Denkwürdige Comebacks in der Königsklasse

Barcelona hat als erstes Team in der Geschichte der UEFA Champions League einen 0:4-Rückstand noch wettmachen können: 6:1 gegen Paris. UEFA.com blickt auf weitere denkwürdige Comebacks zurück.

Deportivos Juan Carlos Valerón jubelt mit Víctor Sánchez
Deportivos Juan Carlos Valerón jubelt mit Víctor Sánchez ©AFP/Getty Images

Chelsea - Barcelona 3:1
Barcelona - Chelsea 5:1 (n.V.)
Viertelfinale 1999/2000
In der Ära vor Roman Abramovich war Chelsea ein ganz normaler, mal mehr, mal weniger erfolgreicher Verein. Umso überraschender war der Hinspielsieg gegen die von Louis van Gaal trainierten Katalanen. Nachdem Tore André Flo im Camp Nou getroffen hatte, fehlten den Engländern ganze sieben Minuten zur Sensation, als Dani García mit dem 3:1 die Verlängerung erzwang. Dort trafen dann Rivaldo und Patrick Kluivert für die Spanier. Das Fazit von Luís Figo: "Wir haben ein perfektes Spiel gezeigt."

"Es war der schönste Abend meines Lebens", so sein Teamkollege Gabri García, während Figo hinzufügte: "Wir haben einen herben Rückschlag erlebt, konnten es aber wieder umbiegen." Riesige Enttäuschung herrschte derweil bei Chelsea. "Wir haben das gemacht, was wir nicht machen wollten: Ängstlich verteidigt", erklärte Trainer Gianluca Vialli.

AC Milan - Deportivo La Coruña 4:1
Deportivo La Coruña - AC Milan 4:0
Viertelfinale 2003/04
Walter Pandiani brachte Deportivo im San Siro in Führung, doch nach dem Schlusspfiff war dies lediglich eine Randnotiz, denn Milan zerlegte den Gegner nach allen Regeln der Kunst. "Dies ist eine sehr komplexe und schwierige Aufgabe", erklärte Depors Trainer Javier Irureta nach der 1:4-Pleite in Mailand, "aber im Fußball gibt es immer wieder Wunder, die man nicht begreifen kann."

Und so sollte es kommen - schon zur Pause führte sein Team im Rückspiel mit 3:0, Walter Pandiani, Juan Carlos Valerón und Alberto Luque sorgten für Jubelstürme im Riazor, der eingewechselte Fran González besorgte im zweiten Durchgang sogar noch das 4:0. Irureta versprach nach dem Spiel, eine Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela zu unternehmen.

Real Madrid - AS Monaco 4:2
AS Monaco - Real Madrid 3:1
Viertelfinale 2003/04
Ein beeindruckender Lauf von Außenseiter Monaco schien im Viertelfinal-Hinspiel im Santiago Bernabéu am 24. März 2004 bereits beendet. In der zweiten Hälfte des Hinspiels kassierten die Franzosen gleich vier Treffer, ehe Fernando Morientes gegen seinen Ex-Klub scheinbar nur Ergebniskosmetik gelang. Doch Trainer Didier Deschamps wollte nicht aufgeben: "Wenn ich nicht an uns glauben würde, könnte ich gleich zuhause bleiben."

©Getty Images
©Getty Images

Tat er dann nicht und dies sollte sich bezahlt machen. Als Monaco kurz vor der Pause noch mit 0:1 hinten lag, sorgte Ludovic Giuly mit dem 1:1 für einen winzigen Hoffnungsschimmer, der nach dem 2:1 durch Morientes – ausgeliehen von Real – zu einem Flächenbrand wurde, der Real verschlingen sollte. Giuly erzielte das 3:1 und Raúl González vergab in der Schlussminute eine Riesenmöglichkeit, das Spiel nochmals zu drehen. Morientes war hin- und hergerissen. "Ich freue mich sehr für Monaco, aber ich habe viele Freunde in Madrid, die gerade eine sehr schwere Zeit durchmachen."

Napoli - Chelsea
 3:1
Chelsea - Napoli 4:1 (n.V.)
Achtelfinale 2011/12
Ein Trainerwechsel führte die Blues wieder auf die Erfolgsspur. André Villas-Boas' letztes Europapokalspiel endete mit einer fast schon demütigenden Niederlage in Neapel. "Dank unseres Auswärtstores haben wir eine gute Chance, das Spiel noch zu drehen", hatte Villas-Boas nach dem Schlusspfiff trotzig prophezeit.

So kam es denn auch, aber ohne den Portugiesen. Unter seinem Nachfolger Roberto Di Matteo stürmten die Londoner durch Treffer von Didier Drogba, John Terry und Frank Lampard erst in die Verlängerung und nach dem Tor von Branislav Ivanović auch noch ins Viertelfinale. "Ich habe schon einige großartige Abende erlebt, aber dieser wird in die Vereinsgeschichte eingehen", sagte Di Matteo, nicht ahnend, dass da ein noch viel größerer Abend auf ihn und seine Mannschaft warten sollte.

