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Champions League der Nationen

Am Samstag kommen die beiden Finalisten zwar aus derselben Stadt, in beiden Teams stehen aber auch zahlreiche Spieler aus anderen Ländern wie z.B. Sami Khedira oder Arda Turan.

UEFA-Champions-League-Finale der Nationen ©AFP/Getty Images

Italien
Das Madrider Derby wird auch in Italien die Fans in zwei Lager spalten. Die Anhänger des AC Milan und der AS Roma werden wohl größtenteils Carlo Ancelotti und Real Madrid die Daumen drücken, im Lager des FC Internazionale Milano und von SS Lazio würde man einen Triumph von Diego Simeone und Atlético vorziehen. Ancelotti gewann als Spieler den Scudetto und vier Mal die Coppa Italia mit der Roma, ehe er zu Milan ging und dort zwei Mal den Europapokal gewann, ein Kunststück, das er später auch als Trainer der Rossoneri wiederholte. "Ich wünsche Carlo viel Glück", erklärte der aktuelle Milan-Coach Clarence Seedorf. "Ich würde mich sehr freuen, wenn Madrid den Titel holt."

Simeone sicherte sich als Lazio-Mittelfeldspieler einen Scudetto und eine Coppa Italia, hat aber auch bei Inter noch viele Freunde. "Er suchte immer die Perfektion", erinnert sich sein ehemaliger Lazio-Teamkollege Fabio Liverani. "Er hatte mit Atlético eine fantastische Saison, ich drücke ihm alle Daumen."

Wales
Anfangs dauerte es ein wenig, bis Gareth Bale die skeptische spanische Presse von seinen Qualitäten überzeugen konnte, zuhause genoss er dagegen schon länger Kultstatus. Im Nationalteam von Trainer Chris Coleman ist er sowieso der unumstrittene Star, aber auch seine Auftritte im Real-Trikot werden auf der Insel aufmerksam und stolz verfolgt.

Vor ihm hatten nur vier Fußballer aus Wales ein Finale bei den Landesmeistern oder der UEFA Champions League erreicht und die unbestrittene Qualität von Bale lässt die Hoffnung sprießen, dass sich Wales eines Tages vielleicht doch einmal für eine WM- oder EURO-Endrunde qualifizieren kann.

Deutschland
Sami Khedira spielt in den Planungen von Joachim Löw eine große Rolle. Der Bundestrainer sagte bei der Nominierung seines vorläufigen Kaders für die FIFA-WM 2014 in Brasilien extra, dass der defensive Mittelfeldspieler von Real Madrid die einzige Ausnahme von seiner Regel sei, nur vollständig fitte Spieler mit nach Südamerika zu nehmen. "Ich glaube, dass wir einen Sami Khedira antreffen, der mit einer unglaublich guten Basis zu uns kommt", sagte Löw.

Natürlich würde man sich im Trainerstab der Nationalmannschaft freuen, sollte Khedira im Endspiel der UEFA Champions League am Samstagabend gegen Atlético Madrid zum Einsatz kommen – was aufgrund der Sperre für Xabi Alonso ja durchaus im Bereich des Möglichen ist. "Bis Samstagabend heißt es für Khedira nur 'Décima' statt Deutschland schreibt etwas das Magazin Stern auf seiner Internetseite. "Khediras Mitwirken im Champions-League-Finale wäre vielleicht sogar mehr wert als die ersten Tage im Trainingslager der Nationalmannschaft."

Laut Frankfurter Rundschau erteilte Carlo Ancelotti jeglichen Startelfhoffnungen von Khedira aber schon eine Absage: "'Er hat eine fantastische, professionelle Arbeit geleistet. Er hat aber nicht viele Spiele bestritten, das ist sein einziges Problem.' […] Der Coach ließ bereits am Wochenende durchblicken, dass für den gesperrten Xabi Alonso nicht der lange verletzte deutsche Nationalspieler Sami Khedira, sondern Asier Illarramendi zum Einsatz kommen wird."

Kroatien
Letzte Saison gewann Mario Mandžukić mit dem FC Bayern München als siebter Kroate den legendären Henkelpott, jetzt drückt das ganze Land Luka Modrić die Daumen. Modrić ist der 15. Spieler des Landes, der ein Europapokalfinale erreicht hat, los ging es 1980 mit Ivan Buljan vom Hamburger SV.

