Wiese will weiterkommen
Montag, 4. Dezember 2006
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Werder Bremens Torhüter Tim Wiese ist von einem Sieg gegen den FC Barcelona und dem Einzug in das Achtelfinale der UEFA Champions League überzeugt.
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Beim mit Spannung erwarteten Spiel in der umkämpften UEFA Champions League-Gruppe A zwischen dem FC Barcelona und Werder Bremen wird ein Spieler am 5. Dezember im Camp Nou zwangsläufig im Mittelpunkt stehen, wenn der Titelverteidiger versuchen wird, mit einem Sieg gegen den Bundesligisten ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Wettbewerb zu verhindern: es ist Tim Wiese, der Torhüter von Werder Bremen.
Gebet vor jedem Spiel
Zwar betet der 24-Jährige vor jedem Spiel und bittet Gott um einen Sieg und ein torloses Spiel, aber es ist nicht anzunehmen, dass Wiese dafür die Kapelle „La Morenata“ im Camp Nou aufsuchen wird und zwar nicht nur, weil er ein heimlicher Fan von Real Madrid ist!
Vom Sieg überzeugt
„Ich glaube, dass wir beim FC Barcelona mit 1:0 gewinnen und damit das Achtelfinale erreichen werden. Zwar sind wir für die Öffentlichkeit nur der Außenseiter, aber wir selbst schätzen uns als gleichwertiges Team ein“, erklärte Wiese in einem Exklusiv-Interview mit uefa.com.
Wiese hat Klasse
Das in Worten ausgedrückte Selbstbewusstsein strahlt der äußerst talentierte Torhüter auch auf dem Platz aus und er hat allen Grund dazu: Tim Wiese gehört in Deutschland zu den besten seines Fachs, er verfügt über exzellente Reflexe, hat eine gute Strafraumbeherrschung und eine unglaubliche mentale Stärke.
Starke Leistung gegen Chelsea
Ein weiteres Beispiel seiner Klasse bot der ehemalige U21-Nationaltorhüter im letzten Heimspiel der Champions League gegen Chelsea FC, als er lange Zeit nichts zu tun hatte, dann aber kurz vor der Pause mit einer tollen Parade gegen Michael Ballack klären musste. In Halbzeit zwei brachte er dann Michael Essien, Joe Cole und Andriy Shevchenko zur Verzweiflung. Bremen siegte schließlich mit 1:0 - auch dank Wiese.
Leistungsträger in Bremen
Der Vorzeigeathlet gehört zu den Leistungsträgern einer starken Bremer Elf und reiht sich nahtlos in die talentierten und selbstbewussten Spieler wie Clemens Fritz, Per Mertesacker und Diego ein. Komplettiert werden die Youngsters von den erfahrenen Tim Borowski, Torsten Frings und Miroslav Klose. Fußballerische Klasse und spielerische Qualität paart sich bei Bremen mit der typisch deutschen Tugend Kampf - eine ideale Mischung, erklärte Wiese uefa.com: „Wir spielen sehr guten und sicheren Offensivfußball, präsentieren uns als Mannschaft sehr kompakt und haben einen fantastischen Teamgeist.“
Offensives Spiel gegen Barca
Und deswegen sieht der Torhüter keinen Grund, dass Bremen, obwohl bereits ein Remis zum Weiterkommen reicht, im Camp Nou von seiner Taktik abweichen soll: „Wir müssen in Barcelona das spielen, was uns stark macht und das ist unser Offensivspiel. Es gibt keine Grund, etwas zu ändern und defensiv zu agieren“, sagte Wiese.
Zwei Kreuzbandrisse im linken Knie
Seine ersten Paraden machte der damals elfjährige in der Jugend von Bayer 04 Leverkusen und genoss offensichtlich eine exzellente Ausbildung. In der Winterpause der Saison 2001/02 wechselte er zum 1. FC Kaiserslautern. Im November 2004 - sieben Monate vor seinem ablösefreien Wechsel zu Werder Bremen - zog sich Wiese einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Das gleiche Schicksal traf ihn am 30. Juli 2005 in einem seiner ersten Spiele für Werder beim FC Hansa Rostock. Das Kreuzband riss erneut. „Für mich zählt jetzt nur die Rückkehr ins Tor. Dafür werde ich alles geben“, erklärte Wiese damals trotzig und begann wie ein Besessener mit dem Training. Nur sieben Monate später nach einer Verletzung von Andreas Reinke im Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart bekam Bremens Neuzugang seine Chance und nutze sie konsequent.
Entscheidender Fehler gegen Juventus
Auch ein entscheidender Fehler im letztjährigen Achtelfinale gegen Juventus hat den 24-Jährigen nicht aus der Bahn geworfen. Nach einem 3:2-Sieg im Hinspiel zeigte Wiese im Rückspiel in Italien 88 Minuten lang eine Weltklasseleistung, ließ dann aber 120 Sekunden vor dem Spielende einen Ball im Strafraum aus seinen Händen fallen und ermöglichte Emerson das entscheidende 2:1. Bremen war ausgeschieden. „Natürlich habe ich in der Nacht nach dem Juve-Spiel sehr schlecht geschlafen, aber am Tag danach habe ich die Sache abgehakt. Solche Dinge muss man wegstecken“, versichert Wiese glaubhaft.
Jeder Fehler wird bestraft
Die fast 100.000 Zuschauer im Camp Nou empfindet Wiese als große Motivation und er weiß aus Erfahrung was am 5. Dezember auf ihn zukommt: „Auf solch einem hohen Niveau entscheiden Kleinigkeiten über den Ausgang eines Spiels. Jeder Fehler wird sofort bestraft.“ Die Geschichte von Juve soll sich für Wiese nicht wiederholen. Einer der besten deutschen Torhüter ist bereit für den großen Showdown gegen Barcelona.