Mauro Silva träumt vom Titel
Dienstag, 20. April 2004
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Mauro Silva träumt davon, mit RC Deportivo La Coruña das Unmögliche möglich zu machen.
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Von Jim Wirth
In seinem Alter haben viele Feldspieler ihre Fußballschuhe bereits an den Nagel gehängt. Nicht aber Mauro Silva. Der Verteidiger des RC Deportivo La Coruña hat seinen 36. Geburtstag damit gefeiert, dass er seinen Vertrag bei dem spanischen Klub um ein Jahr verlängert hat. Und nun trennen ihn nur noch zwei Spiele von seinem ersten UEFA Champions League-Endspiel.
Unerwarteter Sieg
Der Brasilianer, der seit 1992 für Deportivo spielt, ist in UEFA-Wettbewerben ein alter Hase. Und während fast ganz Europa den deutlichen Sieg der Spanier über den AC Milan im Riazor, der ihnen den Weg ins Halbfinale gegen den FC Porto ebnete, nicht fassen konnte, war Mauro Silva keineswegs überrascht.
"Wir haben daran geglaubt"
"Niemand hat erwartet, dass wir gewinnen", sagte er über Deportivos Aufholjagd nach der 1:4-Niederlage aus dem Hinspiel, die sie noch in einen 5:4-Gesamtsieg umwandeln konnten. "Niemand hat erwartet, dass wir das tun, was wir getan haben. Wir haben aber daran geglaubt, und für uns selber war klar, dass wir es schaffen können - dass wir die vier Tore machen können, um sie aus dem Rennen zu werfen."
In die Annalen eingegangen
Das Viertelfinalrückspiel im Riazor ist bereits in die Annalen eingegangen. In der Begegnung hat Deportivo einen AC Milan überrollt, der schon als sicherer Kandidat auf die erfolgreiche Titelverteidigung galt. Doch das Schicksal wendete sich. "Es war wichtig, dass wir den ersten Treffer bereits nach fünf Minuten gemacht haben", erklärte Mauro Silva. "Das hat sie wirklich geschockt. Beim Stand von 1:0 haben wir weitergespielt und versucht, weitere Tore zu erzielen. Und das taten wir. Sie hatten keine Antwort parat. Es war zu schwer für sie."
Selbstvertrauen getankt
Zweifellos hat Deportivo durch das Ergebnis vor dem Auswärtsspiel gegen den UEFA-Pokal-Sieger von 2002/03 viel Selbstvertrauen getankt. Mauro Silva hebt aber nach dem Erfolg gegen Milan keineswegs ab. Er stellt sich auf einen schwierigen Abend im Dragão-Stadion ein.
Respekt vor Porto
"Vor einer Mannschaft, die letzte Saison den UEFA-Pokal gewonnen hat, muss man Respekt haben", sagte er. "Wir müssen äußerst vorsichtig sein. Wir müssen nach Porto fahren und versuchen, Tore zu schießen, wie wir es im San Siro gemacht haben. Auswärts zu treffen war für uns in dieser Saison der Schlüssel zum Erfolg."
Bedrohliche Aussichten
Sollten sie ihr Ziel erreichen, kann sich Porto beim Rückspiel im Riazor auf eine mehr als schwere Aufgabe freuen. Und Mauro Silva - der 1994 mit Brasilien die FIFA-Weltmeisterschaft gewann - wird mit Deportivo auf dem Weg zum größten Triumph nach 1999/00 sein, als sie spanischer Meister wurden.
Stolze Leistung
"Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben", sagte er. "Ich bin seit über zehn Jahren hier und denke daran, wie weit wir gekommen sind, nachdem Deportivo zuvor 18 Jahre lang nicht den Sprung aus der zweiten Liga geschafft hat. Nachdem wir aufgestiegen sind, waren wir gleich wieder kurz vor dem Abstieg. Und jetzt gehören wir zu den vier besten Mannschaften in Europa."
Größter Triumph
Zweifelsohne steht die Mannschaft von Trainer Javier Irureta vor ihrem größten Erfolg auf europäischer Bühne. Und nachdem Mauro Silva wohl seine letzte Saison spielt, hofft er, seine lange Zeit bei Deportivo mit dem größten Triumph seiner Vereinskarriere zu beenden.
Einmalige Chance
"Es wäre fantastisch, den Titel zu holen", sagte er. "Diesen Wettbewerb mit einer Mannschaft wie Deportivo zu gewinnen wäre mehr wert, als den Pokal mit Real Madrid [CF], Manchester United [FC] oder Milan zu holen - es wäre mit meinem Deportivo. Und für La Coruna, mit seinen nur 200.000 Einwohnern, wäre es ein außergewöhnliches Erlebnis."