UEFA Women's Champions League Taktikanalyse: Wie Bayern das Spiel gegen Arsenal in der 2. Halbzeit drehte
Donnerstag, 13. November 2025
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Martina Voss-Tecklenburg, die Technische Beobachterin der UEFA, analysiert, wie die Bayern nach der Pause das Spiel gegen Arsenal in der UEFA Women’s Champions League drehten.
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Bayern hat am 3. Spieltag der UEFA Women’s Champions League ein beeindruckendes spätes Comeback gegen Arsenal hingelegt. Drei Treffer in den letzten 23 Minuten bescherten dem Team den Sieg über die Titelverteidigerinnen.
Kapitänin Glódís Viggósdóttir machte den Erfolg in der 86. Minute perfekt, als sie eine Hereingabe von Klara Bühl verwertete – nachdem die eingewechselten Alara und Pernille Harder die Partie nach einem 0:2-Rückstand zuvor ausgeglichen hatten. Bühl, die alle drei Treffer vorbereitete und zur Spielerin des Spiels gewählt wurde, leitete eine Aufholjagd ein, die den FC Bayern auf sechs Punkte brachte.
"In der ersten Halbzeit waren wir nicht gut, wir haben nicht unseren besten Fußball gespielt. Danach sind wir als Team zusammengeblieben und haben unser Spiel verbessert. In der zweiten Halbzeit waren wir deutlich besser. Wir haben das Spiel kontrolliert und als Einheit agiert", sagte Bühl der UEFA.
Den Wendepunkt brachten vor allem die Einwechslungen: "Nach den Wechseln von Arianna Caruso, Alara und Pernille Harder hatten sie mehr körperliche Präsenz", erklärte die Technische Beobachterin der UEFA, Martina Voss-Tecklenburg. "Momoko Tanikawa rückte höher, gewann wichtige Bälle im Zentrum, spielte vertikale Pässe und sorgte für mehr Torgefahr."
Auch Bayern-Trainer José Barcala zeigte sich nach der Partie zufrieden: "Als Trainer ist es genau das, was man möchte: dem Team mit Einwechslungen helfen." Auf der Gegenseite erkannte Arsenal-Coach Renée Slegers die Veränderung im Spielverlauf klar: "Sie wurden schneller, sie gingen öfter in die Tiefe [in der zweiten Halbzeit]. Das Spiel wurde direkter – lange Bälle, zweite Bälle. Sie haben viele Spielerinnen nach vorne geschoben, und wir haben nicht gut genug darauf reagiert."
Bühl war am gefährlichsten, wenn sie den Raum hinter der gegnerischen Abwehr attackieren konnte. "Durch die beiden abgefangenen Bälle hatte Bühl die Möglichkeit, in die Tiefe zu starten – mit ihrem Tempo bereitete sie große Probleme und hatte dank ihres guten Spielverständnisses entscheidenden Anteil an den Toren", analysierte Voss-Tecklenburg. "Sie hat jeweils die beste Spielerin in der besten Position gesehen."
Trainerbeobachtung: Die Psychologie der gefährlichen 2:0-Führung
Voss-Tecklenburg betonte zudem, dass ein Zwei-Tore-Vorsprung trügerisch sein kann. "Ein 2:0 ist das gefährlichste Ergebnis", sagte sie. "Einerseits fühlt man sich sicher, aber ein Gegentreffer verändert alles – psychologisch wirst du unsicher, während deine Gegner mutiger werden. Als Trainerin spiele ich immer auf das dritte Tor und möchte direkt nach der Pause offensive Signale setzen."
Liegt man hingegen 0:2 hinten, komme es auf Ruhe und Struktur an: "Man muss die Fehler sachlich ansprechen und konkrete Lösungen anbieten – Bälle ins Zentrum lenken, sie dort gewinnen, um selbst ins Umschaltspiel zu kommen. Dann wird man durch Abschlüsse innerhalb und außerhalb des Strafraums gefährlich. Das war der Grund, warum Bayern das Spiel drehen konnte."
Auch Bayern-Trainer Barcala teilte diese Einschätzung: "Das zeichnet uns als Team aus. Auch wenn wir in der ersten Hälfte Schwierigkeiten haben, bleiben wir ruhig, suchen gemeinsam nach Lösungen und versuchen, eine bessere Version von uns zu zeigen. Das ist für mich heute die zentrale Botschaft."
Martina Voss-Tecklenburg ist ehemalige deutsche Nationalspielerin und eine der renommiertesten Trainerinnen Europas. Sie führte die Schweiz 2015 erstmals zu einer WM-Teilnahme und erreichte mit Deutschland das Finale der UEFA Women’s EURO 2022.