Emotionale Partie in Anfield
Montag, 4. April 2005
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Liverpool FC und Juventus FC treffen zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder aufeinander.
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Von Simon Hart aus Liverpool
Bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Partie sprach Fabio Capello von der besonderen Atmosphäre an der Anfield Road. Denn in der berühmten Heimat von Liverpool FC hat es schon einige denkwürdige Europapokal-Abende gegeben.
Ergreifender Abend
Am Dienstag steht nun gegen Juventus FC ein weiterer ergreifender Abend voller Emotionen an. Liverpool und Juventus stehen sich zum ersten Mal seit dem Endspiel im Pokal der europäischen Meistervereine 1985 im Heysel-Stadion - bei dem 39 Fans ums Leben kamen - gegenüber. Capello und sein Liverpooler Gegenüber Rafael Benítez sprachen am Abend vor der Viertelfinal-Begegnung davon, dass diesmal ausschließlich sportliche Dinge in Erinnerung bleiben sollten.
"Wundervolle Atmosphäre"
"An der Anfield Road herrscht mehr als in allen anderen englischen Stadien eine Atmosphäre, die das Team nach vorne peitschen kann", meinte Capello. "Um hier ein gutes Ergebnis zu erreichen, müssen wir hoch konzentriert und engagiert zu Werke gehen sowie Charakter beweisen. Die Atmosphäre hier ist wundervoll, und ich bin stolz darauf, Trainer der Juventus-Mannschaft sein zu dürfen, die 20 Jahre nach der Heysel-Tragödie wieder gegen Liverpool spielt. Der beste Weg, um diese Nacht hinter uns zu lassen, ist ein gutes Spiel abzuliefern."
Positiv denken
Benítez bediente sich zwar weniger Worte, doch im Grunde sagte er ähnliches: "Das Wichtigste ist, über den Fußball zu reden, über positive Dinge und über die Zukunft." Der Spanier hat im Moment allen Grund dazu, denn nach dem Erfolg gegen Bolton Wanderers FC vom letzten Wochenende (der dritte Sieg in den letzten vier Spielen) liegt seine Mannschaft jetzt nur noch einen Punkt hinter dem Tabellenvierten Everton FC.
Frage der Konstanz
Benítez ist sich durchaus bewusst, dass Liverpool in seinem ersten Jahr in England die Konstanz noch vermissen lässt. In diesem Punkt ist seine Mannschaft mit der Truppe von Capello - von dem er einst bei einem Besuch in Milanello, dem Trainingsgelände des AC Milan, lernte - nicht zu vergleichen.
"Besonderer Geist"
"Wir wissen, dass wir konstanter und aggressiver werden und das höchstmögliche Tempo gehen müssen", sagte Benítez. Der Spanier relativierte die schwankenden Leistungen, als er sagte, er sei "ein neuer Trainer in einem anderen Land". Doch er weiß genau, wie man im Europapokal besteht, was er bei Valencia CF bewiesen hat. Doch Capello ist viel zu gerissen, als dass er eine Mannschaft unterschätzen würde, die in der Champions League mit einem "besonderen Geist" auftritt.
Alonso dabei
Liverpool muss erneut auf die in der Champions League nicht spielberechtigten Fernando Morientes und Mauricio Pellegrino verzichten. Dafür spielt Sami Hyypiä an der Seite von Jamie Carragher in der Innenverteidigung. Milan Baroš, der in der Premiership im Moment gesperrt ist, kann ebenfalls eingesetzt werden. Jerzy Dudek ist wieder fit, und Xabi Alonso, der seit Dezember verletzt ist, könnte zum ersten Mal wieder auf der Ersatzbank sitzen.
Hohes Ziel
Wegen der Heimstärke von Juventus ist es für Liverpool überaus wichtig, zu Hause ein gutes Ergebnis zu erzielen. Von den 15 Gastspielen in England konnten die Italiener auch nur zwei Partien gewinnen. "Sie sind zu Hause sehr, sehr stark. Sie bekommen keine Gegentore und haben eine Reihe guter Spieler", sagte Benítez. "Sie können jeden Moment treffen. Wir müssen gewinnen und - wenn möglich - zu Null spielen."
Keine Gegentore
Zu Null spielen kann Juve besser als jede andere Mannschaft, denn in den acht Champions League-Spielen der laufenden Saison musste die "Alte Dame" erst zwei Gegentore hinnehmen. Doch nachdem am letzten Wochenende in Italien alle Sportveranstaltungen abgesagt wurden, hat Juve seit dem 19. März kein Pflichtspiel mehr bestritten. Deshalb ist Capello ein wenig besorgt, dass seine Mannschaft "vielleicht etwas an Konstanz verloren hat".
Tacchinardi gesperrt
David Trezeguet sitzt mit einem geschwollenen Knöchel zuerst wohl nur auf der Bank. Außerdem hat Marcelo Zalayeta Probleme mit dem Rücken, doch dafür dürften Pavel Nedved und Emerson ins Mittelfeld zurückkehren. Alessio Tacchinardi ist gesperrt.