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UEFA präsentiert Richtlinien zum Kopfballspiel im Juniorenfußball

Die UEFA hat praxisorientierte Richtlinien zum Kopfballspiel im Juniorenfußball herausgegeben, die dazu beitragen sollen, die Gesundheit von Nachwuchsspielern zu schützen und ihre Sicherheit in Training und Spiel zu gewährleisten.

Die Richtlinien sollen die Belastung durch Kopfbälle im Juniorenfußball begrenzen.
Die Richtlinien sollen die Belastung durch Kopfbälle im Juniorenfußball begrenzen. ©Sportsfile

Hier finden Sie die Richtlinien zum Kopfballspiel im Juniorenfußball.

Die Richtlinien wurden bei der Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees in dieser Woche verabschiedet und schließen als Konsens-Dokument zum Kopfballspiel im Juniorenfußball eine Lücke.

Wenngleich die von der UEFA beauftragten Forscher zu dem Schluss gekommen sind, dass im Nachwuchsfußball wenig Kopfbälle gespielt werden, fallen die Richtlinien mitten in eine laufende Debatte über die Frage, ob das Köpfen eines Fußballs Auswirkungen auf die Gehirnstruktur oder -funktion haben kann.

Die Richtlinien enthalten wichtige Empfehlungen.
Die Richtlinien enthalten wichtige Empfehlungen.©Sportsfile


Die Richtlinien sind als Grundlagendokument für nationale Fußballverbände, Trainer und Eltern gedacht und geben Hinweise, wie im Juniorenfußball in Training und Spiel mit Kopfbällen umzugehen ist und was bei Kopfballübungen für Juniorinnen und Junioren zu beachten ist.

Ferner enthalten sie Ratschläge und Empfehlungen zu bestimmten Aspekten wie Ballgröße und druck, Übungen für die Nackenmuskulatur und zum Erkennen von Symptomen einer Gehirnerschütterung.

Das Dokument soll dazu beitragen, die Belastung durch Kopfbälle im Juniorenfußball auf ein Minimum zu reduzieren, das als notwendig erachtet wird, um den Sport nicht grundlegend zu verändern. Nationalverbände können zusätzliche Regelungen erlassen, die jedoch die UEFA-Richtlinien als Mindeststandard enthalten sollten. 

Kooperation unabhängiger Experten

Die Richtlinien wurden von einer Arbeitsgruppe bestehend aus Mitgliedern der Medizinischen Kommission der UEFA und externen Fachleuten erarbeitet und von der gesamten Medizinischen Kommission der UEFA sowie dem UEFA-Jira-Ausschuss, der sich seinerseits aus erfahrenen Trainern und Experten der Trainerausbildung zusammensetzt, geprüft.

Das Dokument wurde auf der Grundlage von Forschungsergebnissen erstellt.
Das Dokument wurde auf der Grundlage von Forschungsergebnissen erstellt.©Sportsfile

Als Grundlage dienten die Erkenntnisse aus zwei unabhängigen Forschungsarbeiten der deutschen Universität des Saarlands bzw. der schottischen Hampden Sports Clinic in Kooperation mit der örtlichen Gesundheitsbehörde Greater Glasgow & Clyde Health Board, die 2018 von der UEFA in Auftrag gegeben worden waren.

Der Vorsitzende der Medizinischen Kommission der UEFA, Prof. Dr. Tim Meyer, erklärte:

„In den vergangenen Jahren wurde immer wieder diskutiert, ob häufige Kopfbälle im Verlauf einer Karriere zu dauerhaften Veränderungen der Hirnstrukturen oder funktionen führen können. Allerdings konnte hierfür bisher kein endgültiger wissenschaftlicher Nachweis erbracht werden. Für die UEFA war es wichtig, Daten zur Kopfballbelastung im Juniorenfußball zu erheben und herauszufinden, was aus den vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnissen zweifelsfrei abgeleitet werden kann.“

Anwendung der Richtlinien

Die UEFA räumt ein, dass die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse keine präziseren Richtlinien zuließen. Allerdings sei es unter dem Gesichtspunkt der Prävention nach Ansicht des europäischen Fußball-Dachverbands dennoch sinnvoll, praktische Ratschläge und Mindestempfehlungen herauszugeben.

Nach Auffassung von Tim Meyer „ist es wichtig, dass die UEFA diese Richtlinien zusammengestellt hat, im Sinne von Mindestempfehlungen, wie in das Kopfballspiel eingeführt und gleichzeitig die Belastung von Juniorenspielern verringert werden kann. Wir hoffen, dass die Richtlinien eine Orientierungshilfe für Trainer, Spieler, Eltern und andere beim Umgang mit Kopfbällen im jugendlichen Alter darstellen werden.“

Beim Kopfballtraining.
Beim Kopfballtraining.©Sportsfile

Da die Meinungen zum Thema sind von Land zu Land verschieden sind, empfiehlt die UEFA den Nationalverbänden, diese Richtlinien als Mindestanforderungen zu betrachten und eingedenk der Gegebenheiten in ihrem Land (z.B. in Bezug auf Altersklassen, Wettbewerbsstrukturen und Infrastruktur in Vereinen/Schulen) eigene Vorgaben zu entwickeln.

