Van der Sar wünscht sich letzten Paukenschlag

Er steht kurz davor mit 40 Jahren seine Handschuhe an den Nagel zu hängen, aber bevor es soweit ist, hofft Edwin van der Sar, Torhüter des Manchester United FC, auf einen letzten glorreichen Abend in seiner Karriere.

Edwin van der Sar hat in seiner schillernden Karriere schon den ein oder anderen Titel gewinnen können
Edwin van der Sar hat in seiner schillernden Karriere schon den ein oder anderen Titel gewinnen können ©Getty Images

Während sich Edwin van der Sar auf das Ende einer glorreichen 20-jährigen Karriere vorbereitet, hofft der Torhüter auf ein letztes "großartiges Gefühl" im Finale der UEFA Champions League zwischen Manchester United FC und dem FC Barcelona.

Die Partie in Wembley wird für den 40-jährigen Niederländer wohl seine letzte sein. In seinen sechs Jahren im Old Trafford holte er vier Meisterschaften - die letzte in dieser Saison - und erreichte in den Jahren 2008 und 2009 das Finale der UEFA Champions League. Van der Sar zeigte sich ohne Wehmut und plauderte mit UEFA.com: "Es ist ein toller Moment um aufzuhören, besser wird es nicht." Seine Mitspieler haben alles versucht, um ihn umzustimmen, doch der Torhüter hält an seiner Entscheidung fest. "Es ist immer schön, wenn die Leute sagen gut gemacht, wir werden dich vermissen. Doch der entscheidende Punkt ist, darüber nachzudenken, was gut für einen selbst ist."

Der letzte Meistertitel war bereits sein achter, die anderen vier gewann Van der Sar mit AFC Ajax. In seiner Karriere bestritt der Schlussmann zudem 130 Länderspiele für die Niederlande - mehr als jeder andere - und er spielte durchgehend in der UEFA Champions League. Nach den Finalteilnahmen 2008 und 2009 ist dies das dritte Endspiel mit United. "Natürlich ein großartiges Gefühl", sagte er. "Ich habe bereits vier Endspiele miterlebt, aber in Wembley gegen Barcelona zu spielen, ist schon etwas ganz Besonderes."

"Man träumt immer davon, für sein Land zu spielen und die Königsklasse zu gewinnen. Schafft man es, dann kann man diese Trophäe für fünf Sekunden halten, bevor man sie an den Kameraden weitergeben muss. Es ist sagenhaft, dieses Bild für die Ewigkeit am nächsten Tag zu sehen."

Der Triumph in Moskau 2008 bleibt Van der Sar wohl am besten von den vier Endspielen in Erinnerung, war er es doch, der im Elfmeterschießen gegen den Chelsea FC einen Strafstoß parierte und damit den 6:5-Sieg sicherte. "An Siege erinnert man sich immer besser, das ist klar. In den Vordergrund tritt dabei natürlich die Parade von Anelkas Elfmeter. Dadurch holten wir den Pokal und normalerweise entscheiden Torhüter eine Partie ja nicht. Meistens muss jemand den entscheidenden Strafstoß verwandeln, diesmal war es andersrum. Ein tolles Gefühl, das ich gern noch einmal erleben würde."

Dazu müsste United gegen Barcelona gewinnen, eine Mannschaft, gegen die sie vor zwei Jahren in Rom mit 0:2 unterlagen. Van der Sar ist aber der Meinung, dass sich in der Zwischenzeit einiges geändert hat. "Gute Spieler wie Ronaldo und Tévez sind weg, andere gute kamen hinzu. Wir sind reifer geworden und haben unsere Spielweise ein wenig geändert. Barcelona spielt immer noch sehr attraktiv und offensiv, am Kader hat sich nicht viel verändert. Wir müssen den ersten Treffer erzielen, das ist der Schlüssel. In Rom lagen wir hinten, und es war sehr schwer, zurück ins Spiel zu kommen."

Uniteds Team ist eine Mischung aus Jugend und Erfahrung, wobei die Erfahrung definitiv überwiegt. Van der Sar hofft auf eine erfolgreiche Mischung: "Moskau war für einige ihr erstes Endspiel, danach kam Rom. Ich denke da ist einiges an Erfahrung in der Mannschaft. Ein paar der alten Haudegen haben auch schon die Endspiele in den 1990ern erlebt, das hilft natürlich dem ganzen Team. Wir haben uns das Finale redlich verdient, gerade wegen der zweiten Saisonhälfte, und jetzt hoffen wir, aus unseren Fehlern von 2009 gelernt zu haben und den letzten Schritt in Wembley zu machen."

Seine lange Karriere im Fußball führt Van der Sar auf das Ausbleiben von großen Verletzungen zurück. Auch seine Einstellung zum Training, welches er "als tagtägliches Geschenk" ansieht, erklärt Van der Sars lange Amtszeit an der Spitze der Torhütergilde. Jetzt steht aber das nächste Kapitel an: "Ich möchte ein wenig Abstand vom Fußball gewinnen. Ich spiele gern Golf, möchte mehr Zeit mit der Familie verbringen, ganz gewöhnliche Sachen. Ich war immer sehr konzentriert auf meinen Beruf, da war für sowas kein Platz."

Bleibt nur noch die Kleinigkeit - wie sich an ihn und seine Karriere erinnert werden soll. Van der Sar reagiert auf diese Frage bescheiden wie immer: "Das überlasse ich anderen. Ich habe immer versucht, mein Bestes zu geben und ein gutes Vorbild für die Jugend zu sein. Ich hoffe, die Leute mochten meine Art zu spielen und haben verstanden, dass es Hingabe und Konzentration braucht, um im Fußball etwas zu erreichen."