Lampard gestärkt durch Rückschläge
Freitag, 26. September 2008
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Frank Lampard trauerte um seine Mutter, als er Chelsea FC ins Finale der UEFA Champions League schoss. Gegenüber uefa.com spricht er von der "schwersten Zeit des Lebens" und richtet den Blick noch mal zurück.
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Wenige Fußballer haben sich den Erfolg so sehr erarbeitet wie Frank Lampard. Auch wenn ihm das Talent schon in die Wiege gelegt wurde, hat er sich immer weiter verbessert, so dass er zu einem der besten Spieler der Welt wurde.
Sportliche Enttäuschungen
Lampard ist wortgewandt, gut erzogen und ein Musterprofi, aber vor allem auch ein Kämpfer, was sich in den letzten sieben Monaten wieder einmal gezeigt hat. Nach sechs Titeln in den vergangenen drei Jahren durchlebte der 30-Jährige einige sportliche Nackenschläge und eine titellose Spielzeit. Zunächst verlor er mit den Blues das Endspiel des englischen Ligapokals und in der Meisterschaft sicherte sich Manchester United FC am letzten Spieltag Platz eins vor Chelsea, ehe die Red Devils auch im Finale der UEFA Champions League triumphierten - in einem dramatischen Elfmeterschießen. Mit der englischen Nationalmannschaft scheiterte Lampard obendrein in der Qualifikation zur UEFA EURO 2008™, wobei England die Teilnahme an der EM in den letzten 15 Minuten gegen Kroatien verspielte.
Schicksalsschlag
Schlimmer als all das wog natürlich der Tod von Lampards Mutter Pat im April. Viele wären an solchen Umständen gescheitert, nicht aber Lampard, der trotz aller Trauer auf den Rasen zurückkehrte und Tore erzielte. "Es war Ende der letzten Saison schwer für mich, die Konzentration auf den Fußball hochzuhalten, aber ehrlich gesagt, war es nicht so schwer wie jetzt", sagte er gegenüber uefa.com. "Ich stand damals unter Schock und wusste gar nicht so recht, was passiert ist. Es war im Sommer härter, als kein Fußball war und ich die Realität bewusster wahrgenommen habe."
Prioritäten
"Die Familie ist einem natürlich am wichtigsten und deshalb ist es nicht so einfach, sich wieder auf den Fußball zu konzentrieren. Es war die schwierigste Zeit in meinem Leben und gleichzeitig auch im Fußball, so ist es auch immer noch, und der Fußball ist ein Abziehbild zu meinem persönlichen Leben. Alles, was ich erreicht habe, hängt mit sehr viel Arbeit und Ehrgeiz zusammen - dem gebe ich eine hohe Priorität. Ich würde zwar nicht sagen, dass ich diesen Glauben komplett verloren hatte, aber ich musste diese Einstellung schon wieder neu entdecken. Auf Dauer ist man stärker nach Erfahrungen wie diesen, und während ich immer noch sehr traurig bin, lerne ich damit umzugehen."
Emotionaler Jubel
Es gab letzte Saison diesen besonderen Moment, als Lampard nur Tage nach dem Tod seiner Mutter im Halbfinale der UEFA Champions League gegen den FC Liverpool traf und seine Mannschaft somit zum ersten Mal in der Geschichte ins Finale der Königsklasse schoss. Sein Torjubel war sehr bewegend und emotional, genauso wie seine Erklärung, wie sehr ihm die Unterstützung der Fußballfamilie geholfen habe. "Ich habe sehr viel Unterstützung bekommen von Fans von Liverpool, West Ham [United FC], Manchester United, das hat mich sehr bewegt", erklärte Lampard. "Im Fußball werden wir öfter zynisch und ich glaube auch, dass die Medien ein falsches Bild eines Fußballspielers zeichnen."
Falsches Bild
"Wenn man nicht in unserer Welt ist, dann weiß man über uns nur das, was man liest und hört. Wir sind aber eher eine Gruppe von Leuten, die zusammen arbeiten und deshalb auch irgendwie eine Bindung zueinander haben. Man will zwar nicht die ganze Zeit mit jedem einzelnen Mitspieler zusammen sein, aber ich habe noch nie so etwas gespürt wie bei Chelsea, als ich diesen schlimmen Monat durchlebt habe. Ich werde nie vergessen, was die Mannschaft für mich getan hat. Es zeigt einfach, dass das normale Menschen sind, die sich entschieden haben, mir zu helfen, sich um mich zu kümmern und mich zu unterstützen."
Vorbild Spanien
Trotz der Enttäuschung darüber, nicht in Österreich und der Schweiz dabei gewesen zu sein, hat Lampard die UEFA EURO 2008™ richtig genießen können. "Ich war die meiste Zeit während der EURO auf Ibiza, und obwohl ich mich nicht darauf gefreut hatte, die Spiele zu sehen, habe ich das gesamte 'spanische Ding' miterlebt, was mir sehr gefallen hat", sagte er lächelnd. "Spanien hat super gespielt und verdient gewonnen. Ich finde es gut, dass ihr Mittelfeld gelobt wurde, vor allem Xavi [Hernández] und [Marcos] Senna, denn normalerweise werden nur die großen Torjäger oder Spielmacher geehrt."
Tolles Mittelfeld
"Spaniens Mittelfeld hat das Turnier dominiert. Daraus kann England vielleicht lernen. Ein Mitgrund für unser Scheitern war, dass wir trotz der individuell starken Spieler es nicht geschafft haben, den Ball als Mannschaft in den eigenen Reihen zu halten, so wie das Spanien gemacht hat." Zum besten Mittelfeldspieler eines europäischen Vereins wurde bei den UEFA Club Football Awards aber dennoch Lampard gewählt. "Wenn man sich die Konkurrenz ansieht, ist es schon etwas Besonderes", gibt er zu. "Das hat mir einen willkommenen Auftrieb gegeben."