Rémy nutzt seine zweite Chance
Montag, 22. November 2010
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Loïc Rémy hat in den letzten Monaten einiges erlebt. Zunächst drohte ihm das Karriereende, dann startete er bei Olympique de Marseille voll durch. Jetzt geht es gegen Spartak Moskva ums Überleben in der Königsklasse.
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Es wäre nicht sonderlich verwunderlich, würde Loïc Rémy dieser Tage mit einem Dauergrinsen über den Rasen flitzen. Noch vor einigen Monaten schien die Karriere des 23-Jährigen abrupt beendet, nachdem bei einer medizinischen Untersuchung im Rahmen seines Wechsels von OGC Nice zu Olympique de Marseille ein Herzfehler diagnostiziert worden war. Erst nach einigen weiteren Tests gaben die Ärzte grünes Licht für den 15-Millionen-Euro-Transfer.
"Die Ärzte sagten mir zunächst, dass meine Chancen nicht allzu gut seien, jemals wieder spielen zu können, das hinterlässt natürlich Spuren", erinnert sich Rémy mit einem leichten Schauder an die Tage im August. "Aber dann war es natürlich eine unendliche Erleichterung für mich, als sie mir die guten Nachrichten überbracht haben. Jetzt genieße ich jeden Tag, denn man weiß ja nie, was morgen passiert."
In der Tat spielt der französische Nationalspieler zur Zeit mit der Leidenschaft und Freude eines Mannes, der eine zweite Chance bekommen hat. Letzten Monat erzielte er im Länderspiel gegen Rumänien die Führung der "Les Bleus", außerdem war er auch in der Ligue 1 gegen AS Nancy-Lorraine und LOSC Lille Métropole erfolgreich. Rémys dynamische Auftritte auf dem rechten Flügel haben seinen Trainer Didier Deschamps jedenfalls so überzeugt, dass er Mathieu Valbuena auf die linke Seite abkommandiert hat.
"Ich freue mich hier auf jeden Tag, zumal ich hier die Chance haben, neben großartigen Spielern wie Lucio Gonzales, oder Gabriel Heinze zu spielen, die schon so viel erlebt und gewonnen haben. Ich habe mir vorgenommen, mich an ihnen zu orientieren, damit ich eines Tages auch einmal ihr Niveau erreichen kann", erklärte Remy gegenüber UEFA.com.
Kaum der Jugend von Olympique Lyonnais entwachsen, interessierten sich schon einige Klubs aus der Premier League für den heute 23-Jährigen, der in seinen ersten beiden Spielzeiten in Nizza stolze 25 Tore erzielte. Dann klopfte der französische Meister an. "Ich wollte bei einem Klub spielen, der auf höchstem internationalen Niveau spielt und Marseille hat sich am meisten um mich bemüht", erinnert sich Rémy. "Es gab auch Anfragen von Klubs aus dem Ausland, aber ich bin froh, mich für OM entschieden zu haben. Ich kann hier viel lernen und später ja immer noch ins Ausland gehen."
Rémy hat, ebenso wie Marseille, ein wenig gebraucht, bis er im Europapokal Fuß gefasst hat. Nach den beiden Niederlagen gegen den FC Spartak Moskva und Chelsea FC siegten die Franzosen gegen den MŠK Žilina vor eigenen Fans wenig überzeugend mit 1:0, ehe man in der Slowakei denselben Gegner mit 7:0 vom Platz fegte. Rémy gelang in diesem Spiel sein erster Treffer in der UEFA Champions League. "Es macht immer Spaß, so hoch zu gewinnen und damit noch Geschichte zu schreiben", freute sich Rémy über den höchsten Auswärtssieg in den Annalen der Königsklasse.
Die Elf von Deschamps muss nun allerdings am 5. Spieltag in Moskau gewinnen, um sich für das Achtelfinale zu qualifizieren. "Es ist das wichtigste Spiel des Jahres", betont Rémy. "Wir dürfen uns jetzt keine Fehler mehr erlauben. Sie werden uns das Leben sehr schwer machen. Wir müssen einfach unsere Chancen nutzen, dann können wir es schaffen."
Für Spartak geht die Saison in Russland am Sonntag zu Ende, doch das darf laut Mittelfeldspieler Ibson keine Ausrede sein. "Auch wenn sich unsere Saison dem Ende zuneigt, fühlen wir uns nicht müde", sagte er. "Ich komme aus Brasilien, dort haben wir mindestens 60 Spiele pro Saison. Die Mannschaft sollte bereit sein, im wichtigsten Spiel der Saison 100 Prozent, ja sogar 200 Prozent zu geben. Wir müssen alles aus uns herausholen. Ich hoffe, dass uns das vor unseren eigenen Fans auch gelingt - sie verdienen den Sieg, den sie von uns erwarten.