Barcelona im Kopf, Sorgen um den Sturm
Dienstag, 17. Januar 2012
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Traumlos FC Barcelona in der UEFA Champions League, aber Probleme an allen Ecken und Enden. Bayer 04 Leverkusen steht nach der Hinrunde gehörig unter Druck und sucht seine Form.
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Das Achtelfinal-Hinspiel der UEFA Champions League gegen den FC Barcelona sorgt in ganz Leverkusen für Euphorie. Gleichzeitig rumort es weiterhin in der Mannschaft, die enttäuschende Hinrunde ist noch nicht verdaut, und auch über die Winterpause hat sich die Lage nicht entspannt – die Zeichen stehen weiter auf Sturm.
Die Brandherde im Rheinland sind vielschichtig. Am augenscheinlichsten waren die Leistungsschwankungen in der Hinrunde, wobei oft nicht klar war, warum das Team so inkonstant agierte. Diese spielerische Wankelmütigkeit wurde von Bayer phasenweise sogar in eine einzige Partie gepackt. Bestes Beispiel, der Auftritt in der Gruppenphase der UEFA Champions League gegen Valencia CF. Nach einer mutlosen ersten Hälfte und einem gnädigen 0:1-Rückstand wurden die Spanier im zweiten Abschnitt an die Wand gespielt und mit 2:1 nach Hause geschickt.
Größter bzw. einziger Rückhalt in dieser turbulenten Hinrunde war Youngster Bernd Leno im Tor der Leverkusener. Der 19-Jährige, zunächst vom VfB Stuttgart ausgeliehen und vor der Winterpause schließlich verpflichtet, war so ziemlich der einzige Spieler, der Trainer Robin Dutt ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Alle anderen Mannschaftsteile enttäuschten über weite Strecken der Saison, Platz sechs und elf Punkte hinter der Tabellenspitze standen zum Jahreswechsel zu Buche.
Die logische Konsequenz des Misserfolgs war Kritik. Kritik am Trainer, an der Spielweise und natürlich auch an und von den Spielern. Eren Derdyiok, Schweizer Nationalspieler, kam im Sturm nur am Ende der Hinrunde regelmäßig zum Einsatz und war darüber äußerst verstimmt. "Es war für mich oft unverständlich, warum ich in der Hinrunde nicht gespielt habe. Da hatte ich richtig Wut in mir! Aber ich habe mich nicht hängen gelassen und um meine Chance gekämpft", erklärte der Angreifer in einem Interview.
Unverhohlene Kritik am Trainer, der aber seitens der sportlichen Leitung von Bayer weiter gestützt wird. Sportdirektor Rudi Völler sprach sich klar für Dutt aus, drehte den Spieß um und nahm die Spieler verstärkt in die Pflicht. "Wir werden an ihm festhalten, und dann werden wir erfolgreich sein. Die Mannschaft ist gefordert. Wir hatten ja gedacht, dass wir nach dem holprigen Start die Kurve gekriegt hätten, aber das Nürnberg-Spiel hat vieles kaputt gemacht", so Völler.
2012, neues Jahr, Vorsätze ohne Ende, allein die Umsetzung lässt auch in den ersten Wochen zu wünschen übrig. In den Testspielen im Trainingslager gab es zwei Pleiten gegen den sc Heerenveen und den RKC Waalwijk, nur drei erzielte Tore und Besserung ist nicht in Sicht. Sidney Sam, Renato Augusto und Tranquillo Barnetta sind verletzt, André Schürrle kommt nicht so recht in Tritt, und damit liegen mal wieder alle Hoffnungen auf den inkonstanten Stefan Kießling und Eren Derdiyok.
Veteran Michael Ballack sprach die Probleme klar an. "Wir müssen unsere Ziele nicht nur formulieren, sondern auch umsetzen", so der Mittelfeldspieler. Auch sein Partner auf der Sechserposition, Lars Bender, schätzte die Lage ähnlich ein: "Wir haben viel zu wenig Tore geschossen, da dürfen wir uns nichts vormachen."
Die Marschroute scheint also klar: offensiv zurück in die Spur finden, dann kommt der Erfolg von ganz allein. Ob Bayer 04 Leverkusen die Ladehemmungen im Sturm überwinden kann, wird sich nicht erst am 14. Februar gegen den FC Barcelona zeigen. Denn bereits am kommenden Wochenende startet die Bundesligarückrunde, und bis zum Highlight gegen die Katalanen stehen vier harte Partien in der heimischen Liga an: 1. FSV Mainz 05, SV Werder Bremen, VfB Stuttgart und Borussia Dortmund heißen die Gegner.
Bernd Leno, der Lichtblick 2011, schaut dem Rückrundenstart aber hoffnungsvoll entgegen: "Die Pause war wichtig für alle. In der Rückrunde müssen wir jetzt sehr viel gutmachen. Wir haben für unser Potenzial einfach zu viele Punkte verschenkt."