Italiens Finalerinnerungen
Freitag, 29. Juni 2012
Artikel-Zusammenfassung
1968 waren sie mit dem Glück im Bunde, 2000 wurde ihnen ein später Ausgleich zum Verhängnis; Pietro Anastasi, Paolo Maldini und Dino Zoff schauen zurück auf italienische Endspiele bei UEFA-Europameisterschaften.
Top-Medien-Inhalte des Artikels
Artikel-Aufbau
Italien steht gegen Spanien zum dritten Mal in einem Endspiel bei der UEFA-Europameisterschaft: 1968 waren die Azzurri in einem Wiederholungsspiel erfolgreich, nachdem sie im Halbfinale das Glück auf ihrer Seite gehabt hatten und nach einem Münzwurf weitergekommen waren. 2000, wie sich Trainer Dino Zoff erinnert, hatten die Italiener weniger Glück, als sie in Rotterdam kurz vor Schluss erst den Ausgleich und in der Verlängerung das Golden Goal durch David Trezeguet kassierten.
08.06.1968 Italien - Jugoslawien 1:1 (n.V.) (Rom)
10.06.1968 Italien - Jugoslawien 2:0 (Rom)
Pietro Anastasi: Im ersten Spiel hat Jugoslawien besser gespielt und sie hatten den Finaleinzug mehr als wir verdient. Zehn Minuten vor dem Ende waren sie 1:0 in Front, ehe wir das Glück hatten, das man braucht: Dominghini trat ein wenig außerhalb des Strafraums zum Freistoß an, die Mauer öffnete sich und der Ball flutschte durch die Mauer ins Tor. Die Partie endete 1:1 und dann gab es zwei Tage später das Wiederholungsspiel.
Wir können sagen, dass wir im zweiten Durchgang gut gespielt haben. Ich will nicht behaupten, dass wir dominant waren, aber wir haben uns den Sieg nicht ergaunert. Wenn es Jugoslawien verdient gehabt hätte, das erste Spiel zu gewinnen, dann war die zweite Partie eine hart umkämpfte, die wir nicht unverdient gewonnen haben. Riva erzielte den ersten Treffer, den zweiten habe dann ich geschossen.
Bis heute verstehe ich nicht, wie ich es geschafft habe, dieses Tor zu erzielen. Ich habe den Ball in der Luft gesehen, eine halbe Drehung gemacht und das Leder glücklicherweise in die rechte Ecke versenkt. Ich war völlig aus dem Häuschen und bin wie ein Kamel, oder eher wie ein Känguru durch die Gegend gesprungen. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. Mit 20 hat man so viele Dinge im Kopf. Es war fantastisch.
02.07.2000 Frankreich - Italien 2:1 (Rotterdam)
Dino Zoff: Toldo zeigte einige richtig gute Paraden. Sie haben uns aber kaum Probleme bereitet, leider sah es in der 93. Minute dann aber anders aus. Es war irgendwie Schicksal, als sie nach einem langen Ball von Barthez zum Ausgleich kamen. Cannavaro war am Ball, dann Henry und Wiltord hat ihn reingeschossen. Sie haben uns auf dem Platz wenig Kopfzerbrechen bereitet. Leider hatten wir nicht mehr die Kraft, um antworten zu können. Ich habe versucht, die Spieler vor der Verlängerung zu ermuntern, aber dieser Nackenschlag war zu heftig. Ich bin ein Realist, aber mir kann niemand erzählen, dass Frankreich etwas Außergewöhnliches geleistet hat. Frankreich war einfach an der Reihe.
Paolo Maldini: Wir hatten bei dieser Endrunde eine großartige Zeit. Wir hatten eine sehr kompakte Einheit geformt, und bis kurz vor Schluss lief alles sehr, sehr gut. 30 Sekunden vor dem Ende des Endspiels waren wir Europameister. Wir hatten vier gute Chancen, um den Sieg nach Hause zu fahren. Wir spielten jedoch gegen eine Mannschaft, die sich nicht aufgab und 30 Sekunden vor Schluss zum Ausgleich kam.
Sofort war uns klar, dass wir die Partie verloren hatten. Unser Halbfinale gegen die Niederlande war extrem hart, und wir hatten einen Tag weniger Pause als Frankreich. Rein psychologisch gesehen, waren sie jetzt klar im Vorteil. Dieses Tor hat doppelt gezählt, würde ich sagen. Es war zwar nur der Ausgleich, aber es war auch schon der Siegtreffer.
Während der Pause zwischen der regulären Spielzeit und dem Beginn der Verlängerung haben wir uns gegenseitig noch mal Mut gemacht, dass wir das Endspiel immer noch gewinnen könnten. Aber das waren nur leere Worthülsen, denn ich denke, tief drinnen wussten wir alle, dass der Ausgleich der entscheidende Nackenschlag war.