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Champions League: José Mourinho über sein Comeback bei Benfica und das Duell gegen seinen Ex-Klub Chelsea

"Was ich heute bin, ist das, was ich heute bin, und nicht das, was ich in der Vergangenheit getan habe", sagte José Mourinho gegenüber UEFA.com, bevor er als neuer Trainer von Benfica am 2. Spieltag der UEFA Champions League ausgerechnet auf seinen Ex-Klub Chelsea trifft

José Mourinho on Benfica challenge

José Mourinho war Anfang dieses Jahrtausends einer der populärsten und erfolgreichsten Trainer im europäischen Fußball. 2002/03 gewann er mit Porto überraschend den UEFA-Pokal, in der folgenden Saison triumphierte er dann mit den Portugiesen sogar in der UEFA Champions League. In den folgenden Jahren sammelte er unzählige nationale Titel mit Chelsea und Real Madrid, mit Inter gewann er 2010 ein zweites Mal die Champions League und mit Manchester United 2017 die UEFA Europa League, sein letzter großer Titel war dann 2022 der Gewinn der UEFA Conference League mit der Roma.

Jetzt ist er zu Benfica zurückgekehrt, dem Klub, bei dem er 2000 seinen ersten Job als Cheftrainer angetreten hatte. Im Gespräch mit UEFA.com erklärte der heute 62-Jährige, wie er sich in den letzten 25 Jahren verändert hat und in welchen Bereichen er der Alte geblieben ist.

Über sein Comeback bei Benfica

Auch wenn ich ein paar Jahre nicht in der Champions League dabei war, waren es ja keine schlechten Jahre, immerhin habe ich in dieser Zeit die Endspiele in der Europa League und der Conference League erreicht. Aber natürlich ist die Champions League der größte Wettbewerb, der Wettbewerb mit den wichtigsten Klubs in Europa. In diesem Wettbewerb ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen, denn ein Triumph ist grandios, aber zwei sind noch viel besser.

Ich hatte das große Glück, in meiner Karriere eine Reihe der besten Klubs der Welt zu trainieren: Real Madrid, Inter, Manchester United, Chelsea. Benfica ist ebenfalls ein Gigant. Natürlich hat man bei so einem gigantischen Klub auch eine gigantische Verantwortung und es herrscht eine gigantische Erwartungshaltung – alles ist hier gigantisch, aber das ist genau die Art von Herausforderung, die ich brauche.

Endspiel-Highlights 2010: Inter - Bayern 2:0

Über seine Rückkehr zu Chelsea am 2. Spieltag

Als ich Porto verließ, war mein erstes Europapokalspiel als Trainer von Chelsea gegen Porto; während meiner Zeit als Trainer von Inter spielte ich unzählige Male gegen Barcelona, wo ich zuvor Assistenztrainer gewesen war. Als Trainer von Fenerbahçe spielte ich gegen Manchester United und gegen Benfica.

[Stamford Bridge ist] ein Stadion, in dem ich drei Mal die Premier League gewonnen habe; ich habe mit Chelsea Geschichte geschrieben. Chelsea gehört zu meiner Geschichte, ich gehöre zur Geschichte von Chelsea. Aber so ist das im Fußball. Sie wollen gewinnen, ich will gewinnen. Vor dem Spiel werde ich mir bewusst machen, wo ich bin, nach dem Spiel werde ich mir bewusst machen, wo ich bin; während des Spiels glaube ich, dass ich die Fähigkeit habe, alles zu vergessen und mich ganz auf den Wettkampf zu konzentrieren.

Mourinho 2004/05 nach dem Gewinn der Premier League mit Chelsea
Mourinho 2004/05 nach dem Gewinn der Premier League mit ChelseaGetty Images

Über seinen Erfolgshunger

Wenn ich eines Tages weniger Freude empfinde, wenn ich früh morgens aufwache, um zur Arbeit zu gehen; wenn ich eines Tages weniger Freude empfinde, wenn ich ein Spiel gewinne; wenn ich eines Tages weniger Traurigkeit empfinde, wenn ich ein Spiel verliere; wenn sich etwas ändert, dann wird das für mich wie ein rotes Warnsignal sein, das aufleuchtet.

