Der FC Thun verblüfft weiter
Mittwoch, 10. August 2005
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Malmö FF - FC Thun 0:1
Der FC Thun darf nach dem 1:0-Auswärtssieg bei Malmö FF von der Champions League träumen.
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Von Marco Keller
Der letztjährige sensationelle Zweite der Schweizer Super League verbreitet nun auch international Angst und Schrecken. Nach der überraschenden Elimination von Dynamo Kyiv haben die Spieler von Urs Schönenberger nun auch hervorragende Chancen, den Einzug in die europäische Königsklasse zu schaffen. Den Siegestreffer erzielte der Brasilianer Adriano Pimenta vor der Pause.
Nicht mit Bestformation
Beide Coaches konnten nicht mit ihrer Bestformation antreten. Bei den Schweden fehlte der dänische Stürmer Jesper Bech wegen einer Grippe, Thun musste auf den gesperrten Silvan Ägerter verzichten. Nach einer Viertelstunde schied dann bei den Schweizern auch noch Verteidiger Arnaud Deumi mit einer Zerrung aus.
Schweden überlegen
Die Schweden, die sich erst in extremis in Israel für die nächste Runde qualifiziert hatten, begannen sehr offensiv und störten die Thuner immer wieder mit dezidiertem Pressing im Spielaufbau. Allein in der ersten halben Stunde hatte der 15-malige schwedische Meister ein halbes Dutzend mehr oder minder gefährliche Möglichkeiten.
Marcus Pode mit zwei Grosschancen
Zweimal, nach jeweils schnellem Direktspiel aus dem Mittelfeld, erstarb den einheimischen Fans der Torjubel auf den Lippen. In der 11. Minute scheiterte Marcus Pode aus 17 Metern freistehend am glänzend reagierenden Eldin Jakupovic. Eine Viertelstunde später hatte dann der "Held von Kyiv" etwas Glück, dass Pode nur die Latte traf.
Unerwarteter Konterschlag
Thun hatte anfänglich kaum Offensivaktionen, es dauerte eine halbe Stunde, bis Leandro Vieira die erste halbwegs gefährliche Chance hatte. Vier Minuten später zeigten dann die Berner Oberländer einmal mehr, dass sie derzeit viel Selbstvertrauen haben: Nach einem weiten Zuspiel von Ferreira übernahm Adriano, zog gegen die Mitte und erwischte den gegnerischen Keeper Mattias Asper mit einem nicht unhaltbaren Flachschuss aus 16 Metern.
Schock für Malmö
Dieser Treffer hatte auf Thun eine befreiende, auf Malmö hingegen eine lähmende Wirkung. Die Südschweden blieben bis zur Pause wirkungslos, die Schweizer bekamen zunehmend mehr Spielanteile.
Erneute Druckperiode...
Nach der Halbzeit verstärkte der schwedische Meisterschafts-Dritte den Druck mit zunehmender Spieldauer wieder. Nach etwa einer Stunde musste Thun in kurzer Zeit dreimal zittern. Zuerst bei einem zu schwachen Schuss von Anders Andersson aus hervorragender Position (60.), dann nach einer schönen Aktion und einem Abschluss von Afonso Alves, den Ljubo Milicevic von der Linie wegkratzte (64.) und schliesslich bei einem weiteren zu ungenauen Schuss von Pode (65.).
...und mangelnde Kreativität
Die Mehrheit der 12.237 Zuschauer forderte nun ungeduldig den Ausgleich. Sehr nahe kam ihm Alves mit einer schönen Direktabnahme (75.). Insgesamt war das Angriffsspiel der "Himmelblauen" aber zu stereotyp, um das optimal greifende Abwehrdispositiv der Gäste zu knacken. Auch international arrivierte Topspieler wie Jari Litmanen oder Yksel Osmanovski vermochten das Heft nicht wirklich in die Hand zu nehmen. In der 87. Minute hatte dann Bernardi sogar noch die Chance zum Doppelschlag, sein Aussenristschuss strich aber knapp am Pfosten vorbei.
Internationale Stabilität
Thun darf auch dem Rückspiel getrost entgegen sehen. In den letzten 180 Minuten auf internationalem Parkett kassierte die Sensationstruppe keinen Gegentreffer mehr. Ganz anders sieht es noch in der heimischen Super League aus: Dort kassierte Thun in den letzten beiden Partien sieben Minustreffer.