozialen Verantwortung durch die UEFA. "Wir haben Maßnahmen ergriffen, um den Rassismus in den Stadien zu bekämpfen, und wir haben den Kampf gegen Doping verstärkt. Wir haben beschlossen, das komplexe Problem der Bestechung im Zusammenhang mit Fußballwetten anzugehen ... und haben unsere Null-Toleranz-Politik den Spielern, Schiedsrichtern und Offiziellen gegenüber bekräftigt", erläuterte Michel Platini.

"Wir haben unsere Beziehungen mit den Institutionen der Europäischen Union intensiviert und verbessert ... und nicht zuletzt haben wir das große Projekt des finanziellen Fairplay zum Schutz des Klubfußballs ins Leben gerufen." Dieses Projekt, so Michel Platini, soll verhindern, dass finanzielle Mittel der abenteuerlichen Geschäftsführung einiger weniger verantwortungsloser Manager zum Opfer fallen.

Mit Blick nach vorne begrüßte Michel Platini den exzellenten Status der UEFA Champions League – betonte aber auch die große Herausforderung, die Nationalmannschaftswettbewerbe zu fördern. "Wir haben die Pflicht, diesen Wettbewerben die Stellung zurückzugeben, die sie verdienen", sagte er. Konsultationen waren dazu der Schlüssel, erklärte der UEFA-Präsident, um den Wettbewerben ihren rechtmäßigen Wert zurückzugeben.

Mit Blick auf das finanzielle Fairplay erinnerte Michel Platini die Delegierten daran, dass 2009 die europäischen Profiklubs Nettoverluste in Höhe von 1,2 Milliarden Euro abgeschrieben hatten. "Ja, im Fußball sind riesige Geldsummen vorhanden, doch das ethische Problem ist in erster Linie die Art und Weise, wie dieses Geld verwaltet und verwendet wird ... das finanzielle Fairplay ist daher ein notwendiges Instrument, das es uns ermöglichen wird, bestimmten Praktiken in unserem Sport entgegenzuwirken." Michel Platini versprach, die neuen Vorschriften zum finanziellen Fairplay mit Mut und Entschlossenheit durchzusetzen.

Beim Thema Gewalt in den Stadien und Wettbetrug forderte der UEFA-Präsident die Hilfe staatlicher Behörden und der Politik. "Selbst mit der größtmöglichen Willenskraft wird es uns allein nicht gelingen, diese Übel aus der Welt zu schaffen. Deshalb richten wir heute einen Aufruf an die Staats- und Regierungschefs und die Verantwortlichen der europäischen Institutionen ... Bitte ergreifen Sie die notwendigen Maßnahmen."

Michel Platini erklärte weiter, dass die UEFA mit der FIFA an einem Projekt arbeite, das den Zweck habe, die Nachwuchsausbildung zu fördern und die Identität der Mannschaften zu schützen. Die Bedeutung und den Einfluss von Frauen im Fußball zu fördern, genieße ebenfalls oberste Priorität.

"Wie Sie sehen, werden die Förderung der Nationalmannschaften, die endgültige Umsetzung des Konzepts zum finanziellen Fairplay, der Kampf gegen Gewalt und Wettbetrug sowie die Beendigung der institutionellen Diskriminierung unsere Arbeit in den nächsten vier Jahren prägen", sagte der UEFA-Präsident.

Michel Platini rief die Fußballfamilie dazu auf, aktiv und mit großem Einsatz am Wohlergehen des Fußballs mitzuarbeiten. "Nichts ist unmöglich – was zählt, ist, dass unsere Überzeugung und Leidenschaft für den Fußball erhalten bleibt, der immer noch ein Spiel ist, und dass wir uns stets von den Werten Transparenz, Verantwortung, Öffnung, Exzellenz und Einheit leiten lassen. Auf diese Weise werden wir einen moralischeren, gerechteren und menschlicheren Fußball schaffen."

"Wir haben insbesondere die Pflicht, an die nächste Generation zu denken. An den Fußball zu denken, den wir unseren Kindern und Kindeskindern hinterlassen wollen", schloss Michel Platini. "Wir müssen weiter mutig sein und die Entscheidungen treffen, die notwendig sind, um den Fußball so zu erhalten, wie wir ihn lieben. Wir sind die Beschützer dieses Fußballs und die Hüter eines Ideals. Darauf müssen wir stolz sein. Ich jedenfalls bin es."

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