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Women's Champions League: Taktikanalyse – Vivien Endemanns Umschaltstärke entscheidend für Wolfsburg

Die Technische Beobachterin der UEFA, Irene Fuhrmann, analysiert Vivien Endemanns Leistung beim Viertelfinal-Hinspiel der UEFA Women's Champions League.

Vivien Endemann war für Wolfsburg bei OL Lyonnes die wichtigste Anspielstation im Umschaltspiel
Vivien Endemann war für Wolfsburg bei OL Lyonnes die wichtigste Anspielstation im Umschaltspiel Getty Images

Im Viertelfinal-Hinspiel der UEFA Women’s Champions League setzte Wolfsburg seinen Matchplan nahezu perfekt um und feierte erst den dritten Sieg im zwölften Duell mit OL Lyonnes.

Das Rückspiel wird zugleich eine historische Marke setzen: Beim 13. Aufeinandertreffen der beiden Teams handelt es sich um das meistgespielte Duell in der Geschichte der Women’s Champions League – und löst damit die bisherige Bestmarke von zwölf Partien zwischen OL Lyonnes und Paris Saint-Germain ab.

Wie die Technische Beobachterin der UEFA Irene Fuhrmann erklärt, war es letztlich Spielerin des Spiels Vivien Endemann, die mit ihrer Gefahr im Umschaltspiel den entscheidenden Unterschied ausmachte.

So lief das Spiel: Live-Blog zum Nachlesen

Endemann habe einen "entscheidenden, positiven Einfluss auf das Spiel gehabt, insbesondere in Umschaltsituationen", sagte Fuhrmann. Vor allem ihre Fähigkeit, nach Ballgewinnen sofort Tempo aufzunehmen und Angriffe einzuleiten, sei Wolfsburgs verlässlichste offensive Waffe gewesen.

Die Wölfinnen nutzten gezielt Momente, in denen OL kurzzeitig die Ordnung verlor, und Endemann bestrafte diese Unsauberkeiten immer wieder. "Nach Ballgewinnen erkannte sie die offenen Räume, und ihre Mitspielerinnen setzten sie sehr gut ein", so Fuhrmann, die neben Endemanns individueller Klasse auch die strukturelle Klarheit im Wolfsburger Spiel hervorhob.

Allein ihr Tempo stellte die Defensive vor große Probleme: "Oft war sie nur durch Fouls zu stoppen, weil ihre Geschwindigkeit sie schwer zu verteidigen machte. Zudem timte sie ihre Läufe klug, indem sie die Wege der Verteidigerinnen kreuzte." Zwar erzielte Endemann selbst kein Tor, bereitete aber nach einem Ballgewinn den entscheidenden Treffer vor, nachdem sie die Situation am schnellsten erkannt hatte.

Women's Champions League tactical analysis: Wolfsburg's decisive edge

Aus taktischer Sicht war Wolfsburgs Stärke im Umschaltspiel kein Zufall. "Wolfsburg war taktisch hervorragend darauf vorbereitet, in Umschaltsituationen gefährlich zu sein", erklärte Fuhrmann. "Es war klar zu erkennen, dass die Spielerinnen genau wussten, wo Räume entstehen und wie sie ihre eigenen Stärken – ebenso wie die ihrer Mitspielerinnen wie Endemann oder Lineth Beerensteyn – optimal nutzen können. Durch diesen klaren Plan waren sie ihren Gegnerinnen einen Schritt voraus."

"Effizienz im Umschaltspiel entsteht durch das Zusammenspiel von Antizipation, Positionierung und sofortiger Ausführung – nicht allein durch Geschwindigkeit", ergänzte Fuhrmann. "Man braucht Spielerinnen, die mental bereit sind und schnell handeln, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Neben der taktischen und mentalen Komponente spielt auch die Physis eine wichtige Rolle, auch wenn Entscheidungsfindung und Ausführung entscheidend bleiben."

"Effizienz im Umschaltspiel entsteht durch das Zusammenspiel von Antizipation, Positionierung und sofortiger Ausführung – nicht allein durch Geschwindigkeit. Man braucht Spielerinnen, die mental bereit sind und schnell handeln, sobald sich eine Gelegenheit bietet."

Irene Fuhrmann, Technische Beobachterin der UEFA

Ebenso entscheidend ist das Zusammenspiel zwischen Ballgewinnerin und Tiefenläuferin. "Idealerweise weiß die Spielerin, die den Ball gewinnt, bereits, wo sich ihre Zielspielerin befindet und welchen Raum sie attackieren wird", erklärte Fuhrmann. "Andernfalls sollte ihr erster Blick in die letzte Linie gehen, um sich zu orientieren. Gleichzeitig muss die Zielspielerin erkennen, ob ihre Mitspielerin unter Druck steht oder nicht, und ihren Lauf im richtigen Moment starten. Das erfordert ein hohes Maß an Abstimmung und Kommunikation. Mit anderen Worten: Es braucht Spielerinnen mit hoher Spielintelligenz, die einen Schritt vorausdenken und antizipieren, was als Nächstes passiert."

"Wir haben mehr Chancen herausgespielt, aber drei oder vier Umschaltsituationen zugelassen, in denen Wolfsburg gefährlich werden konnte."

Jonatan Giráldez, Trainer OL Lyonnes

OL-Trainer Jonatan Giráldez räumte nach der Partie genau dieses Problem ein: "Wir sind es gewohnt, mehr Kontrolle zu haben, um solche Situationen zu vermeiden."

Diese kurzen Momente des Kontrollverlusts erwiesen sich als entscheidend. Und mit Spielerinnen wie Endemann in Topform kann bereits ein einziger Konter ein Spiel entscheiden.

Irene Fuhrmann ist ehemalige österreichische Nationalspielerin, die nahtlos in die Trainerlaufbahn wechselte und sich innerhalb des Verbandes kontinuierlich nach oben arbeitete. Sie wurde Österreichs erste Nationaltrainerin und führte das Team bis ins Viertelfinale der UEFA Women’s EURO 2022.