Fünf Sterne für Di Stéfano
Montag, 7. Juli 2014
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In einem Interview im Jahre 2006 schaute Alfredo Di Stéfano mit UEFA.com zurück auf die Erfolge seines Klubs Real Madrid in den ersten fünf Finals um den Pokal der europäischen Meistervereine zwischen 1956 und 1960.
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Alfredo Di Stéfano, der im Alter von 88 Jahren starb, war die treibende Kraft und das Symbol jener Mannschaft von Real Madrid CF, die in den ersten Jahren des Pokals der europäischen Meistervereine überragenden Erfolg hatte.
Der in Argentinien geborene Stürmer erzielte bei Madrids Triumphen in den ersten fünf Endspielen zwischen 1956 und 1960 immer mindestens einen Treffer. Zusammen mit Ferenc Puskás brachte er es beim legendären Erfolg über Eintracht Frankfurt im Mai 1960 sogar auf sieben Tore. Für uefa.com blickte er im Jahre 2006 auf diese ersten fünf Endspiele zurück.
Real Madrid CF - Stade de Reims Champagne 4:3
13. Juni 1956, Parc des Princes, Paris
Wir haben zum ersten Mal im Europapokal gespielt. Niemandem war damals bewusst, dass es der Beginn von etwas Großem war. Erst später haben wir realisiert, wie viel Verantwortung wir hatten. Es war ein tolles Endspiel. Die Zuschauer sind zufrieden nach Hause gegangen und wir waren natürlich aus dem Häuschen. Wir hatten mit 4:3 gegen Reims gewonnen, noch dazu in Paris! Für die spanischen Immigranten und diejenigen, die in Madrid nur wenig hatten, war es [in Paris] ein tolles Erlebnis.
In der Umkleidekabine herrschte eine ganz entspannte Stimmung und es gab keinen Stress oder Angst. Als wir die Partie gewonnen hatten, war alles vorbei. Heute ist es ganz anders. Es hat fast den Anschein, dass die Leute einen umbringen wollen, wenn man nicht gewinnt. Es gibt so viel mehr Verantwortung. Auch wenn es nur Sport ist, für die Zuschauer und besonders für die hart gesottenen Fans von Madrid ist es ein Turnier der Ehre.
Real Madrid CF - AC Fiorentina 2:0
30. Mai 1957, Santiago Bernabéu, Madrid
In Madrid war es bereits mitten im Sommer und wir haben in der prallen Sonne gespielt, die uns wirklich verbrannt hat. Florenz hatte eine fantastische Mannschaft mit einer sehr starken Abwehr, wie viele der italienischen Teams. Wir haben gut gespielt, aber hatten große Probleme, ihre Defensive zu knacken.
Auch wenn ich die Auszeichnungen bekommen habe [Europas Fußballer des Jahres 1957 und 1959], habe ich sie mit all meinen Mannschaftskollegen geteilt. Ich würde nie sagen, dass ich unbedingt Auszeichnungen haben wollte. Beim Fußball spielt man elf gegen elf. Es ist eine MannschaftsLeistung.
Real Madrid CF - AC Milan 3:2 (n.V.)
29. Mai 1958, Heysel-Stadion, Brüssel
Es war unser schwierigstes Endspiel, wir haben Milan den Sieg geklaut. Sie waren unser größter Rivale wegen Spielern wie Maldini, Liedholm, Schiaffino ... Sie hatten bärenstarke Spieler, Italiener wie Ausländer, in ihrer Mannschaft. Wir haben im ganzen Spiel nicht geführt, bis zur Verlängerung. Da hat Gento das Tor gemacht, das uns den Titel bescherte.
Es war sehr schwierig, das härteste Spiel überhaupt, aber wir hatten nie Zweifel an unserem Sieg. Sie hatten eine tolle Mannschaft und konnten gut kontern. Wenn man sich die Paarungen der Europapokal-Endspiele anschaut, waren es immer zwei große Mannschaften mit viel Potenzial.
Real Madrid CF - Stade de Reims Champagne 2:0
3. Juni 1959, Neckarstadion, Stuttgart
Ich war ein Stürmer und zu der Verantwortung eines Stürmers gehört es, Tore zu erzielen. Für mich war mein schönstes Tor, das ich beim vierten Endspiel in Stuttgart geschossen habe. Wir haben 2:0 gewonnen und ich habe das zweite Tor markiert. Es war vielleicht der wichtigste Treffer überhaupt.
Reims war ein großer Name, sie hatten eine tolle Mannschaft und einige überragende Spieler. Die Franzosen hatten ein sehr erfolgreiches Jahrzehnt. Wir hatten ein Problem, weil sich Kopa verletzt hatte und man damals noch keine Auswechslungen vornehmen durfte. So wurde es kompliziert und schwierig, aber wir haben trotzdem mit 2:0 gewonnen und mussten am Ende gar nicht mehr so hart dafür kämpfen.
Real Madrid CF - Eintracht Frankfurt 7:3
18. Mai 1960, Hampden Park Glasgow
Dieses Spiel war etwas einfacher. Es war zwar komplizierter, aber gleichzeitig auch einfacher. Frankfurt ging mit 1:0 in Führung und hatte danach eine weitere Chance, aber unser Torwart hat super gehalten. Das war für uns das Startsignal und als wir dann in Führung gingen, haben wir weiter attackiert. Dieses Endspiel war wegen des Endstands ein großes Spektakel.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass unser schwerstes und bestes Spiel das Finale gegen Milan in Brüssel war. Es war unglaublich. Wir hatten keine Einzelgänger in unserer Mannschaft. Ein guter Individualist wie Puskás hat die Gruppe nur voran gebracht. Wir hatten eine sehr hart arbeitende Mannschaft, eine harmonische Truppe. Wir haben gegen Mannschaften gespielt, die nicht wussten, was sie erwartet. Wir sind das ganze Spiel auf und ab gelaufen und haben vor niemandem Halt gemacht.