Altes Rezept - große Wirkung
Mittwoch, 6. April 2005
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Mit langen Bällen fügte Chelsea FC dem FC Bayern München eine bittere Niederlage zu.
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Von Trevor Haylett von der Stamford Bridge
Manchmal sind lange Bälle einfach am wirkungsvollsten. Während Chelsea FC in dieser Saison bislang vor allem durch attraktiven Fußball der Herren Frank Lampard, Damien Duff, Arjen Robben und Joe Cole auffiel, konzentrierte man sich heute auf die elementarste Taktik dieses Sports.
Lange Bälle
Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist die Gerade und nach dieser Devise handelte man heute bei Chelsea, die kreativen Köpfe im Mittelfeld konnten nur staunend mit ansehen, wie die Bälle von einem Tor zum anderen hoch über sie hinwegzischten. Über weite Strecken entwickelte sich ein faszinierendes Luftduell zwischen Chelseas Mittelstürmer Didier Drogba und Bayern-Innenverteidiger Robert Kovac. Am Ende triumphierte Chelsea an der heimischen Stamford Bridge dank dieser Taktik, schon das 1:0 fiel auf diese Weise. John Terry schlug den Ball weit nach vorne in Richtung Bayern-Strafraum, und obwohl Kovac diesmal das Kopfballduell gewann, kam das Leder zu Duff, der sofort auf Joe Cole weiter leitete. Dessen harmloser Schuss aus 25 Metern wurde unglücklich von Lucio abgefälscht und erwischte Oliver Kahn auf dem falschen Fuß.
Überragender Drogba
Irgendwo an einem "privaten und friedlichen" Platz wird der abwesende Chelsea-Trainer José Mourinho laut gejubelt haben. Um ihm ihre Unterstützung auszudrücken, fielen die Fans auch prompt in einen "José Mourinho"-Chor ein. Vor wenigen Wochen hatte Chelsea an einem rauschenden Fußball-Abend gegen den FC Barcelona die ersten drei Treffer innerhalb von nur 30 Minuten durch sensationelle, blitzschnelle Spielzüge eingeleitet. Doch nachdem die Elf gemerkt hatte, dass die Münchner bei langen Bällen verwundbar schienen, versuchte sie es mit erstaunlicher Beharrlichkeit bis zum Ende der Partie weiter mit diesem Rezept. Lucio und Kovac sind im Luftkampf nun weiß Gott keine Chorknaben, aber alleine Didier Drogba gewann in den 90 Minuten mehr Kopfballduelle gegen die beiden, als alle Bundesligastürmer an den letzten 27 Spieltagen zusammen.
Bewährtes Rezept
Als Torhüter Petr Cech dann einen weiten Abschlag in Richtung Drogba schickte, verlängerte der per Kopf zu Eidur Gudjohnsen, der erst in letzter Sekunde von Kovac am Einschuss gehindert wurde. Fast eine Kopie dieser Szene gab es wenige Minuten später, als Gudjohnsen erneut von einem Bayern-Abwehrspieler in allerletztem Moment gebremst wurde. Im Gegensatz zu Chelsea versuchte Bayern aus verständlichen Gründen den Ball flach zu halten, doch weder Michael Ballack noch der schwache Zé Roberto vermochten in dieser Partie Akzente zu setzen.
Bayern zerbricht
Mit einer 0:1-Niederlage wären die Bayern wohl noch zufrieden gewesen, nach dem 1:1 durch den gerade eingewechselten Bastian Schweinsteiger schien der deutsche Rekordmeister sogar sein Traumergebnis anzusteuern. Doch dann brach ein neues Kopfballgewitter in Form von Drogba über die Bayern-Abwehr herein, der Stürmer von der Elfenbeinküste, der im Rückspiel gegen den FC Barcelona gesperrt gefehlt hatte, entwickelte sich zum Schreckgespenst der hoch gelobten Bayern-Innenverteidigung.
Kahn machtlos
Glen Johnson bereitete diesmal vor und nachdem Drogba den langen Ball genau in den Lauf von Lampard geköpft hatte, ließ dieser Kahn mit einem platzierten Linksschuss keine Chance. Bayerns Abwehr zerbröselte nun wie ein trockener Kuchen und Kahn wurde ein ums andere Mal sträflich im Stich gelassen. Doch es sollte noch schlimmer kommen, Chelsea durfte noch zwei Mal jubeln, ehe Ballack in den Schlusssekunden mit einem verwandelten Elfmeter noch eine Rettungsleine für das Rückspiel auswarf.