Hintergrundinformation: Antworten auf offene Fragen und Datenerhebung

Die UEFA veröffentlichte im Mai 2017 einen Aufruf zur Einreichung von Forschungsvorschlägen zu zwei Fragestellungen.

• Erstens ging es um die Bestimmung der Belastung durch Kopfbälle im Juniorenfußball unter Berücksichtigung:

- der verschiedenen Lehrmethoden für Kopfbälle im Training, sowie

- der Unterschiede hinsichtlich Häufigkeit und Art von Kopfbällen in Spiel und Training sowie der Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersklassen und den Geschlechtern.

Auch sollten etwaige Unterschiede aufgrund verschiedener Traditionen und Spielweisen in den einzelnen Ländern berücksichtigt werden.

• Zweitens ging es darum, Daten zu erheben, die Aufschluss darüber geben, ob sich Kopfbälle im Juniorenbereich auf die Hirnstrukturen und funktionen der Spielerinnen und Spieler auswirken.

Zum damaligen Zeitpunkt mangelte es außerdem an Daten zu Natur und Ausmaß des Kopfballspiels im Juniorenfußball, was eine Reihe von wichtigen Fragen aufwarf:

• Wie oft köpfen Nachwuchsspieler in Training und Spiel?

• Um welche Art von Kopfbällen handelt es sich dabei?

• Bestehen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, Geschlechtern und Altersgruppen?

Die UEFA beauftragte zwei unabhängige Forschungseinrichtungen in Deutschland und Schottland.
Die UEFA beauftragte zwei unabhängige Forschungseinrichtungen in Deutschland und Schottland.©Sportsfile

2018 beauftragte die UEFA dann die beiden genannten Forschungseinrichtungen in Deutschland und Schottland mit einer tiefgreifenden, europaweiten Analyse.

Forschungsstudie der Universität des Saarlandes (Deutschland)

Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts wurden im vergangenen Monat im Scandinavian Journal of Medicine & Science In Sports veröffentlicht. 

Für die Studie wurde Videomaterial von Trainingseinheiten und Spielen von 480 verschiedenen Mannschaften aus acht europäischen Ländern ausgewertet. 

Dabei handelt es sich um die erste breit angelegte, europaweite, datenbasierte Erfassung der Kopfballhäufigkeit in Spiel und Training im Juniorenfußball. 

Die Studie kam zu folgenden wesentlichen Erkenntnissen:

Die Studien haben gezeigt, das im Nachwuchsfußball selten geköpft wird.
Die Studien haben gezeigt, das im Nachwuchsfußball selten geköpft wird.©Cosmin Iftode

 • Junioren köpfen insbesondere unter Wettkampfbedingungen selten; die Mehrheit der Unter-12-Jährigen köpft im Spiel überhaupt nicht, oder höchstens einmal.

• Der niedrigste Schnitt wurde in U10-Partien ermittelt, gefolgt von U16-Mädchen- und U12-Mannschaften. Von der untersuchten Stichprobe köpften die männlichen U16-Spieler am häufigsten.

• Die Unterschiede waren von Land zu Land beträchtlich.

Forschungsstudie der Hampden Sports Clinic und des Greater Glasgow & Clyde Health Board (Schottland)

Im Rahmen dieses Forschungsprojekts wurden zwei Ziele verfolgt:

• einerseits herauszufinden, welche Vorgaben derzeit in den verschiedenen Nationalverbänden für das Kopfballtraining im Juniorenfußball bestehen;

• andererseits, die derzeitige Umsetzung solcher Vorgaben durch Juniorentrainer in den verschiedenen Verbänden zu ermitteln.

Die Studiengruppe versandte zu diesem Zweck zwei Fragebögen an die UEFA-Mitgliedsverbände.

• Zum einen sollte untersucht werden, ob bereits Richtlinien zum Umgang mit Gehirnerschütterungen oder zum Kopfballspiel im Juniorenfußball existierten;

• zum anderen wurden Trainern spezifische Fragen zur Belastung nach Altersgruppe und Geschlecht in Training und Spiel (Häufigkeit und Dauer), zur benutzten Ballgröße und zur unterrichteten Kopfballtechnik gestellt.

Aus den Antworten ergab sich, dass:

• vier der 55 UEFA-Mitgliedsverbände über Kopfball-Richtlinien für Juniorinnen und Junioren verfügten;

• der Wissensstand bei den befragten Trainern unterschiedlich war und einige bemerkenswerte Wissenslücken bestanden.

Die schottische Studie wird derzeit zur Veröffentlichung in einer medizinischen Fachzeitschrift vorbereitet.

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