Youth League Halbfinalisten: Taktische Analyse der Rolle der Außenverteidiger, des Aufbauspiels über den Torhüter und der Abwehrarbeit im Strafraum
Donnerstag, 24. April 2025
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Die Technische Beobachtergruppe und die UEFA-Abteilung für Leistungsanalyse nehmen die Halbfinalisten der UEFA Youth League taktisch unter die Lupe.
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Angriffe über die Flügel, Abstöße des Torhüters und Verteidigung des Strafraums. Dies waren die drei wichtigsten Gesprächsthemen, die die Technische Beobachtergruppe und die UEFA-Abteilung für Leistungsanalyse nach den Viertelfinal-Duellen sowie vor dem Halbfinale der UEFA Youth League am Freitag in Nyon besprochen haben.
Hier gibt es einen Einblick in die Herangehensweise der Halbfinalisten AZ Alkmaar, Barcelona, Salzburg und Trabzonspor...
1 – Zusammenspiel zwischen Außenverteidigern und Flügelspielern
Ein immer wiederkehrendes Thema, das die UEFA-Analysten beschäftigte, war die Art und Weise, wie die Mannschaften den Raum auf den Flügeln nutzten.
Zur Veranschaulichung: In den vier Viertelfinal-Spielen wurden mehr als die Hälfte (52 %) aller Pässe ins letzte Drittel auf die Flügel (Bahnen 1 und 5) gespielt, und Pässe dieser Art trugen direkt zu zwei Dritteln (66 %) der Torchancen bei, die sich im letzten Drittel ergaben.
Die Verbindung zwischen den Außenverteidigern und den Flügelspielern war der Schlüssel zu diesem Angriffsspiel über die Außenbahnen. Das folgende Video vom 2:1-Sieg Barcelonas in Stuttgart zeigt ein Beispiel für diese Verbindung auf der rechten Flanke der spanischen Mannschaft. Es zeigt, wie Flügelspieler Jan Virgili eine Bewegung zurück zu seinem rechten Verteidiger Xavi Espart macht, um den Stuttgarter Außenverteidiger nach vorne zu locken, bevor er sich dreht, um Esparts Pass in den Raum dahinter zu empfangen.
Der Technische Beobachter der UEFA, Steve Cooper, sagte, dass dieser erste Clip zeige, wie die Spieler kombinieren können, ohne dass sie eng beieinander stehen müssen. "Sie können zusammenspielen, wenn sie nahe beieinander sind, aber auch, wenn sie weit voneinander entfernt sind", sagte er.
Die Flügelspieler von Barcelona kombinierten auf unterschiedliche Art und Weise – und in Clip zwei sehen wir, wie Arnau Pradas den Ball an der Seitenlinie mit dem Rücken zum gegnerischen Tor annimmt und Platz für Espart schafft, damit dieser hinterlaufen und erneut angespielt werden kann.
Trabzonspor nutzte beim 1:0-Heimsieg gegen Inter die Räume auf den Flügeln ähnlich gut aus, wobei Rechtsverteidiger Oğuzhan Yılmaz mit seinen Läufen nach vorne, um Pässe im Angriffsdrittel zu empfangen, eine ständige Gefahr darstellte. Flügelspieler Onuralp Çakiroğlu (Nr. 20) zog immer wieder nach innen, um die Aufmerksamkeit des Gegners auf sich zu lenken und Oğuzhan Yılmaz Raum zu verschaffen, damit dieser hinterherlaufen konnte. Der obige Clip zeigt dieses Paar in Aktion und verdeutlicht, wie wichtig es ist, genau zu erkennen, wie das Timing der einzelnen Bewegungsabläufe den Gegner sowie die Spieler am und um den Ball herum sowie abseits des Spielgeschehens beeinflussen kann.
Ein weiteres Beispiel für cleveres Kombinationsspiel finden wir bei Barcelona und im obigen Clip, in dem Flügelspieler Virgili in einer 2-gegen-3-Unterzahlsituation einen Pass auf der Außenbahn erhält. Nach seinem Zuspiel zu Quim Junyent zieht Virgili nach innen und wird im richtigen Moment wieder bedient.
2 – Verschiedene Möglichkeiten im Aufbauspiel über den Torhüter
Der Einsatz des Torhüters im Aufbauspiel ist der zweite Aspekt, den die UEFA-Analysten untersuchten. Sie stellten fest, dass die überwiegende Mehrheit der Torhüterpässe kurz gespielt wurde, wobei die Mannschaften oft versuchten, den Gegner zum Pressing einzuladen oder einfach den Ballbesitz zu kontrollieren.
Interessanterweise wurde ein Drittel (33 Prozent) aller Abstöße von einem Innenverteidiger ausgeführt und direkt zum Torwart gespielt, während bei sechs der acht teilnehmenden Mannschaften im Viertelfinale mindestens ein Abstoß von einem Feldspieler ausgeführt wurde. Die Stuttgarter wählten diese Strategie am häufigsten: Fünf ihrer sieben Abstöße (71 Prozent) wurden von einem Feldspieler ausgeführt.
Kiyani Zeggen von AZ Alkmaar war der wohl auffälligste Torhüter – er spielte beim 1:0-Heimsieg gegen Manchester City 65 Pässe und war eine besonnene und solide Option, wenn sein Team von hinten heraus aufbaute. Wie in den obigen Clips zu sehen ist, hielt er gerne den Ball und wartete auf das Pressing der City-Angreifer, bevor er seinen Pass spielte und sich dann sofort in eine Position bewegte, um von hinten zu unterstützen. In der 4-2-3-1-Formation ließen sich die beiden defensiven AZ-Mittelfeldspieler tief fallen, was Zeggen zusätzliche Optionen als Anspielstationen bot.
