Antoine Griezmann im Interview: Der Atleti-Angreifer über seinen Traum von der Champions League und seinen Abschied
Montag, 27. April 2026
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"Das Wort dafür wäre etwas, das weit über Liebe hinausgeht", sagt Antoine Griezmann gegenüber der UEFA über seine Verbundenheit mit Atlético de Madrid.
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Nach fast 500 Einsätzen und über 200 Toren wird Antoine Griezmann diesen Sommer seine Karriere bei Atleti beenden und zu Orlando City in die Major League Soccer wechseln.
96 seiner Einsätze für die Rojiblancos bestritt Griezmann in der UEFA Champions League, und der 35-Jährige hat die Chance, mindestens zwei weitere hinzuzufügen – drei, falls Atleti im bevorstehenden Halbfinale gegen Arsenal erfolgreich ist –, bevor er sich verabschiedet.
Vor dem Hinspiel hat sich Griezmann mit der UEFA zusammengesetzt und über seine Liebe zum Verein gesprochen, er blickt auf seine langjährige Zusammenarbeit mit Diego Simeone zurück und erklärt, warum ein Triumph in der Champions League "eine sehr tiefe Wunde heilen würde".
Als vierter Franzose, der die Marke von 100 Champions-League-Einsätzen erreicht hat, gab Griezmann 2013 bei Real Sociedad sein Debüt in diesem Wettbewerb.
Griezmann hatte sich in den Jugendmannschaften hochgearbeitet, bevor er 2009 sein Debüt in der Profimannschaft von La Real gab. Daher war seine Entscheidung, 2014 zu Atleti zu wechseln, eine sehr emotionale Angelegenheit.
"Sie haben mir in einer für mich schwierigen Zeit, als ich 14 war, ihre Türen geöffnet", erklärt Griezmann. "Ich habe gesagt, dass ich, wenn ich La Real verlasse, zu keinem anderen Verein mehr dieselben Gefühle haben würdeb."
Er war daher völlig überrascht, als er auf Anhieb eine Verbindung zu Atleti und den Fans aufbaute.
"Als ich hierherkam, hatte ich dieses Gefühl gleich doppelt", sagt Griezmann. "Das Wort dafür wäre etwas, das weit über Liebe hinausgeht.
Liebe zu den Vereinsfarben, zum Vereinswappen und Liebe zum Fußball, denn die Fans lieben den Fußball, und Liebe zur harten Arbeit – ich glaube, deshalb habe ich mich so schnell mit dem Verein und seinen Fans verbunden gefühlt."
Griezmann fügte sich nicht nur nahtlos ein, sondern hatte bei Atlético auf Anhieb großen Einfluss. In seiner ersten Saison erzielte er 22 Ligatore – damit lag er gemeinsam mit Neymar auf dem dritten Platz der Torschützenliste –, gewann den spanischen Superpokal und erreichte das Viertelfinale der Champions League.
Die folgende Saison war noch beeindruckender: Griezmann wurde zum Spieler der Saison in der spanischen Liga gekürt und belegte beim Ballon d'Or 2016 den dritten Platz.
In der Champions League kam er dem großen Coup so nah wie nie zuvor und nie mehr danach: Er stand in allen 13 Spielen in der Startelf und erzielte sieben Tore, als Atleti das Finale in Mailand erreichte.
Doch es sollte nicht sein. Atleti verlor nach einem 1:1-Unentschieden das Elfmeterschießen gegen den Stadtrivalen Real Madrid, und Griezmann fragte sich, ob alles anders hätte kommen können, hätte er den Elfmeter in der 48. Minute verwandelt.
"Der einzige Weg, darüber hinwegzukommen, wäre, dieses Jahr den Titel zu holen."
"Ich denke nicht jeden Tag daran, aber wann immer wir mit Freunden oder Teamkollegen über die Champions League sprechen, kommt dieser Moment immer wieder zur Sprache: 2016, der Elfmeter", sagt Griezmann.
Dieser Moment lastet noch heute auf ihm, doch Griezmann nutzt ihn als Antrieb, während Atleti ein Jahrzehnt später nun auch den letzten Schritt machen will: "Das würde eine sehr tiefe Wunde heilen. Der einzige Weg, darüber hinwegzukommen, wäre, dieses Jahr den Titel zu holen."
Ein Champions-League-Titel wäre nicht nur eine Wiedergutmachung, sondern auch die Krönung der langjährigen und erfolgreichen Zusammenarbeit des französischen Stürmers mit Diego Simeone.
Simeone, seit 2011 Trainer bei Atleti, hat Griezmann auf jedem Schritt seines Weges bei den Rojiblancos begleitet.
"Ich glaube, letztendlich hat er mir alles gegeben und ich habe ihm alles gegeben", sagt Griezmann. "Ich genieße es und habe es genossen, ihn an meiner Seite zu haben. Ich weiß, dass er mir auch über meine Karriere hinaus ein Freund bleiben wird, ein ehemaliger Trainer, und dass wir uns immer sehr nahe stehen werden."
Griezmann spielt weiterhin eine zentrale Rolle in Simeones Plänen, da das Duo – das 2018 die UEFA Europa League und den UEFA-Superpokal gewann – nun den europäischen Titel holen will, der ihnen 2016 verwehrt blieb.
Der Franzose stand in jedem der letzten vier Spiele von Atleti in der K.-o.-Phase der Champions League an der Seite von Julián Álvarez und bewies mit einer brillanten Vorlage für seinen Sturmpartner im Achtelfinale gegen Tottenham, dass er nichts von seiner Magie eingebüßt hat.
"Ich glaube, ich ziehe eine schöne Vorlage vor, anstatt nur allein vor dem Torwart zu stehen", sagt Griezmann.
"Ich bin eher ein Spieler, der mit ein oder zwei Ballkontakten auskommt – nicht besonders spektakulär, aber ich versuche, meinen Mitspielern Zeit zu verschaffen und den Gegner zu überraschen. Genau das ist gegen Tottenham passiert."
*Dieses Interview wurde am 21. April 2026 geführt