"Es ist keine Ein-Mann-Show"
Mittwoch, 9. März 2005
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Thierry Henry will mit Arsenal FC trotz der 1:3-Niederlage im Hinspiel den FC Bayern München aus dem Rennen werfen.
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Von Michael Harrold
Arsenal FC-Stürmer Thierry Henry beharrt darauf, dass der englische Meister durchaus noch eine realistische Chance hat, das Viertelfinale der UEFA Champions League zu erreichen. Doch das setzt voraus, dass jeder Spieler im Team der Gunners das Maximum aus sich herausholt, um die 3:1-Führung des FC Bayern München aus dem Hinspiel noch umdrehen zu können.
Wie hoch ist der Druck, der auf Ihnen lastet?
Thierry Henry: Die Leute werden nicht müde, über Thierry Henry zu sprechen, doch es wird nicht Thierry Henry sein, der gegen Bayern München spielt, sondern Arsenal. Das ist keine Ein-Mann-Show…der einzige Spieler, den ich je gesehen habe, der Spiele im Alleingang gewonnen hat, war Diego Maradona. Jeder, der mich kennt, weiß, dass das meine Einstellung auch nach dem Spiel sein wird, selbst wenn ich treffen sollte; ohne meine Mannschaft bin ich gar nichts.
Wird von Ihnen zu viel erwartet?
Henry: Es wird nicht zu viel von mir erwartet, das ist mein Job. Gelegentlich kommt es vor, dass ich ein Spiel drehen kann. Ich war am Erfolg von Arsenal auf europäischer Bühne beteiligt, damals als wir [2002] gegen [AS] Roma spielten. Damals habe ich einen Hattrick erzielt und später zwei weitere Tore geschossen [2004 gegen den FC Internazionale Milano], doch alle spielten hervorragend. Nicht nur ich. Ich hab mir nicht den Ball von meiner Verteidigung geschnappt und bin alleine durchmarschiert. Das machst du vielleicht ein oder zwei Mal im Jahr. Es gefällt mir nicht, die gesamte Aufmerksamkeit nach einem Spiel zu bekommen, auch wenn ich getroffen habe. Ich bin nur da, um die Arbeit meines Teams zum Abschluss zu bringen.
Wie wichtig ist die Rückkehr von Dennis Bergkamp?
Henry: Die Rückkehr von Dennis Bergkamp wird einiges ändern. Durch seine Anwesenheit auf dem Platz spiele auch ich besser. Egal was du tust, es scheint, als entgehe ihm nichts. Er ist das Bindeglied zwischen dem Mittelfeld und den Stürmern. Ich habe mit vielen Spielern zusammengespielt, aber er ist der beste Partner, den ich je hatte.
Wie schätzen Sie die bisherige Saison ein?
Henry: Nach der letztjährigen Saison sieht es so aus, als würde diese Spielzeit für unsere Mannschaft eine sehr große Enttäuschung werden. Jeder wendet sich an die großen Spieler, wenn die Dinge nicht so gut laufen, und das ist auch normal, doch wir alle bei Arsenal tun, was wir können. Wir haben in dieser Saison lange Zeit mit vielen jungen Spielern gespielt. Sie haben ihre Sache wirklich gut gemacht, doch manchmal wurde einfach zu viel von ihnen verlangt…wenn wir nach dem Spiel gegen Bayern nicht als Sieger vom Platz gehen, könnt ihr es mir ankreiden. Ich kann damit umgehen.
Muss man die Saison bei Arsenal bereits abhaken?
Henry: Ich weiß, dass die Kritik an mir hängen bleibt, wenn ich gegen Bayern nicht treffe oder eine überragende Vorstellung abgebe. Doch das bin ich gewohnt. So war das schon, als ich noch jung war. Schon im Alter von elf oder zwölf Jahren sagte mein Vater zu mir, wenn ich Tore geschossen hatte: "Warum hast du nicht alles gegeben?" Und wenn ich alles gegeben habe, sagte er: "Du hast nicht oft genug getroffen." Und wenn beides der Fall war, meinte er: "Du hättest den Ball abspielen sollen." Und so weiter. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich niemals wirklich zufrieden mit mir bin.
Was erwarten Sie von sich selbst?
Henry: Ich denke, es ist unübersehbar, wenn ich richtig aufgebracht bin. So bin ich nun mal. Alles, was ich mache, muss auch gut gemacht werden. Wenn ich mich über jemand anderen aufrege, dann meistens, weil ich mich über mich selbst aufrege. Ich würde nicht sagen, dass ich ein Perfektionist bin. Ich versuche, ein Perfektionist zu sein, man kann sich immer noch weiter verbessern. Niemand kann je der Beste sein. Für mich ist "der Beste" schwer zu definieren. Man kann immer versuchen, diesen Standard zu erreichen, doch das ist nahezu unmöglich.