Gerrard will es noch mal wissen
Freitag, 7. März 2008
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Steven Gerrard appelliert an sein Team, "die Chance nicht durch die Finger gleiten zu lassen." Die "Reds" wollen als viertes Team Englands ins Viertelfinale.
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Es ist nicht einfach, wenn man darauf warten muss, sein Achtelfinal-Rückspiel in der UEFA Champions League bestreiten zu dürfen, und sieben der acht Viertelfinal-Plätze bereits vergeben sind. So ergeht es Liverpool FC; die Engländer haben vor dem Rückspiel bei FC Internazionale Milano eine Woche mehr Pause, wenn es darum geht, den drei anderen englischen Teams zu folgen. Auf den Sieger von 2005 wartet aber sicherlich eine harte Aufgabe.
"Letzte Hürde"
"Das hab ich bislang noch nie erlebt", sagt Steven Gerrard gegenüber uefa.com. "Aber mir müssen jetzt einfach diese letzte Hürde noch nehmen und weiterkommen. Einige fantastische Teams sind bereits durch und es wäre toll, ihnen nachzufolgen." Am Morgen nach dem 4:0-Sieg gegen West Ham United FC merkt man Gerrard an, dass er den Trip ins San Siro richtig herbeisehnt. Dieses Stadion ist eine der wenigen europäischen Arenen, in der Gerrard noch nie gespielt hat. Er ist geradezu erpicht darauf, in einen Wettbewerb zurückzukehren, der ihm und seinem Verein so viel Erfolg eingebracht hat.
"Geduld"
Geduld ist das Zauberwort für dieses Duell. Liverpool hatte im Hinspiel mit viel Geduld erst in der Schlussphase die beiden Treffer zum 2:0-Erfolg erzielen können. Nun müssen sich die Engländer erneut in Geduld üben, bis sie das Rückspiel in Italien angehen dürfen. "Man muss immer bis zum Ende an sich glauben", sagt Gerrard. "Viele Tore im Fußball fallen sehr spät, wenn der Gegner müde ist, vor allem wenn er nur noch zehn Mann auf dem Platz hat wie bei Inter (Marco Materazzi wurde in der 30. Minute vom Platz gestellt). Wir mussten geduldig sein. Ein 1:0 ist ein gutes Ergebnis, aber ein 2:0 ist das Sahnehäubchen. Das ist sehr beruhigend, und die Zuversicht für das Rückspiel ist riesig, aber das Duell ist noch nicht entschieden."
"Schwierige 90 Minuten"
Frühere Stars der Reds haben die ganze Woche über davor gewarnt, die Partie schon abzuhaken - vor allem diejenigen, die 1965 im Halbfinale dabei waren, als Liverpool nach einem 3:1 an der Anfield Road in Italien noch ausschied. "Wir können sehr viel von dem annehmen, was die sagen", erklärte Gerrard. "Sie sagen, dass das Duell noch lange nicht entschieden ist und dass wir genauso auftreten müssen wie daheim. Das ist meine Botschaft, vom Kapitän an den Rest der Jungs. Wir können da nicht hinfahren und denken, wir sind schon durch. Wir haben wirklich schwierige 90 Minuten vor uns."
Form wieder da
Liverpools Fans nehmen in dieser Saison nichts als selbstverständlich hin. Unbeständig in der Liga, dazu noch das peinliche Aus im FA Cup gegen Barnsley FC, das spricht Bände. Doch seit diesem Rückschlag ist die Mannschaft von Rafael Benítez wieder in Form. Nach dem Sieg gegen Inter gab es drei Erfolge in der Meisterschaft. Vor allem Fernando Torres ist in bestechender Form, er erzielte gegen West Ham seine Saisontreffer 22 bis 24. Auch Gerrard, der hinter dem Spanier spielt, kommt immer besser in Fahrt.
