Euphorisches Inter fordert Bayern heraus

Seit 45 Jahren wartet der FC Internazionale Milano auf einen Sieg in der Königsklasse, doch wenn sie in Madrid endlich die Durststrecke beenden wollen, müssen sie dafür den FC Bayern München aus dem Weg räumen.

Inter im Siegesrausch nach dem Halbfinalerfolg gegen den FC Barcelona
Inter im Siegesrausch nach dem Halbfinalerfolg gegen den FC Barcelona ©Getty Images

Erschöpft und erleichtert sanken viele Spieler vom FC Internazionale Milano zu Boden, nachdem sie im Camp Nou eine Abwehrschlacht überstanden hatten. Im gleichen Moment sprintete ihr Trainer José Mourinho in Siegerpose über das ganze Feld, um mit den Fans der Italiener den lang ersehnten Einzug ins Endspiel der UEFA Champions League zu feiern.

Nach dem Platzverweis gegen Thiago Motta hielt Inter dem Druck vom FC Barcelona über eine Stunde lang in Unterzahl stand und folgt dank der überaus disziplinierten sowie leidenschaftlichen Leistung dem FC Bayern München ins Endspiel, welches am 22. Mai im Santiago Bernabéu in Madrid stattfindet.

Barcelona gewann das Spiel zwar durch den Treffer von Gerard Piqué in der 84. Minute, allerdings reichte dies nicht, um den 1:3-Rückstand aus dem Hinspiel wettzumachen. Damit wird in dieser Saison ein neuer Champion gekürt und Barcelona ärgert sich über die verpasste Chance, im Stadion des Erzrivalen Real Madrid CF den Titel verteidigen zu können.

Vier Mal musste Inter in dieser Saison gegen Barcelona antreten und machte erneut allen klar, dass sie in Mourinhos zweiter Saison reif für den Titel sind. Die Bayern sind gewarnt, schließlich bezwang Inter ausgerechnet die Mannschaft, die Louis van Gaal vor kurzem noch als "bestes Team der Welt" bezeichnet hatte.

Bayern ohne Angst
Natürlich wird der deutsche Rekordmeister deshalb nicht in Ehrfurcht erstarren. Nach dem 4:1-Erfolg gegen Juventus am Ende der Gruppenphase ging es stets bergauf und dank guter Vorstellungen gegen ACF Fiorentina und Manchester United FC war man verdient ins Halbfinale eingezogen. Weil der Bundesliga-Spitzenreiter dort mit zwei tollen Vorstellungen gegen Olympique Lyonnais überzeugte, ist ihnen auch im Endspiel alles zuzutrauen.

Klar aber ist, dass man im Endspiel alles abrufen muss, um Inter die Grenzen aufzuzeigen. Die feiernden Italiener ließen sich im Camp Nou auch nicht von der Rasensprenkleranlage verscheuchen, die kurz nach dem Abpfiff angestellt wurde, während sich die Nerazzurri in den Armen lagen.

Nun kommt es im Endspiel zu einem Wiedersehen der besonderen Art, denn vor zehn Jahren war Mourinho bei Barcelona Assistent von Van Gaal. Beide haben den Wettbewerb schon einmal gewonnen, aber nur einer wird nach Ernst Happel und Ottmar Hitzfeld als dritter Trainer mit zwei unterschiedlichen Vereinen triumphieren. Van Gaal hatte den Pokal 1995 mit AFC Ajax geholt, Mourinho war neun Jahre später mit dem FC Porto erfolgreich. Zudem haben beide Trainer die Chance, die Saison mit drei Titeln abzuschließen.

Rückkehr der Abgeschobenen
Bei Inter spielen mit Esteban Cambiasso, Walter Samuel und Wesley Sneijder drei Akteure, die an ihre alte Wirkungsstätte Santiago Bernabéu zurückkehren, bei den Bayern steht mit Arjen Robben immerhin ein Ex-Spieler von Real Madrid CF im Kader. Für Robben wäre es eine besondere Genugtuung, vor den Fans der Königlichen zu triumphieren und Bayern als erst vierten Verein nach dem AC Milan, Madrid und Liverpool FC zum fünften Erfolg im Pokal der europäischen Meistervereine zu schießen.

Der Niederländer befindet sich in der Form seines Lebens und mit seinen Toren gegen Fiorentina, United und Lyon hat er großen Anteil am Höhenflug der Bayern. Wer hätte gedacht, dass die Bayern nach einem äußerst schwachen Saisonstart jetzt nicht nur im Endspiel des DFB-Pokals stehen, sondern zwei Spieltage vor Schluss auch noch Erster der Bundesliga sind und sogar das Finale der Königsklasse erreichen würden.

Aber so groß Bayerns Traum vom Endspielsieg in Madrid auch sein mag, Inter hat mindestens genauso viel Sehnsucht nach dem Titel. Der letzte Finaleinzug liegt 38 Jahre zurück und ihr letzter Triumph ist sogar schon 45 Jahre her. Vor Mourinhos Amtsübernahme hatten 28 Trainer erfolglos versucht, Inter zum ganz großen Wurf zu führen. Für den langjährigen Präsidenten Massimo Moratti ist die Wartezeit jetzt fast vorbei, nur noch Bayern steht ihm im Weg.

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