Königsblaue Ambitionen
Freitag, 25. Juli 2008
Artikel-Zusammenfassung
Der FC Schalke 04 will in der kommenden Saison mit seinem neuen Trainer Fred Rutten und neuer Besetzung national und international vorne mitspielen.
Top-Medien-Inhalte des Artikels
Artikel-Aufbau
Auf Schalke weht ein neuer Wind. Mit Fred Rutten steht seit Juli ein Mann auf dem Trainingsplatz des FC Schalke 04, der "generell sehr viel Wert auf Pünktlichkeit, Ordentlichkeit und Disziplin legt", wie Kevin Kuranyi es treffend formuliert. Damit beschreibt er Vorlieben des Trainers, die sein Teamkollege Gerald Asamoah schon bald zu spüren bekam. Während einer Ansprache Ruttens hatte der Stürmer die Hände in den Hosentaschen. Eine Geste, die er wohl so schnell nicht wiederholen wird, wurde er doch vom Coach sehr bestimmt aufgefordert dies in Zukunft zu unterlassen. "Es gibt Regeln", so der neue Coach vielsagend.
Erfolgreiche Saison
Blickt man als Schalker auf die letzte Saison zurück, kann man zufrieden sein. Das erste Mal erreichten die "Knappen" das Viertelfinale der UEFA Champions League, schlugen den FC Porto und scheiterten erst am FC Barcelona. Dazu gab es in der Bundesliga am Ende Platz drei und damit die Chance auf eine erneute Teilnahme an der europäischen Königsklasse. Doch lange nicht alles lief rund und sowohl national, als auch international ist noch Luft nach oben.
Trainerwechsel
Intern gab es in der letzten Saison immer wieder Spekulationen um Trainer Mirko Slomka, der Mitte April dann auch gehen musste. "Wir haben keine sportliche Fortentwicklung gesehen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies bei der Entlassung des Trainers und sprach damit aus, was vorher schon immer öfter nach außen gedrungen war. Youri Mulder und Michael Büskens übernahmen das Team und sicherten den "Knappen" den Champions-League-Qualifikationsplatz.
Rutten neuer Chef
Nun ist mit Fred Rutten ein Trainer auf Schalke angekommen, der die Erfolge aus der Zeit von Huub Stevens wieder aufleben lassen soll. Rutten kommt vom niederländischen Eredivisie-Club FC Twente und hat eine klare Vorstellung, wie die Früchte seiner Arbeit auf nationaler Ebene auszusehen haben: "Es gibt einen großen Favoriten und eine Gruppe von vier bis fünf Mannschaften, die oben mitspielen können. Wenn wir eine gute Balance zwischen Spielkultur und Ergebnissen finden, zählen wir dazu."
Top-Transfers
Mit zwei spektakulären Transfers sind unter Ruttens Kommando zumindest die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison geschaffen worden. Der Peruaner Jefferson Farfán und der niederländische UEFA-EURO-2008™-Teilnehmer Orlando Engelaar kosteten den Verein fast 16 Millionen Euro. "Beide bringen die Fähigkeiten mit, Leistungsträger dieser Mannschaft zu sein", so der Trainer des Jahres der Niederlande. Weitere Einkäufe seien daher nicht von Nöten. "Wir haben jetzt einen großen Konkurrenzkampf in allen Mannschaftsteilen. Nur so kann man den Erfolg erreichen, den wir uns vorgenommen haben", sagte Rutten.
Traumziel Meisterschaft
Insgeheim träumt man in Gelsenkirchen sogar schon von der Meisterschaft. Manager Andreas Müller äußerte sich dazu neulich so: "Wir werden die Schale nicht aus den Augen verlieren. Wenn die Konkurrenten oben schwächeln, wollen wir zuschlagen", sagte Müller und fügte an: "denn schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass der Topfavorit, [der FC Bayern München] auch automatisch Meister wird und wir nicht angreifen dürfen."
Angriff in der Champions League
Aber auch auf der europäischen Bühne wollen die Königsblauen wieder voll angreifen und mindestens erneut an der Gruppenphase der Champions League teilnehmen. Schalkes Torwart, Manuel Neuer, erinnert sich gerne an die letztjährige Saison: "Die Erfahrung, die wir in London gegen Chelsea [FC], Valencia [CF] oder selbst in Trondheim [gegen Rosenborg BK] gesammelt haben, war ein extrem wichtiger Lernprozess für uns."
"Zeit hat man nie"
Diese internationale Erfahrung, die neue, schnellere Spielweise unter Rutten, kombiniert mit den beiden neuen Leistungsträgern, schraubt natürlich auch die Erwartungshaltung der Fans und Medien in die Höhe, die schnelle Erfolge sehen wollen. Aber auch auf Druck reagiert der 45-jährige Trainer mit kühler Gelassenheit: "Zeit hat man nie, doch deshalb muss man sich den Kopf trotzdem nicht verdrehen lassen." Fest steht, dass den Schalkern nächstes Jahr mit solch einem gelassenen, aber doch zielstrebigen Kopf an der Spitze so einiges zuzutrauen ist.