Der Fußballgott sagt Servus

Für die Fans von Bayern München war Bastian Schweinsteiger viel mehr als ein normaler Fußballprofi, er war eine Institution. UEFA.com-Reporter Jürgen Baumgartner beleuchtet, was sein Abschied für Bayern bedeutet.

Nach 17 erfolgreichen Jahren bei Bayern wechselt Bastian Schweinsteiger zu Manchester United
Nach 17 erfolgreichen Jahren bei Bayern wechselt Bastian Schweinsteiger zu Manchester United ©Getty Images

Wenn beim nächsten Heimspiel des FC Bayern München Stadionsprecher Stephan Lehmann die Aufstellung vorträgt, wird etwas fehlen. Lehmann gibt gewöhnlich die Vornamen vor und die Zuschauer in der Fußball Arena München brüllen aus vollem Hals die Nachnamen ihrer Stars. Wenn in der Vergangenheit die Nummer 31 an der Reihe war, folgte auf Lehmanns "Bastian" aus dem weiten Rund nicht nur ein ohrenbetäubendes "Schweinsteiger", sondern auch der Zusatz "Fußballgott".

Dieser Fußballgott wird nun nicht mehr das Trikot des FC Bayern tragen, er wechselt vom deutschen Rekordmeister zu dessen englischem Pendant Manchester United FC. Dass sich Schweinsteiger mit fast 31 Jahren, im Herbst seiner Karriere, noch einmal eine neue Herausforderung in einer neuen Liga sucht, ist legitim, doch beim deutschen Rekordmeister hinterlässt er eine große Lücke. Vor allem bei den Fans, bei denen Schweinsteiger viel mehr war als ein normaler Fußballprofi ihres Vereins, er war eine Institution und eine "Ikone", wie Sportvorstand Matthias Sammer erklärte.

Insgesamt 17 Jahre trug er das Münchner Trikot, in dieser Zeit gewann er 20 Titel, er absolvierte 500 Spiele als Profi und erzielte dabei 66 Tore. Schweinsteiger, der im oberbayerischen Kolbermoor geboren wurde, war über viele Jahre ein Synonym für den FC Bayern. Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge viele Pfiffe von enttäuschten Anhängern erntete, als er bei der offiziellen Saisoneröffnung am Samstag vor 70 000 Fans den Transfer bekanntgab.

Der Bayern-Boss konnte den Wechsel jedoch erklären: "Wir haben uns in großer Freundschaft verabschiedet. Wir haben versucht, ihn zu überzeugen, bei Bayern München zu bleiben, aber er möchte einfach am Ende seiner Karriere noch einmal was Neues machen." Der Reiz dieses Neuen dürfte vor allem auch an Louis van Gaal festzumachen sein, dem Trainer von United. Der Niederländer war es, der Schweinsteiger in seiner Zeit beim FC Bayern vom Flügelspieler zum defensiven Mittelfeldspieler umfunktionierte und damit seine Entwicklung zum Weltklassespieler forcierte.

Seine Tor-Premiere im Old Trafford hat Schweinsteiger schon hinter sich
Seine Tor-Premiere im Old Trafford hat Schweinsteiger schon hinter sich

In dieser Rolle als zentrale Figur und Chefstratege feierte Schweinsteiger seine größten Erfolge, 2013 den Gewinn der UEFA Champions League mit Bayern und 2014 den Triumph bei der FIFA-WM in Brasilien mit der deutschen Nationalmannschaft. Durch seine Zweikampfstärke und Kompromisslosigkeit erwarb er sich großen Respekt, dazu verfügt er über eine grandiose Spieleröffnung und Passsicherheit, auf die sich die Fans von United freuen dürfen.

Diese Tugenden stehen bekanntlich jeder Mannschaft gut zu Gesicht, doch bei Bayern musste er zuletzt – auch aufgrund von zahlreichen Verletzungsproblemen – immer wieder auf andere Positionen ausweichen, Pep Guardiola setzte in der Zentrale zumeist auf andere Spieler. Bei United winkt dem 111-maligen Nationalspieler wieder seine Lieblingsposition, van Gaal ist bekanntlich ein glühender Fan des 30-Jährigen.

Schweinsteigers Abschied muss aber kein Abschied für immer sein. Zum einen könnte Manchester United ein Gegner der Münchner in der Gruppenphase der UEFA Champions League werden, sofern die Red Devils die Play-offs überstehen, und zum anderen erklärte Rummenigge: "Bastian ist ein wunderbarer Mensch. Wenn er Lust hat, beim FC Bayern eine zweite Karriere zu starten, steht die Tür für ihn auf."

Vor allem die Anhänger des FC Bayern würden sich freuen, wenn Schweinsteiger nach seiner Zeit bei den Red Devils irgendwann wieder zu ihnen zurückkommen würde – einen Fußballgott trägt man schließlich immer im Herzen.

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