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AC Milan - Barcelona 2:0
Barcelona - AC Milan 4:0
Achtelfinale 2012/13
Keine Mannschaft hatte es bisher geschafft, eine Niederlage mit zwei Toren Unterschied aus dem Hinspiel noch umzubiegen, ohne dabei ein Auswärtstor im Gepäck zu haben. Barcelona störte sich an dieser Statistik wenig und dank der fantastischen Unterstützung im Camp Nou schlugen sie gegen die Italiener zurück. Nach dem Doppelpack von Lionel Messi in der ersten Halbzeit war alles wieder komplett offen, ehe David Villa zu Beginn der zweiten Halbzeit das 3:0 markierte.

Mit etwas Glück - M'Baye Niang scheiterte für Milan knapp am Pfosten –  und schließlich dem 4:0 von Jordi Alba in der Nachspielzeit war Barcelona dann aber doch in der nächsten Runde. "Dies ist das Barça, welches wir und unsere Fans in jedem Spiel sehen wollen", meinte Messi anschließend gegenüber UEFA.com. Auch am Mittwoch gegen die Bayern werden die Katalanen mindestens einen solchen Galaauftritt brauchen.

Olympiacos - Manchester United
Manchester United - Olympiacos 3:0
Achtelfinale2013/14
Der Geist von Sir Alex Ferguson lebt weiterhin im Old Trafford! Der Rücktritt des Schotten signalisierte das Ende einer Ära für die rote Hälfte von Manchester, doch die Einstellung blieb immer die gleiche. Olympiacos stand nach Toren von Alejandro Domínguez und Joel Campbell nach dem Hinspiel mit einem Bein im ersten Viertelfinale der UEFA Champions League seit 15 Jahren, doch United schlug eiskalt zurück.

Robin van Persie hatte großen Anteil am Comeback. So brachte der Niederländer sein Team vom Elfmeterpunkt in Führung, ehe er kurz vor der Pause seinen zweiten Treffer folgen ließ. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff erzielte er dann mit einem direkt verwandelten Freistoß seinen ersten Dreierpack in der UEFA Champions League. Ein historisches Ergebnis, denn es dauerte auf den Tag genau 30 Jahre, ehe United wieder solch ein Ergebnis umbiegen konnte. Das letzte Mal war dies gegen den FC Barcelona im Europapokal der Pokalsieger gelungen.

Paris Saint-Germain - Chelsea 3:1
Chelsea - Paris Saint-Germain 2:0
Viertelfinale 2013/14
Wieder Chelsea! Diesmal kassierte die Truppe von José Mourinho in der französischen Hauptstadt eine 1:3-Niederlage, doch das Elfmetertor von Eden Hazard sollte sich am Ende aks entscheidend erweisen.

Sechs Tage später brachte André Schürrle die Blues in der 32. Minute in Führung, drei Minuten vor Schluss kannte der Jubel nach dem 2:0 durch Demba Ba keine Grenzen mehr, denn damit war Chelsea aufgrund der Auswärtstorregel weiter. "Wir haben heute alles riskiert", sagte Mourinho. "Auch wenn wir das zweite Tor nicht mehr geschafft hätten, wären wir sehr stolz auf die Jungs gewesen."

FC Porto - FC Bayern München 3:1
FC Bayern München - FC Porto 6:1
Viertelfinale 2014/15
Porto hatte seit dem Titelgewinn 2003/04 nicht mehr das Halbfinale erreicht, doch zwei Tore von Ricardo Quaresma in den ersten zehn Minuten des Hinspiels waren ein guter Start für die Portugiesen. Nach einer knappen halben Stunde gelang Thiago Alcántara der Anschlusstreffer, ehe Jackson Martínez nach der Pause für den Endstand und einen komfortablen Vorsprung von Porto sorgte.

Die Bayern waren schon nach einer knappen Viertelstunde nach den Kopfballtoren von Thiago und Jérôme Boateng aufgrund der Auswärtstorregel auf Halbfinal-Kurs. Robert Lewandowski, der zweimal traf, und Thomas Müller schossen einen 5:0-Vorsprung heraus, bevor Jackson Martínez verkürzen konnte und Xabi Alonso den späten Endstand herstellte.

Wolfsburg - Real Madrid 2:0
Real Madrid - Wolfsburg 3:0
Viertelfinale 2015/16
Wolfsburg hatte es zuvor noch nie ins Halbfinale geschafft und trat gegen das Team mit den meisten Viertelfinal-Teilnahmen überhaupt an. Trotzdem gelang den Wölfen im Hinspiel durch die Tore von Ricardo Rodriguez und Maximilian Arnold ein Sieg, der sie auf Halbfinal-Kurs brachte. Jedoch waren sich beide Trainer einig, dass noch nichts entschieden war: "Das Gute ist: Man kann einen schlechten Tag erwischen, doch es gibt immer noch das Rückspiel", so Zinédine Zidane.

Wolfsburgs damaliger Trainer Dieter Hecking hatte noch gewarnt: "Wir wissen, was in Madrid auf uns zukommt". Was dann wirklich kam, konnte er am Ende aber doch nicht verhindern. Zwei Tore von Cristiano Ronaldo innerhalb von 86 Sekunden hatten den Vorsprung der Wölfe aus dem Hinspiel zur 17. Minute egalisiert. Der portugiesische Superstar komplettierte sogar noch seinen Dreierpack mit einem Freistoßtor in der 77. Minute und sagte hinterher: "Tore sind Teil meiner DNA. Es war ein perfekter, magischer Abend."