Ranieri genießt seine Aufgabe bei der Roma
Donnerstag, 2. Dezember 2010
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Claudio Ranieri sprach mit UEFA.com über seine lebenslange Liebe zu AS Roma und den "unbezwingbaren Charakter", der seine Mannschaft in der UEFA Champions League wieder in die Spur gebracht hat.
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Von den unbeschwerten Tagen seiner Kindheit auf dem Spielplatz eines kirchlichen Freizeitzentrums bis hin zum anstrengenden Job als Trainer von AS Roma, eines hat sich bei Claudio Ranieri nie geändert: Die lebenslange Liebe zum Klub seiner Heimatstadt.
Ranieri wurde vor 59 Jahren in einem Arbeiterviertel der Ewigen Stadt geboren. Als er mit 17 seinen ersten Vertrag bei der Roma unterschrieb, war er bereits ein glühender Fan der Giallorossi. "Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern - ich war klein, die Roma und ich gehörten zusammen, wir waren ein und dasselbe", sagte Ranieri auf die Frage, wann seine Liebe zu diesem Verein begann.
"Ich habe schon immer Fußball gespielt", meinte er über seine Jugend. "In Italien haben die Kirchen für gewöhnlich ein Freizeitzentrum mit Fußball-, Basketball- oder Volleyballplätzen. Dort haben meine Freunde und ich immer gespielt. Ich habe immer gerne gegen Ältere gespielt, um mich zu beweisen. Ich bin zu zwei Kirchen gegangen, San Saba in meiner Nachbarschaft und Testaccio."
Ranieri gab am 4. November 1973 sein Debüt für die Roma, bei einer 1:2-Niederlage bei CFC Genoa. Insgesamt brachte er es in seiner ersten Saison auf sechs Einsätze. "Das war außergewöhnlich. Nur beim Gedanken daran, dass ich eines Tages auf dem Platz stehen würde, war ich schon aufgeregt. Als dieser Tag dann kam, gingen die Gefühle mit mir durch. Der Traum meiner Kindheit wurde wahr - natürlich nach vielen Entbehrungen, viel Training, sehr vielen Dingen, auf die ich verzichten musste, aber das ist egal, wenn dein Traum wahr wird."
Allerdings war dies seine erste und letzte Saison bei der Roma als Spieler. Ranieri wechselte im folgenden Sommer zu US Catanzaro Calcio, wo er zum Spieler mit den meisten Erstligaeinsätzen für den Klub wurde (128), bevor seine aktive Laufbahn auf Sizilien bei Calcio Catania und US Città di Palermo endete. Danach startete Ranieris Karriere als Trainer, die ihn quer durch Italien und Europa führte, ehe er 2009 dorthin zurückkehrte, wo alles begann.
"Es ist ein Traum, Trainer einer Mannschaft zu sein, deren Fan ich schon seit Kindheit bin. Nach 35 Jahren Wanderschaft durch Italien und Europa bin ich zurück und trainiere die Roma, das ist etwas ganz Besonderes", so Ranieri, der nach dem schlechten Start in die Saison 2009/10 Luciano Spalletti ablöste und die Mannschaft beinahe noch zur Meisterschaft geführt hätte. "Man trägt doppelte Verantwortung - einmal als Trainer, und einmal als Fan", meinte er weiter. "Wenn man verliert, dann betrifft einen das auch als Fan. Der Prophet im eigenen Land zählt nichts, richtig? Es herrscht Angst, man denkt 'was ist, wenn es schlecht läuft'?"
Ranieri weiß, dass die Roma für ihre Fans mehr als nur ein Fußballverein ist. "Wir Römer neigen gerne zur Übertreibung. Wir lieben unsere Stadt von ganzem Herzen und sind stolz darauf, in Rom geboren worden zu sein. Es gibt ein Sprichwort: 'Man spricht nicht über die Roma, man liebt sie'." Das bedeutet, dass man auch in schwierigen Zeiten zu seiner Mannschaft hält. Ranieris Truppe ist auch in dieser Saison schwach gestartet, mittlerweile geht der Trend aber deutlich nach oben. "Die Mannschaft hat einen unbezwingbaren Charakter und einen unbändigen Willen. Ein Mann kann hinfallen, ein Spieler kann ein Spiel verlieren, aber ich mag es, wenn ich sehe, wie sie reagieren."
In der laufenden UEFA Champions League hat die Roma diese Charaktereigenschaft schon mehrere Male bewiesen. Nach zwei Niederlagen in den ersten drei Partien der Gruppe E folgte ein 3:2-Erfolg beim FC Basel 1893 sowie das gleiche Ergebnis gegen den FC Bayern München, obwohl die Roma gegen den deutschen Meister zur Pause noch mit 0:2 zurückgelegen hatte. Jetzt reicht nächste Woche bei CFR 1907 Cluj bereits ein Unentschieden, um ins Achtelfinale einzuziehen.
1984 sah Ranieri als Fan im Fernsehen, wie die Roma das Finale gegen Liverpool FC verlor, doch an das Endspiel in dieser Saison will er noch gar nicht denken, das ist für ihn noch in weiter Ferne. "Ich denke nicht im Traum daran, denn dann würden hier alle durchdrehen. Allerdings wäre das vielleicht sportlich gesehen das Schönste, was Rom jemals erlebt hätte."