Ich erinnere mich an ein Champions-League-Spiel zwischen Manchester United und Real Madrid, bei dem ich bei Real Madrid auf der Bank saß und Sir Alex [Ferguson] bei Manchester United. Vor dem Spiel war ich in seinem Büro und fragte ihn: "Sir Alex, ändert sich das jemals – die Anspannung und das Adrenalin, das wir vor einem so wichtigen Spiel verspüren?" Er sagte: "Nein, das ändert sich nie. Es bleibt bis zum Schluss gleich." Seitdem sind mehr als zehn Jahre vergangen, und meine Gefühle haben sich nicht geändert.

Mourinho und Manchester Uniteds damaliger Trainer Sir Alex Ferguson im Jahr 2013
Mourinho und Manchester Uniteds damaliger Trainer Sir Alex Ferguson im Jahr 2013PA Images via Getty Images

Über seine Entwicklung als Trainer

Ich bin heute besser als früher. Ich glaube, dass ein Trainer besser wird, wenn er viele Erfahrungen gesammelt hat. Der größte Unterschied, den ich bei mir selbst feststelle, ist, dass ich am Anfang vielleicht egozentrischer war und mich in gewisser Weise verändert habe, ich habe das Gefühl, dass ich altruistischer geworden bin. Ich habe das Gefühl, dass ich im Fußball bin, um anderen zu helfen und nicht, um mir selbst zu helfen. Ich bin hier, um meinen Spielern zu helfen, statt darüber nachzudenken, was in meinem Leben passieren wird. Ich denke mehr über den Verein nach, ich denke mehr über die Freude der Fans nach als über mich selbst.

Über seinen Ruf

Ich habe mich nie für ein Genie gehalten. Als Provokateur vielleicht ein wenig, aber niemals als Teufel. Als Genie? Niemals. Natürlich hatte ich schon das Gefühl, dass ich über natürliche Fähigkeiten verfüge, die mich zu einem guten Trainer gemacht haben, so wie es bei vielen großartigen Spielern der Fall ist.

Es gibt Spiele in meiner Karriere, bei denen ich das Gefühl hatte, dass ich sie uns gewonnen habe; dass es an mir lag, weil es Momente, Entscheidungen und Strategien vor oder während des Spiels gibt, die alles verändern. Man hat dann das Gefühl: "Ich habe uns das Spiel gewonnen". Aber ich habe mich nie als Genie gesehen. Ich habe mich immer als Teil des Teams gefühlt und fand, dass die Spieler wichtiger sind als ich, dass ich da war, um ihnen zu helfen.

Mourinho 2017 nach dem Gewinn der UEFA Europa League mit Man United
Mourinho 2017 nach dem Gewinn der UEFA Europa League mit Man UnitedGetty Images

Über seine Trophäensammlung

Ich habe ein Zimmer in meinem Haus, in dem ich einige Kopien von großen Pokalen, Medaillen und Trikots aufbewahre, und dieser Raum ist wie ein Museum – und wie ich immer sage, ein Museum ist Geschichte, es ist unantastbare Geschichte, aber es ist kein Teil meines täglichen Lebens, es ist kein Teil meiner Gegenwart, es ist kein Teil meiner Zukunft. Was ich heute bin, ist das, was ich heute bin, und nicht das, was ich in der Vergangenheit getan habe. Ich werde nach dem beurteilt, was ich heute tue.

Ich habe nicht viel Zeit zum Nachdenken und ich möchte das auch gar nicht. Ich habe weder die Zeit dafür, noch entspricht es meiner Mentalität. Ich sage immer, dass man mir alles wegnehmen kann, aber die Geschichte, die ich geschaffen habe, kann mir niemand nehmen. Wenn man aber noch arbeitet und Ambitionen hat, zählt das, was man zuvor getan hat, nicht mehr.

Mourinho 2022 nach dem Gewinn der Conference League mit der Roma
Mourinho 2022 nach dem Gewinn der Conference League mit der RomaAFP via Getty Images