Lahm verfolgt ehrgeizige Ziele
Montag, 19. Oktober 2009
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Philipp Lahm von Bayern München hat sich das Ziel gesetzt, sowohl die UEFA Champions League als auch die WM zu gewinnen, wie er im Gespräch mit den Lesern von uefa.com erklärte.
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Es gibt wohl wenig bessere Möglichkeiten, im internationalen Fußball auf sich aufmerksam zu machen, als bei einer FIFA-Weltmeisterschaft im eigenen Land das erste Tor des Turniers zu erzielen. Genau das gelang Philipp Lahm bei der Endrunde 2006, als er in der sechsten Minute des Eröffnungsspiels in München gegen Costa Rica nach innen zog und unvergesslich in den Winkel traf. Auf einmal waren die Augen der ganzen Welt auf den Außenverteidiger des FC Bayern München gerichtet. Er ist zwar erst 25, doch Lahm hat schon 62 Länderspiele absolviert und wurde mit den Bayern dreimal deutscher Meister. Im Gespräch mit den Lesern von uefa.com erklärte er, dass er sich den Gewinn der europäischen Königsklasse und den Triumph bei der WM zum Ziel gesetzt hat.
Wie schätzen Sie den aktuellen Kader von Bayern im Vergleich zu den letzten Jahren ein?
Michael Gallo
Philipp Lahm: Das hält sich bislang die Waage. Man verliert Qualität und bekommt aber auch Qualität dazu. Es hängt dann davon ab, wie die Mannschaft als Team funktioniert. Ich denke, ein Trainer braucht Zeit, um den richtigen Kader zu finden, der dann seine Philosophie umsetzen kann. Zuletzt hatten wir einige Trainerwechsel, so dass sich in den vergangen Jahren noch nicht das charakteristische FC-Bayern-Team herausbilden konnte, wie etwa zwischen 1998 und 2001.
Wie ist es, mit Bastian Schweinsteiger zusammen zu spielen?
Zachary Maloney
Lahm: In erster Linie ist es Vertrautheit. Wir verstehen uns blind. Wir haben schon in der Bayern-Jugend zusammen gespielt und kennen uns jetzt schon mehr als zehn Jahre. Wahrscheinlich haben wir zusammen in über 500 Spielen auf dem Platz gestanden.
Wer ist der beste Linksverteidiger, den Sie jemals gesehen haben?
Tiago Guga, 22, Salvador, Bahia, Brasilien
Lahm: Mein Idol war schon immer Paolo Maldini. Seine Karriere war außergewöhnlich, er ist ein echtes Vorbild. Aber auch Bixente Lizarazu, mein Vorgänger beim FC Bayern, war zu seiner Glanzzeit ein Ausnahmespieler auf dieser Position, von dem ich viel lernen konnte.
Wieso hatten deutsche Teams in den letzten Jahren in der Champions League so große Probleme, während dagegen die deutsche Nationalmannschaft gut gespielt hat?
Fedin, 19, Griechenland
Lahm: Man kann die Vereinsmannschaften nicht mit den Nationalteams vergleichen. Die Bundesliga hat in den letzten Jahren gegenüber der englischen und spanischen Liga etwas an Boden verloren. Die bestimmenden Mannschaften in Europa wie beispielsweise Barcelona, Chelsea oder Manchester haben einen internationalen Topkader, mit den besten Spielern auf der jeweiligen Position. Das hat sicher auch etwas mit den finanziellen Möglichkeiten zu tun. Die Nationalteams wählen die Spieler des Landes, da gibt es sicher auch bessere Mannschaften als Deutschland, aber wir schaffen es immer sehr gut als Mannschaft aufzutreten und ideal vorbereitet in ein Turnier zu gehen.
Wer ist Ihr bester Freund bei Bayern?
Otto, Liberec, Tschechische Republik
Lahm: Das ist Andreas Ottl. Er ist wie ich ein gebürtiger Münchner und wir kennen uns seit unserer Kindheit. Mit ihm unternehme ich auch privat sehr viel.
Seit die Bayern 2001 die Champions League gewonnen haben, sind sie in der K.-o.-Phase nicht mehr sehr weit gekommen. Kann Bayern in diesem Jahr das Finale erreichen?
Anoosh Madadi, 18, Türkei
Lahm: Wir versuchen uns von Jahr zu Jahr dem Finale wieder ein Stück zu nähern. In der vergangen Saison sind wir im Viertelfinale gescheitert und der Abstand zu den Top-Vier war deutlich. Wir hoffen, dass schon in dieser Saison die Kluft kleiner geworden ist und in den nächsten zwei, drei Jahren wir um den Titel mitspielen.
Welches Ziel haben Sie sich zu Beginn Ihrer Karriere gesteckt und haben Sie es schon erreicht?
Francis Njenga, Nairobi, Kenia
Lahm: Mein erstes Ziel war es, Fußballprofi zu werden. Das habe ich geschafft und nun würde ich gerne mit einem Verein die Champions League und mit Deutschland ein großes Turnier gewinnen.
Bayern vergibt zu viele Chancen. Glauben Sie, dass eine Rückkehr von Luca Toni bei diesem Aspekt hilfreich wäre?
