Englische Vereine hinken in Europa hinterher
Dienstag, 9. November 2004
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Paul Simpson untersucht, warum englische Vereine in der UEFA Champions League mit so vielen Problemen zu kämpfen haben.
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Von Paul Simpson
In England hat man der Geschichte schon einen Namen gegeben: "The Arsenal stadium mystery", nach dem britischen Krimi aus den 1930ern. Dieses Mal jedoch rätselt man, warum es Arsenal FC nicht schafft, in der UEFA Champions League ähnlich dominant aufzutreten wie in der Premiership. Das eigentliche Mysterium hat nicht nur mit Arsenal zu tun, sondern mit allen englischen Vereinen.
Nur ein Erfolg
Englische Vereine haben den Pokal der europäischen Meisterschaften neun Mal gewonnen, die UEFA Champions League aber nur ein einziges Mal: 1999 triumphierte Manchester United FC. In der Tat war United die einzige Mannschaft von der Insel, die je das Endspiel der Königsklasse erreichen konnte.
Rückschlag durch Sperre
Vor zehn Jahren konnten Trainer, Fans und Experten noch erklären, dass die fünfjährige Sperre für englische Vereine nach der Tragödie im Heysel-Stadion der Grund für den Rückstand war. Natürlich hat der englische Fußball noch nie mit einer modernen Spielweise glänzen können, aber als Arsenal Anfang der 90er Jahre auf die internationale Bühne zurückkehrte, machte sich der Nachholbedarf schnell bemerkbar.
Ausländer beleben die Liga
Seitdem haben zahlreiche Spieler und Trainer, die in den Jahren auf die Insel wechselten, den englischen Fußball wiederbelebt. Eine Liga kann eigentlich nur vom Einfluss ausländischer Spieler profitieren. Bestes Beispiel dafür ist die Primera División. Vereine der buntesten und kulturreichsten Liga Europas haben die Champions League in den letzten zehn Jahren drei Mal gewonnen und wurden zwei Mal Zweiter. Eine regelmäßige Teilnahme eines englischen Vereins im Endspiel der Königsklasse ist aber nicht abzusehen. Selbst das Erreichen des Halbfinals erwies sich meist als zu hohe Hürde. Haben einige der diesjährigen englischen Vertreter das Zeug, erstmals nach fünf Jahren wieder ins Finale zu kommen?
Chelsea überzeugend
Chelsea FC, derzeit souveräner Tabellenführer in der Gruppe H, scheint die besten Chancen zu haben. Mit José Mourinho, dem Meistertrainer der letzten Saison, haben sie die nötige Erfahrung und mit Roman Abramovich den ambitionierten und finanziell starken Besitzer. Chelsea ist aufgrund der Vielseitigkeit von Damien Duff und Arjen Robben für Gegner kaum auszurechnen und glänzt durch taktische Flexibilität. Allerdings bleibt abzuwarten, wie sie damit zurecht kommen, wenn sie einmal gegen abwehrstarke Mannschaften wie Juventus FC oder AC Milan in Rückstand geraten.
Manchester mit Sorgen
Auch United hat in der Champions League bisher überzeugt, jedoch konnten sie in der Liga noch nicht so richtig Fahrt aufnehmen. Zwar haben sie mit Wayne Rooney einen großen Hoffnungsträger verpflichtet, im Sturm bleibt Ruud van Nistelrooij das Nonplusultra. Wenn er einmal fehlt, scheint die ganze Offensivabteilung wie gelähmt. Viele Experten sehen bei Manchester ein Problem in der Defensive, aber das eigentliche Problem liegt im Mittelfeld, dem bisher Qualität und Kreativität fehlte.
Mangel an Stürmern
Liverpool FC dagegen hat nicht nur aufgrund der Verletzung von Djibril Cissé ein Stürmerproblem. Trainer Rafel Benítez muss seine Mannschaft zur Winterpause unbedingt noch einmal verstärken, wenn die Reds auf internationaler Bühne Erfolg haben wollen.
Großer Erwartungen
Erfolg soll diese Saison auch unbedingt bei Arsenal her. Dass sich die Mannschaft von Arsène Wenger bisher noch nicht für das Achtelfinale qualifizieren konnte, ist offensichtlich: Erst in einem der vier Spiele konnten sie eine Führung auch über die Zeit retten. Vielleicht zerbricht die Mannschaft an dem Druck, schließlich ist die Erwartungshaltung nach der unglaublichen Serie von ungeschlagenen Spielen in der Premiership riesig. Trotzdem kann Arsenal in der Gruppe E noch aus eigener Faust das Achtelfinale erreichen und muss aufgrund der Qualität des Kaders weiterhin zu den Favoriten gezählt werden.
Glanzlos siegen
Die Tatsache, dass jeder Fehler, jede schlechte Vorstellung heutzutage im Fernsehen übertragen wird, hat deutlich gemacht, dass auch die großen Mannschaften nicht jedes Spiel überzeugend gewinnen. Arsenal muss begreifen, dass man, gerade bei dem Öffentlichkeitsdruck, auch glanzlos gewinnen kann.
Paul Simpson ist Redakteur von Champions, dem offiziellen Magazin der UEFA Champions League. Klicken Sie hier, um das Magazin zu abonnieren.