Alex sieht sein Team in der Pflicht
Donnerstag, 6. November 2008
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Alex stand im Mittelpunkt, als Fenerbahçe SK im letzten Jahr das Viertelfinale der Königsklasse erreichte, nach zuletzt enttäuschenden Ergebnissen hat der Kapitän erkannt, dass sein Team nicht mehr als Underdog angesehen wird.
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Zum Start der vergangenen Saison in der UEFA Champions League waren alle Augen bei Fenerbahçe SK auf Neuzugang Roberto Carlos gerichtet. Doch es war Landsmann Alex, der die Türken bis ins Viertelfinale führte. Und der Kapitän hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dieses Kunststück zu wiederholen.
Große Rolle
Der Spielmacher war in seiner Heimat Brasilien ein großer Star und sogar Kapitän der Nationalmannschaft, doch in Europa lief es bei einem kurzen Gastspiel bei Parma FC und in Istanbul zunächst gar nicht rund. Das sollte sich in der vergangenen Saison ändern, als Fenerbahçe zum ersten Mal das Viertelfinale der UEFA Champions League erreichen konnte. Alex spielte dabei eine große Rolle - mit seinem cleveren Passspiel und seinen tollen Standardsituationen war er an zahlreichen Treffern beteiligt. In dieser Saison sieht es noch nicht danach aus, als würden die Türken erneut ins Achtelfinale einziehen können - derzeit liegen sie mit gerade mal zwei Punkten auf dem letzten Platz der Gruppe G. Doch nach dem torlosen Remis am Mittwoch bei Arsenal FC hat bei den Türken neue Zuversicht Einzug gehalten. Das Timing hätte nicht besser sein können, geht es doch am Sonntag in der Liga gegen Stadtrivale Galatasaray AŞ.
In der Pflicht
Alex verpasste das Arsenal-Spiel aufgrund einer Oberschenkelverletzung, wird aber wohl gegen Galatasaray auflaufen können. In der Liga liegen die Türken derzeit sieben Punkte hinter Tabellenführer Trabzonspor, und in der Königsklasse darf sich Fenerbahçe keinen Ausrutscher mehr erlauben. "Wir sind nicht mehr die Überraschungsmannschaft der vergangenen Saison. Jetzt wissen die anderen über uns Bescheid", sagte der 31-Jährige. "Wir stehen jetzt in der Pflicht, vor allem nach unserem schwachen Start in der Champions League sowie in der türkischen Liga. Wir haben die gleiche Mannschaft wie letztes Jahr, deshalb ist es schwer zu erklären, was derzeit los ist, aber wir müssen uns jetzt berappeln."
Unterstützung für Aragonés
Die größte Veränderung im Vergleich zur letzten Saison ist der neue Trainer Luis Aragonés, der die Nachfolge von Zico angetreten hat. Der Brasilianer war zwei Jahre im Amt. Aragonés konnte mit dem Istanbuler Verein noch nicht an seinen Erfolg mit Spanien bei der UEFA EURO 2008™ anknüpfen, kann aber weiter auf die Unterstützung seines Kapitäns zählen. "Es gibt einige Unterschiede zwischen Aragonés und Zico, aber auch Zico wurde kritisiert, als er hierher kam. In der Champions League scheiterten wir an (FC) Dynamo Kyiv. Wir müssen uns erst an den neuen Trainer gewöhnen. Wenn jemand schuldig ist, dann sind es wir Spieler. Wir stehen auf dem Platz. Alle Teams auf der Welt machen mal schwere Zeiten durch."
Langfristig arbeiten
Alex hat kein Verständnis für die Kritiker, die schon wieder einen neuen Trainer fordern. "Ich bevorzuge es immer, langfristig zu arbeiten", sagte der frühere Akteur von Coritiba FC, SE Palmeiras, CR Flamengo und Cruzeiro EC. "Als ich zu Fenerbahçe kam, gab es auch Kritik an Christoph Daum, der damals Trainer war. Nach seinem Vertragsende kam Zico, der ebenfalls kritisiert wurde. Zico und Christoph Daum durften bleiben und feierten Erfolge. Aragonés kam als Europameister mit Spanien zu uns, da kommt natürlich Kritik auf, wenn es nicht so läuft. Aber ich glaube, wenn er bleibt und in Ruhe arbeiten darf, werden wir sicherstellen, dass er weitermachen darf. Ich denke, Aragonés wird mit unserem Team Erfolg haben."
Einzigartiger Druck
Nach so langer Zeit in Istanbul ist er sich des einzigartigen Drucks bei einem Verein wie Fenerbahçe natürlich bewusst. "Es ist schwierig zu erklären, man muss nach Istanbul kommen und in der Türkei leben", sagte Alex. "Für die Fans steht der Klub über allem, manchmal sogar über der Familie. Fenerbahçe repräsentieren zu dürfen, bedeutet mir deshalb sehr viel. Es mag komisch klingen, so etwas zu sagen, man muss ganz einfach in der Türkei leben, um das zu begreifen." Am Sonntag wird man sich davon wieder ein Bild machen können, wenn es gegen Galatasaray geht - doch die Aragonés-Mannschaft sollte sich keinen weiteren Ausrutscher leisten.