Felipe Arturo Videla
Lahm: Lucas Torquote beim FC Bayern ist überragend und zuletzt haben wir gerade in der Offensive zu viele Chancen vergeben, da kommt er zur rechten Zeit zurück.
Ich bin ebenfalls Linksverteidiger, aber in der letzten Zeit konnte ich die Erwartungen des Trainers nicht erfüllen. Können Sie mir ein paar Tipps geben, wie ich mich verbessern kann, oder gibt es bestimmte Fähigkeiten, die ein Trainer bei einem Verteidiger sucht?
Matt Banica, 12, Whitby, Ontario, Kanada
Lahm: Du musst vor allem darauf schauen, dass du in beiden Richtungen gut bist: Sowohl im Spielaufbau, wenn man sich in den richtigen Momenten einzuschalten hat, als auch in der Verteidigung. Und man muss stark im Eins-gegen-Eins sein und die entsprechende Schnelligkeit und Technik haben. Das sind für mich die entscheidenden Faktoren als Verteidiger.
Was war bisher der schönste Moment Ihrer Karriere in der deutschen Nationalmannschaft?
Francisco Xutuc, 35, Guatemala-Stadt, Guatemala
Lahm: Es gab schon einige besondere Momente und Highlights. Bei der WM 2006 waren es vor allem das Eröffnungsspiel gegen Costa Rica mit meinem Tor und das Halbfinale gegen Italien, mit der bitteren Niederlage. Und bei der EM 2008 war das Halbfinale gegen die Türkei das emotionalste Spiel.
Ich verstehe nicht, wieso Bayern fünf Stürmer hat, wenn van Gaal in seiner Formation im Moment nur einen spielen lässt. Wenn man zwei der besten Flügelspieler der Welt in der Mannschaft hat, braucht man dann nicht mehr als einen Abnehmer für ihre Flanken?
Nick, Johannesburg
Lahm: So wie Du das beschreibst, hast du sicher recht. In deinem System wäre ein Stürmer relativ chancenlos gegen zwei Innenverteidiger. Doch unser System, das wir seit diesem Jahr spielen, ist ein 4-3-3, bei dem die beiden Außenstürmer nicht nur strikt über die Flügel kommen und Flanken vors Tor schlagen. Frank Ribery und Arjen Robben sind Offensiv-Spieler, die auch nach innen gehen und selbst den Abschluss suchen oder im Eins-gegen-Eins die Abwehr durcheinander bringen. Bei diesem System haben wir auch nicht fünf Stürmer für eine Position, sondern nur drei, nämlich Mario Gomez, Miro Klose und Luca Toni. Thomas Müller und Ivica Olic kommen wie Frank und Arjen über außen.
Spielen Sie lieber auf der rechten oder der linken Seite?
Federico, 28, Turin, Italien
Lahm: Ich habe schon wiederholte Male erklärt, dass ich persönlich lieber rechts spielen würde. Da ich aber auf beiden Seiten auf dem absoluten Top-Niveau spielen kann, spiele ich dort, wo der Trainer denkt, dass ich für den Erfolg wichtiger bin.
Wie haben Sie mit dem Fußball angefangen?
Sinan Kaya, 13, Deurne
Lahm: Mein erster Verein war FT Gern. Da bin ich durch meine Eltern und Freunde hingekommen. Mein Vater hat da schon gespielt und ein Freund aus dem Kindergarten hat mich mal zum Training mitgenommen. Da war ich fünf Jahre alt und mit 11 Jahren bin ich dann zum FC Bayern gegangen.
Was sind die Hauptunterschiede zwischen van Gaal und Klinsmann?
Sambid Adhikari
Lahm: Der größte Unterschied ist die Erfahrung. Louis van Gaal ist schon über 20 Jahre Trainer und kann daher aus einem reicheren Erfahrungsschatz schöpfen.
Wenn Sie Trainer der deutschen Nationalmannschaft wären, welchen Spieler würden Sie im nächsten Jahr als erstes mit nach Südafrika nehmen?
Babu Mawa, Kampala, Uganda
Lahm: Deutschland hat immer als Mannschaft Erfolg gehabt und auch bei uns gibt es keinen ersten Spieler. Beim Anpfiff stehen elf Akteure auf dem Platz und die versuchen gemeinsam zu gewinnen.
Was ist es für ein Gefühl, Kapitän von Bayern zu sein?
Carla Lee, 19, Hong Kong
Lahm: Es fühlt sich gut an, und ich denke, es ist schlüssig, dass ein Münchner den FC Bayern aufs Feld führt. In vielen großen Klubs sind es Spieler aus dem eigenen Nachwuchs oder mit langer Vereinstradition, die die Binde tragen. Wie beispielsweise Steven Gerrard bei Liverpool, John Terry bei Chelsea, Raúl bei Real sowie Puyol bei Barcelona oder Gary Neville in Manchester.
Wie stehen Deutschlands Chancen auf den WM-Titel?
Nizar Zrafi
Lahm: Wir gehören sicherlich zu den Nationen, die Chancen haben, um den Titel mitzuspielen. Als WM-Dritter und EM-Zweiter ist es unser Ziel, ins Endspiel zu kommen und den Titel zu holen.