Neben Mandžukić triumphierten auch Robert Prosinečki, Alen Bokšić, Zvonimir Boban, Davor Šuker, Dario Šimić und Igor Bišćan. Das ganze Land hofft nun auch, dass Modrić seine überragende Form zur WM nach Brasilien hinüberretten kann.

Belgien 
Das Atlético-Duo Thibaut Courtois und Toby Alderweireld würde eine besondere Rolle im belgischen Fußball einnehmen, würde man am Samstag in Lissabon triumphieren. Als einziger Klub des Landes erreichte Club Brugge KV 1978 das Endspiel des Europapokals, verlor dort aber mit 0:1 gegen Liverpool FC. Neun Jahre später unterlag Torhüter Jean-Marie Pfaff mit den Bayern gegen den FC Porto im Finale in Wien mit 1:2.

Den ersten belgischen Sieger gab es 1988, als Abwehrspieler Eric Gerets der PSV Eindhoven zum Endspielsieg gegen SL Benfica verhalf, zum Start der Ära der UEFA Champions League triumphierte Trainer Raymond Goethals in München mit Olympique de Marseille gegen den AC Milan. Er ist nach wie vor der älteste Coach, der diesen Titel je holen konnte. Zuletzt zog Daniel Van Buyten mit den Bayern in drei Endspiele ein, 2010 und 2012 kam er bei den beiden Niederlagen zum Einsatz, beim Erfolg gegen Borussia Dortmund im letzten Jahr saß er nur auf der Bank.

Karim Benzema und Luka Modrić im Training
Karim Benzema und Luka Modrić im Training©AFP/Getty Images

Frankreich
Im Trainingslager der französischen Nationalelf in Clairefontaine wird man das Geschehen in Lissabon besonders aufmerksam verfolgen. "Karim Benzema ist in Topform", erklärte Nationaltrainer Didier Deschamps über den Real-Stürmer, der seinen Stammplatz bei der WM sicher haben dürfte. "Er ist eine Führungspersönlichkeit", erklärte der ehemalige Stürmer und heutige TV-Experte Omar Da Fonseca. "Angesichts seiner bisherigen Saison darf man eine ganze Menge von ihm erwarten."

Nicht zum Einsatz kommen dürfte bei Real Raphaël Varane. Der 21-jährige Innenverteidiger gilt als Scheck für die Zukunft und wurde anstelle von Éric Abidal in den französischen WM-Kader nominiert.

Türkei
Wenig überraschend konzentriert sich das Interesse der Medien fast vollständig auf Arda Turan, hinter dessen Einsatz allerdings noch ein Fragezeichen steht. Der 27-jährige Flügelspieler, der mit Atlético 2012 die UEFA Europa League gewann, könnte als erster Türke überhaupt bei den Landesmeistern triumphieren. Die Türkei würde damit zu den mehr als 50 Ländern stoßen, die sich schon auf der Siegerliste verewigt haben. Es gab in der Vergangenheit aber schon mehrere Türken, die in einem Finale standen - Yıldıray Baştürk (Bayer 04 Leverkusen, 2002), Hamit Altıntop (FC Bayern München, 2010) und Nuri Şahin (Borussia Dortmund, 2013).

Portugal
Portugal ist beim Finale nicht nur als Gastgeberstadt vertreten, sondern stellt auch gleich mehrere Akteure und kann sich mit Sicherheit über einen Sieger aus dem eigenen Land freuen.

Früher spielten Tiago und Fábio Coentrão Seite an Seite bei Benfica, am Samstag stehen sie sich als Gegner gegenüber. Cristiano Ronaldo hat seine Wurzeln auch noch nicht vergessen und sagte: "Ich habe immer davon geträumt, die Champions League als Spieler von Real Madrid zu gewinnen. Dass dies nun in meiner Heimat und im Estádio do Sport Lisboa e Benfica möglich ist, macht es zu einem ganz besonderen Spiel."

Reporter: Paolo Menicucci, Mark Pitman, Steffen Potter, Elvir Islamović, Berend Scholten, Christian Châtelet & Luis Piedade