Europas Elite unter sich
Freitag, 18. März 2005
Artikel-Zusammenfassung
Die Erfolge der Vergangenheit zählen nichts, jetzt kommt es auf die aktuelle Form an.
Artikel-Aufbau
Von Peter Stirling
Zum ersten Mal überhaupt hat es keine einzige spanische Mannschaft ins UEFA Champions League-Viertelfinale geschafft. Dennoch können die meisten Vereine, die noch im Rennen sind, auf eine lange Erfolgsgeschichte im europäischen Fußball zurückblicken.
Daten und Fakten
Der AC Milan steht mit sechs Titeln an der Spitze, während nur Chelsea FC und Olympique Lyonnais noch niemals auf Europas Thron Platz nehmen konnten. Viele legen großen Wert auf die Geschichte, doch im Moment ist viel wichtiger, in welcher aktuellen Form sich die restlichen Teams befinden.
Erfolgsformel
Insgesamt haben die acht Viertelfinalisten gerade einmal 27 ihrer 220 Ligaspiele in dieser Saison verloren. Wenn man dabei Liverpool FC - die einzige Mannschaft, die nicht unter den ersten Drei in der Liga steht - außer Acht lässt, reduziert sich die Zahl der Niederlagen sogar auf 16.
AC Milan (ITA)
Qualifiziert als: Italienischer Meister
Serie A-Tabellenplatz: Rang 1 (28 Spiele/19 Siege/6 Unentschieden/3 Niederlagen)
Gruppenphase: Sieger der Gruppe F (6 Spiele/4 Siege/1 Unentschieden/1 Niederlage)
Größte Erfolge: Sieger (1963, 1969, 1989, 1990, 1994, 2003)
Champions League-Saison 2003/04: Viertelfinale (4:5-Gesamtniederlage gegen den RC Deportivo La Coruña)
Die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti hat in der letzten Runde gegen Manchester United FC gezeigt, zu was sie auch ohne ihre beiden wichtigsten Stürmer - Europas Fußballer des Jahres Andriy Shevchenko und dem italienischen Nationalspieler Filippo Inzaghi - in der Lage ist. Während ihrer Abwesenheit war Hernán Crespo alleinige Spitze und erzielte bei beiden Spielen den 1:0-Siegtreffer. Ancelotti hat auf den meisten Positionen exzellente Auswahlmöglichkeiten, und in der Abwehr neben dem herausragenden Kapitän Paolo Maldini mit Cafu und Jaap Stam zwei weitere überragende Abwehrspieler. Milan ist diejenige Mannschaft, die sich bei der Auslosung wohl kein Klub als Gegner wünscht.
Chelsea FC (ENG)
Qualifiziert als: Englischer Vizemeister
Premiership-Tabellenplatz: Spitzenreiter (29 Spiele/23 Siege/5 Unentschieden/1 Niederlage)
Gruppenphase: Sieger der Gruppe H (6 Spiele/4 Siege/1 Unentschieden/1 Niederlage)
Größter Erfolg: Halbfinale (2004)
Champions League-Saison 2003/04: Halbfinale (3:5-Gesamtniederlage gegen den AS Monaco FC)
Chelsea scheint im Jahr seines 100-jährigen Bestehens die beste Saison der Vereinsgeschichte zu erleben. Dennoch warten nach dem denkwürdigen Triumph über den FC Barcelona nun weitere sehr schwere Gegner. José Mourinho könnte der erste Trainer in der 49-jährigen Geschichte dieses Wettbewerbs werden, der zwei Jahre hintereinander mit verschiedenen Klubs den Europapokal gewinnt. Und das ist kein Ding der Unmöglichkeit, denn bei Chelsea hat er sogar noch größere personelle Möglichkeiten als bei seinem vorherigen Klub FC Porto. Chelsea muss dabei auch gegen eine Serie ankämpfen: bisher wurde noch niemals eine Mannschaft aus der Gruppe H Europapokalsieger.
