Giganten servieren Festmahl
Mittwoch, 21. Februar 2007
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Heute ist in Madrid der kurioseste Tag des Jahres, doch schon gestern servierten die angeschlagenen Riesen aus Madrid und München ein fußballerisches Festmahl.
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Wenn 60 Menschen, von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet, mit einem riesigen Abbild einer Sardine einen Trauerzug vollführen, ist in Madrid die kurioseste Zeit des Jahres angebrochen. Nach dem 3:2-Thriller von Real Madrid CF gegen den FC Bayern München steht zumindest fest, dass die Beerdigung noch nicht dem heimischen Fußball gegolten hat.
Torfestival
Am Mittwoch findet in Madrid das jährliche "Entierro de la Sardina" statt. Mitglieder der "Beerdigung der Sardinen-Brüderschaft" führen einen Umzug mit dem Abbild ihres Lieblingsfisches durch, bevor sie ein Festmahl von den bald verbotenen Genüssen zu sich nehmen. Das wahre Festmahl servierten einen Tag zuvor schon zwei angeschlagene Teams im Santiago Bernabéu, die im Hinspiel des UEFA Champions League-Achtelfinals eine mitreißende Begegnung ablieferten.
Raúl eröffnet Torreigen
Die angeschlagenen Giganten Real Madrid und Bayern München waren zuletzt alles andere als gut drauf und sind in ihren Ligen für ihre Verhältnisse weit abgerutscht. Vor allem an Kreativität mangelte es den Traditionsklubs deutlich. Mit nur drei Toren aus den letzten vier Spielen gingen sie in das Aufeinandertreffen in der spanischen Hauptstadt und der Nieselregen sowie die kalte Nacht in Spanien ließen befürchten, dass es ein langer, wenig unterhaltsamer Abend werden könnte. Doch nach zehn Minuten traf Raúl González zum ersten Mal in diesem Spiel und beide Mannschaften sollten ihre Lust am Toreschießen wieder entdecken.
"Die Zehnten"
Raúls Treffer war die logische Folge eines lebhaften Auftakts der Heimmannschaft, der den Fans die Hoffnung gab, vielleicht doch nicht solange auf den zehnten Titel in der Königsklasse warten zu müssen. "Nos llama la decima" (Man nennt uns die Zehnten) stand auf einem riesigen Plakat von optimistischen Fans der Madrilenen geschrieben, doch die sollten Mitte des ersten Durchgangs plötzlich verstummen. Es war Lucio, der die Bayern nach einem Willy-Sagnol-Freistoß zum Ausgleich köpfte. Das Tor kam etwas gegen den Spielverlauf, doch die Elf von Fabio Capello war nicht um eine passende Antwort verlegen. Nach einem Eckstoß verlängerte Iván Helguera auf Raúl, der den Ball mit den Haarspitzen über die Torlinie drückte.
Beckham dirigiert
Den Eckstoß hatte David Beckham getreten, der eine überragende erste Halbzeit spielte. Der ehemalige Kapitän der englischen Nationalelf spielte punktgenaue 40-Meter-Pässe, die Fans feierten ihn und er bereitete auch den dritten Real-Treffer in der ersten Halbzeit vor. Wieder war es eine Standardsituation, diesmal ein Freistoß, den er hereintrat und erneut verlängerte Helguera, nur dass diesmal Ruud van Nistelrooy der Vollstrecker war. Aus nächster Nähe ließ der Niederländer Oliver Kahn nicht die geringste Chance. Auch die zweite Halbzeit begannen die Madrilenen mit dem Schwung aus den ersten 45 Minuten.
Bayern darf hoffen
Die Einwechslung von Claudio Pizarro nach einer Stunde für Lukas Podolski sollte das Spiel dann aber drehen. Der Peruaner riss Lücken auf, war ständig unterwegs und kam schnell zu ersten großen Torchancen. Einen Freistoß von Sagnol, den Reals Keeper Iker Casillas unterlief, köpfte er nur Millimeter am Kasten vorbei, kurz darauf schloss er ein Weltklassesolo aus kurzer Distanz ab, doch diesmal war der Torhüter der Gastgeber mit einer Glanztat zur Stelle. Man merkte nun förmlich, wie die Bayern an den wichtigen Anschlusstreffer glaubten und zwei Minuten vor Spielende traf ausgerechnet der ehemalige Mittelfeldspieler des FC Barcelona, Mark van Bommel, hochverdient mit einem perfekten Dropkick in die linke untere Ecke. Das Stadion und das Heimteam standen danach etwas unter Schock, doch in einer Stadt, in der es ein Fest wegen Sardinen gibt, sollte man wissen, dass alles möglich ist.