Erfolgreiche Jungtrainer
Mittwoch, 19. Mai 2004
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Die in dieser Saison in den UEFA-Wettbewerben erfolgreichen Teams haben junge Trainer.
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Von Simon Hart
Die beiden Mannschaften aus Frankreich und Portugal, die nächste Woche im UEFA Champions League-Finale stehen, sind beide bisher noch nie ins Endspiel gekommen. Auch für die Trainer des AS Monaco FC und des FC Porto ist es das erste Mal.
Junge Trainer
Didier Deschamps gewann die Champions League zwei Mal als Spieler. Nun könnte der 35-Jährige den Titel auch als Trainer holen. Sein Gegner in Gelsenkirchen ist der 41-jährige José Mourinho. Valencia CF schaffte unter dem 44-jährigen Trainer Rafael Benítez den Einzug ins UEFA-Pokal-Finale, Olympique de Marseille unter dem 12 Monate jüngeren José Anigo.
Enttäuschende Saison
Während die jungen Wilden Erfolge feiern, war diese Saison für die drei europäischen Trainerroutiniers Marcello Lippi, Ottmar Hitzfeld und Alex Ferguson weniger erfreulich. Der 56-jährige Lippi und Hitzfeld (55), die in den letzten zehn Jahren zahlreiche Titel gewannen, gingen diese Saison leer aus und sind nächste Saison nicht mehr Trainer bei Juventus bzw. beim FC Bayern München. Sir Alex konnte mit Manchester United FC zwar den FA Cup gewinnen, trotzdem war es eine enttäuschende Saison in Old Trafford.
Neuer Trend
Es stellt sich die Frage, ob wir Zeuge eines neuen Trends werden. Der Belgier Raymond Goethals mag zwar 71 Jahre alt gewesen sein, als er mit Marseille 1992/93 die Champions League gewann, aber das Durchschnittsalter der Trainer, die bislang in der Champions League triumphierten, liegt bei 51. Ferguson hat zwar die Absicht, "vorauszuplanen und eine Mannschaft aufzubauen, die für ein paar Jahre bestehen bleibt", aber er wird dieses Jahr 63. Lippi hat dem Fußball den Rücken komplett gekehrt und wird nicht mehr als Trainer tätig sein. Hitzfeld plant erst einmal ein fußballfreies Jahr.
Frage der Einstellung
In Augen des technischen Direktors der UEFA, Andy Roxburgh, ist es eher eine Frage der Einstellung als die des Alters. Erinnern wir uns zum Beispiel an den Trainer von Arsenal FC, der 54 Jahre alt und so erfolgreich wie nie ist. "Ich finde, die wirkliche Crème de la Crème, egal ob jung oder alt, ist aufgeschlossen und sucht immer nach einem neuen Weg zur Verbesserung," sagte Roxburgh gegenüber uefa.com. "Wenn man das verliert, hat man verloren. Egal wie alt man ist."
Erfahrung ist wichtig
Die Jungen haben nicht alle Karten in der Hand, fügte Roxburgh an. Die älteren Trainer haben "mehr Erfahrung - sie kennen alle Spielzüge und Details. Die Frage ist nur, ob sie noch genügend Enthusiasmus mitbringen. [Sir] Alex Ferguson hat ihn noch,und [Sir] Bobby Robson ist das beste Beispiel für jemanden, der seinen Enthusiasmus niemals verloren hat. Gefahren gibt es natürlich auf beiden Seiten. Die Gefahr bei einem jungen Trainer ist, dass er zu schnell zu viel Selbstbewusstsein bekommt. Bei einem älteren Coach kann Selbstzufriedenheit zum Problem werden."
Rat bei den Älteren
Was junge Trainer wie Deschamps und Mourinho mitbringen, räumt Roxburgh ein, ist ein "Hauch von Abenteuer und frische Energie, die wichtig ist". Deschamps und Mourinho mögen zwar jung sein, aber sie waren beide darauf aus, von erfahrenen Kollegen zu lernen. "Mourinho arbeitete mit Bobby Robson und Louis van Gaal. Beide hatten großen Einfluss auf ihn. Er ist ein sehr zielstrebiger junger Mann und lernt schnell. Deschamps machte seinen Trainerschein in Frankreich, und man sagt, dass er schnell lernt."
Schnell berühmt
Die Aufgabe der beiden ist es nun, ihren Erfolg aufrecht zu erhalten. "Man muss zusehen, dass man sich auf Dauer etabliert", meinte Roxburgh. "Sonst taucht man auf, strahlt hell und verschwindet dann wieder." Der Verlauf dieser Saison lässt anderes vermuten.