FC Bayern München (GER)
Qualifiziert als: Deutscher Vizemeister
Bundesliga-Tabellenplatz: Rang 2 (25 Spiele/15 Siege/5 Unentschieden/5 Niederlagen)
Gruppenphase: Zweiter der Gruppe C (6 Spiele/3 Siege/1 Unentschieden/2 Niederlagen)
Größte Erfolge: Sieger (1974, 1975, 1976, 2001)
Champions League-Saison 2003/04: Achtelfinale (1:2-Gesamtniederlage gegen Real Madrid CF)
Die Bayern hoffen darauf, dass Stürmer Roy Makaay seinen Muskelfaserriss rechtzeitig bis zum Viertelfinale Anfang April auskuriert hat. Torhüter Oliver Kahn meinte diese Woche: "Ohne ihn sind wir zahnlos." Die letzten beiden Partien endeten für die Bayern ohne den Niederländer mit zwei 0:1-Niederlagen bei Arsenal FC und beim FC Schalke 04. Doch nach dem überzeugenden 3:1-Hinspielsieg gegen Arsenal ist die Truppe von Felix Magath voller Selbstvertrauen, denn ihre Leistung wurde als ihr bestes Europapokalspiel der letzten Jahre angesehen.
FC Internazionale Milano (ITA)
Qualifiziert als: Viertplatzierter in Italien
Serie A-Tabellenplatz: Rang 3 (28 Spiele/10 Siege/17 Unentschieden/1 Niederlage)
Gruppenphase: Sieger der Gruppe G (6 Spiele/4 Siege/2 Unentschieden/keine Niederlage)
Größte Erfolge: Sieger (1964, 1965)
Champions League-Saison 2003/04: Gruppenphase
Es liegt mittlerweile bereits 40 Jahre zurück, dass Inter zum letzten Mal auf Europas Thron Platz nahm. In dieser Saison stellt man sich in Mailand die Frage, ob Adriano die Mannschaft mit seinen Toren wieder an die Spitze schießen kann. Der brasilianische Stürmer, der im Winter etwas Ladehemmung hatte, scheint mittlerweile in bester Verfassung zu sein. Beim 3:1-Sieg im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Porto erzielte er alle drei Treffer. In der Serie A hat Inter nach 17 Unentschieden aus 28 Spielen keine Titelchancen mehr. Dadurch kann sich die Mannschaft jetzt voll und ganz auf die kommenden schweren Spiele in der Champions League konzentrieren.
Juventus FC (ITA)
Qualifiziert als: Drittplatzierter in Italien
Serie A-Tabellenplatz: Rang 2 (28 Spiele/ 19 Siege/ 6 Unentschieden/ 3 Niederlagen)
Gruppenphase: Sieger der Gruppe C (6 Spiele/5 Siege/1 Unentschieden/keine Niederlage)
Größte Erfolge: Sieger (1985, 1996)
Champions League-Saison 2003/04: Achtelfinale(0:2-Gesamtniederlage gegen Deportivo)
Der tschechische Mittelfeldspieler Pavel Nedved sollte im Viertelfinale wieder einsatzfähig sein - und dadurch wird es noch schwerer, gegen die Mannschaft von Fabio Capello zu gewinnen. Die Elf ist auf jeder Position sehr erfahren und strotzt nach dem Sieg über Madrid geradezu vor Selbstvertrauen. Außerdem hat Juventus mit 16 Gegentoren in 28 Spielen die beste Abwehr in der Serie A, und damit Neben der Champions League kämpfen die Turiner mit Milan noch um die italienische Meisterschaft, und dabei wollen sie keine Schwächen zeigen.
