Irureta kann Geschichte schreiben
Dienstag, 4. Mai 2004
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Javier Irureta ist für den größten Abend in der Geschichte des RC Deportivo La Coruña bereit.
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Von Andy Hall
Nach einem 2:0-Sieg über Real Madrid CF am Wochenende ist Trainer Javier Irureta vom RC Deportivo La Coruña für den wohl wichtigsten Abend seiner Laufbahn bereit - für das Halbfinalrückspiel der UEFA Champions League gegen den FC Porto.
Historischer Abend
Nach einem torlosen Remis im Hinspiel in Portugal ist das Rennen völlig offen. Deportivo, das zum sechsten Mal in Folge in der Champions League dabei ist, hat die Chance, mit einem Sieg im Riazor-Stadion zum ersten Mal das Endspiel zu erreichen. Irureta spricht vom "bedeutendsten Abend der Vereinsgeschichte".
"Offenes Spiel"
Der in Spanien als gerissener Fuchs geltende Irureta erwartet in Galicien eine höchst spannende Partie, in der beide Mannschaften volles Risiko gehen werden. "Ich denke, wir werden ein offeneres Spiel sehen", sagte er gegenüber uefa.com. "Wir werden mehr Risikobereitschaft sehen - deutlich mehr als im Hinspiel - und die Taktik wird auch eine Rolle spielen."
Unter Druck
Deportivo hat nach einer 1:4-Niederlage im Viertelfinalhinspiel mit einem sensationellen 4:0-Sieg über den AC Milan im Rückspiel das Halbfinale erreicht. Die große Heimstärke der Mannschaft ist kein Geheimnis. Doch obwohl dies vielleicht für die Spanier spricht, weiß Irureta, dass seine Mannschaft alles verlieren kann.
"Risikoreiches Spiel"
"Es wird ein risikoreiches Spiel", sagte der 56-Jährige. "Anders als gegen Milan. Gegen Milan hatten wir nur ein Ziel - Tore schießen, da alles gegen uns sprach. Doch dieses Mal ist nach dem 0:0 aus dem Hinspiel das Rennen für beide Mannschaften absolut offen."
Viel Selbstvertrauen
Doch während ihnen die Taktik, die sie gegen Milan gespielt haben, am Mittwoch gegen Porto weniger nützen wird, können sie von dem Selbstvertrauen zehren, das sie durch diesen unglaublichen Erfolg gewonnen haben.
"Enormer Auftrieb"
"Wenn man bedenkt, wie stark italienische Mannschaften schon immer gewesen sind, gibt uns dieser Sieg enormen Auftrieb", erklärte der Trainer. "Letzte Saison hatte man den Eindruck, dass der italienische Fußball eine Wiedergeburt erlebt. In diesem Jahr hat der spanische Fußball allerdings nachgezogen und wieder eine Vorreiterstellung eingenommen."
Rotationsprinzip
Nach dem Ausscheiden von Madrid im Viertelfinale gegen den AS Monaco FC haben viele die Taktik von Carlos Queiroz kritisiert, der so oft wie möglich seine beste Elf aufstellte. Dagegen führt man Deportivos Erfolg auf Iruretas Rotationsprinzip zurück.
Gleichheit
"Meiner Meinung nach ist Rotation im heutigen Fußball wichtig", sagte er. "Mag sein, dass ein Spieler besser ist als ein anderer, doch wenn er müde ist, kann er nicht sein Bestes geben. Bei uns gibt es keine Stamm- und Ersatzspieler. Jeder, der auf den Platz kommt, ist ein Depor-Spieler."
Heimvorteil
Diese Politik hat im Riazor für hervorragenden Mannschaftsgeist gesorgt. Die Spanier werden allerdings mehr als das bieten müssen, um José Mourinhos Mannschaft zu besiegen. Diese hatte nach der 0:1-Liganiederlage am Freitag gegen Rio Ave FC einen zusätzlichen Tag, um sich zu erholen. Irureta glaubt aber nicht, dass dies eine entscheidende Rolle spielen wird. "Ich denke, Porto wird etwas erholter sein - wir spielen aber im Riazor", sagte er.
Iruretas Versprechen
Sollte Deportivo den Pokal der europäischen Meistervereine gewinnen, will Irureta den 80 Kilometer langen Pilgerweg zwischen La Coruña und Santiago de Compostela auf den Knien zurücklegen. Ein guter Freund hat ihm kürzlich zwei blaue Knieschoner geschenkt. Und es könnte sehr gut passieren, dass er diese brauchen wird.