Über die Herangehensweise von AZ sagte Cooper: "Sie setzen auf einen geduldigen Spielaufbau, nutzen den Torhüter als zusätzlichen Mann und warten auf den Moment, in dem City ins Pressing geht." Und geht der Torhüter mit seiner Spielweise ein Risiko ein? Cooper erklärte: "Wenn der Spielplan einer Mannschaft darin besteht, das Pressing auszulösen, dann kann der Torhüter – indem er den Gegner anlockt – mehr Platz für ein Zuspiel schaffen, womit das gegnerische Pressing bequem umgangen werden kann."
Mit zunehmender Spieldauer änderte AZ seine Vorgehensweise. Während in der ersten Halbzeit 76 Prozent der Pässe von Zeggen innerhalb des Verteidigungsdrittels gespielt wurden, sank diese Zahl in den letzten 15 Minuten auf 9 Prozent. 64 Prozent seiner Pässe wurden nun ins Angriffsdrittel gespielt, da beide Teams für eine späte Entscheidung sorgen wollten.
Im Gegensatz zu Zeggen verfolgte Trabzonspor-Torhüter Erol Can Çolak einen abwechslungsreicheren Ansatz. Er spielte 52 % seiner Pässe innerhalb des Defensivdrittels, doch wenn Inter hoch presste, versuchte er, dies mit geschickten Pässen auf die Außenverteidiger zu umgehen oder höher in die vorderste Reihe zu spielen, wo die Spieler um den Ball kämpfen konnten. Diese Fähigkeit, genau zu erkennen, wann man das gegnerische Pressing überspielen oder umgehen sollte, um das Risiko eines Ballverlusts in gefährlichen Bereichen zu verringern, ist für Spieler, die in die Eliteklasse aufsteigen wollen, von entscheidender Bedeutung.
Obwohl die Salzburger bei ihrem 1:0-Sieg gegen Titelverteidiger Olympiacos keinen einzigen Abstoß zu verzeichnen hatten, waren sie die Mannschaft, die bei Torwartpässen am offensivsten zu Werke ging. 60 Prozent der Pässe von Christian Zawieschitzky gingen in die Mitte oder ins Angriffsdrittel, wie unten zu sehen ist.
Eine erfolgreiche Strategie, die sich auf die Fähigkeit von Mittelstürmer Alexander Murillo stützte, die Olympiacos-Hintermannschaft auseinanderzureißen, bevor er sich zurückfallen ließ, um eine Möglichkeit für ein Zuspiel zu schaffen.
Wie in den obigen Clips zu sehen ist, konnte Murillo bei hohen Zuspielen mit dem Rücken zum Tor seine Stärke, den Ball gut abschirmen zu können, voll ausspielen. Wichtig war dann das Verhalten von Salzburgs Mittelfeldspielern als Anspielstation und der Offensivkräfte bei ihren Tiefenläufen.
3 – Strafraum verteidigen
Das letzte Thema einer torarmen Viertelfinal-Runde, in der es drei 1:0-Siege gab, ist die Fähigkeit der Mannschaften, ihren Strafraum zu verteidigen. Um die Bedeutung dieses Themas zu verdeutlichen, sollte man bedenken, dass Salzburg die einzige Siegermannschaft war, die einen höheren Expected-Goals-Wert (xG) hatte (0,97) als der Gegner. Die anderen drei Halbfinalisten qualifizierten sich für Nyon, obwohl sie einen niedrigeren xG-Wert als der Gegner hatten, insbesondere AZ mit einem xG-Wert von 0,59 im Vergleich zu Citys 2,45.
Ein Großteil des AZ-Erfolgs ohne Ball war auf die Organisation und die Intensität der Verteidigung rund um den Strafraum zurückzuführen. Wie im ersten Clip des obigen Videos zu sehen ist, als City den Ballbesitz in der AZ-Hälfte kontrollierte, verteidigten sie mit allen Feldspielern hinter dem Ball, um City keine Freiräume zu geben.
Während AZ in der Regel in einem 4-2-3-1 verteidigte, wenn der Gegner den Ball hatte, lag die Priorität bei der Verteidigung in tieferen Zonen darin, Druck auszuüben und zentrale Pässe zu verhindern. Für City war es somit schwierig, durchs Zentrum zu spielen, weshalb sie gezwungen waren, über die Flügel zu agieren; mit einer hohen Anzahl von Verteidigern in ihrem Strafraum waren die Niederländer dann gut aufgestellt, um Flanken zu verteidigen.
Bei Trabzonspor fielen die Innenverteidiger Taha Emre İnce und Arda Öztürk gegen Inter durch ihre Fähigkeit auf, das Spiel zu lesen und den richtigen Moment zu wählen, um Angriffe zu unterbinden. Ein Beispiel dafür sehen wir im ersten Clip oben, wie İnce einen Zweikampf für sich entscheidet.
Der Technische Beobachter der UEFA, Michael O'Neill, sagte, dass es für Spieler auf diesem Niveau entscheidend sei, Geduld zu lernen, da "junge Spieler manchmal ungeduldiger werden, je näher der Gegner ans eigene Tor vorrückt". Die richtige Einstellung ist entscheidend, und Trabzonspors Geduld und die Fähigkeit, rechtzeitig einzugreifen, waren bemerkenswerte Faktoren für den Erfolg.
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