"Positive Einstellung"
"Ja, ich genieße es", sagte Gerrard. "Hinter Fernando Torres spielen zu können, ist ein wahres Vergnügen. Fernando ist super drauf. Durch ihn bekomme ich so viele Optionen, wenn ich Platz habe. Von seiner Zielstrebigkeit und seinen Bewegungsabläufen profitiere ich enorm, und wenn (Xabi) Alonso und Javier Mascherano hinter mir absichern, dann haben wir ein wirklich starkes Team. Mit Spielern wie Fernando, Ryan Babbel, Dirk Kuyt und mir haben wir großes Offensivpotenzial, mit dem wir Inter vor große Probleme stellen können. Wir müssen dort mit einer positiven Einstellung auftreten. Wenn wir ein Tor erzielen, sind wir praktisch durch. Wir müssen defensiv gut stehen, aber auch nach vorne spielen und sie wie daheim vor Probleme stellen."
"Fantastische Ehre"
Gerrards Einstellung hat ihm Fans weit über Liverpool hinaus eingebracht. Er wurde im Januar zum dritten Mal in Folge in die Mannschaft des Jahres von uefa.com gewählt, nachdem er Liverpool im vergangenen Jahr ins Finale der UEFA Champions League geführt hatte. Außerdem wurde er zum Kapitän dieser illustren Mannschaft bestimmt. "Es ist eine Überraschung, Kapitän solch einer Mannschaft mit so vielen klasse Spielern zu sein", sagte Gerrard. "Das ist eine fantastische Ehre, vor allem weil die Fans dafür verantwortlich sind. Zum dritten Mal in Folge in diesem Team zu stehen, ist ein toller Erfolg. Darauf bin ich wirklich stolz."
"Harte Arbeit und Glück"
Gerrard hat in diesem Jahr noch mehr Grund, stolz zu sein, schließlich wurde er von Englands neuem Nationaltrainer Fabio Capello im vergangenen Monat zum Kapitän ernannt. Den italienischen Meister aus dem Wettbewerb zu befördern, wäre ein weiteres Highlight. Danach sah es zu Beginn der Saison nicht aus, als Liverpool in den ersten drei Spielen der Gruppenphase in der UEFA Champions League gerade mal ein mickriges Pünktchen holte. Doch seitdem gab es vier Siege, bei 18 eigenen Toren und nur einem Gegentreffer. Gerrard gibt zu, dass "wir ein wenig überheblich in der Gruppenphase waren", und ist entschlossen, dass dies am Dienstag nicht vorkommen wird. Zweimal führte er Liverpool ins Finale der Königsklasse, 2005 sprang der Titel raus, letztes Jahr scheiterte man an Milan. Der 27-Jährige weiß also, was man braucht, um Erfolg zu haben. "Harte Arbeit und ein wenig Glück. Dieses Team weiß, wie man ins Finale kommt. Wir sind erfahren und wissen, dass es schwierig wird. Aber man muss zuversichtlich sein, daran glauben und alles aus sich herausholen. Wir haben eine fantastische Chance auf das Viertelfinale, und das dürfen wir uns nicht mehr nehmen lassen."
Englische Dominanz
Vor allem, da bereits drei englische Mannschaften durch sind. "Wenn wir uns gegen Inter qualifizieren, dann heißt es vier aus acht Teams, deshalb kann niemand bestreiten, dass die Premier League in diesem Jahr die stärkste Liga ist. Und ich denke, sie wird immer stärker. Ich kenne viele europäische Akteure, die in dieser Liga spielen wollen, deshalb kann es nur besser werden. Arsenals Sieg in Mailand war eine Überraschung. Sie waren fantastisch. Nach der Auslosung dachte ich, dass Arsenal an Milan scheitern würde, denn meinen Erfahrungen zufolge ist Milan eine tolle Mannschaft, die nur schwer zu schlagen ist. Deshalb verdient Arsenal viel Respekt."
Große Motivation
Gerrard weiß, wovon er spricht. Im vergangenen Jahr setzte es eine 1:2-Niederlage gegen die Rossoneri im Finale von Athen. Deshalb ist die Motivation groß, es dieses Mal besser zu machen, und so denkt Gerrard immer wieder gerne an den Triumph von 2005 zurück. "Wenn ich an Istanbul denke, dann kommen großartige Erinnerungen hoch, Erinnerungen, die ich nie vergessen werde. Das war die beste Nacht meiner bisherigen Fußballerkarriere. Es gäbe nichts Schöneres, als das noch mal zu erleben."