Liverpool FC (ENG)
Qualifiziert als: Viertplatzierter in England
Premiership-Tabellenplatz: Rang 5 (29 Spiele/13 Siege/5 Unentschieden/11 Niederlagen)
Gruppenphase: Zweiter der Gruppe A (6 Spiele/3 Siege/1 Unentschieden/2 Niederlagen)
Größte Erfolge: Sieger (1977, 1978, 1981, 1984)
Champions League-Saison 2003/04: Nicht qualifiziert
Trainer Rafael Benítez erlebte eine frustrierende erste Zeit bei Liverpool. Jetzt fehlen ihm weiterhin die Langzeitverletzten Djibril Cissé, Florent Sinama-Pongolle und Xabi Alonso. Milan Baroš machte als Alleinunterhalter im Angriff nicht immer eine glückliche Figur, während Fernando Morientes im Europapokal noch gesperrt ist. Trotz ihrer schwankenden Form und der Verletzungssorgen hat die Mannschaft im Achtelfinale gegen Bayer 04 Leverkusen exzellenten Fußball gezeigt. Ob es zum fünften Europapokaltitel reicht, wird sich zeigen. Aber auf alle Fälle kann man die anderen Teams noch gehörig ärgern.
Olympique Lyonnais (FRA)
Qualifiziert als als: Französischer Meister
Ligue 1-Tabellenplatz: Spitzenreiter (29 Spiele/ 16 Siege/11 Unentschieden/2 Niederlagen)
Grupenphase: Sieger der Gruppe D (6 Spiele/4 Siege/1 Unentschieden/1 Niederlage)
Größter Erfolg: Viertelfinale (2004)
Champions League-Saison 2003/04: Viertelfinale (2:4-Gesamtniederlage gegen Porto)
Lyons 10:2-Gesamtsieg gegen den deutschen Meister Werder Bremen sollte Warnung an all diejenigen sein, die die Truppe von Trainer Paul Le Guen unterschätzt hatten. Lyon hat in der diesjährigen Champions League bereits 27 Treffer erzielt - mehr als jede andere Mannschaft. Sie haben vielleicht nicht die großen Namen in ihren Reihen, doch sie scheinen stärker zu sein, als es Monaco im letzten Jahr war. Lyon, das 2002 zum ersten Mal französischer Meister wurde, steht nun bereits vor seinem vierten Titelgewinn in Folge. Und die Fans glauben sogar daran, dass der Mannschaft im Europapokal der ganz große Wurf gelingen kann.
PSV Eindhoven (NED)
Qualifiziert als: Niederländischer Vizemeister
Eredivisie-Tabellenplatz: Spitzenreiter (24 Spiele/19 Siege/4 Unentschieden/1 Niederlage)
Gruppenphase: Zweiter der Gruppe E (6 Spiele/3 Siege/1 Unentschieden/2 Niederlagen)
Größter Erfolg: Sieger (1988)
Champions League-Saison 2003/04: Gruppenphase
Als der PSV 1988 den Europapokal gewinnen konnte, bestand der Kern der Mannschaft aus Niederländern. Dazu kamen noch einige wenige Ausländer, die zusätzliches offensives Flair und defensive Stärke einbrachten. Vor 17 Jahren kamen diese Ausländer noch aus den europäischen Nachbarstaaten, doch im PSV-Kader 2005 stehen nun Spieler aus Brasilien, der Republik Korea, den USA und Peru. Was die Mannschaft heute mit dem Team von 1988 gemeinsam hat, ist Trainer Guus Hiddink und das Verlangen nach diesem großen Titel. In 24 Eredivisie-Spielen musste die Mannschaft erst eine einzige Niederlage einstecken, und im Achtelfinale setzten sich die Niederländer mit einem Gesamtergebnis von 2:0 gegen den letztjährigen Finalisten Monaco durch. Dabei sollte sich der PSV zusätzliches Selbstvertrauen für weitere Großtaten geholt haben. Doch wenn es nicht in die Runde der letzten Acht reichen sollte, wäre das auch kein Beinbruch.