Le Guen appelliert an Lyons Charakter
Mittwoch, 7. April 2004
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Olympique Lyonnais-Trainer Paul Le Guen glaubt, dass seine Mannschaft gegen den FC Porto eine gute Chance hat.
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Von Pete Sanderson aus Lyon
Olympique Lyonnais-Trainer Paul Le Guen hat an seine Spieler appelliert, gegen den FC Porto im Viertelfinalrückspiel der UEFA Champions League am Mittwoch im Stade Gerland Charakter zu zeigen.
Lektion aus dem Hinspiel
Nach Toren von Deco und Ricardo Carvalho muss die junge Truppe von Le Guen eine 0:2-Niederlage wettmachen, die sie vor zwei Wochen im Estádio do Dragão erlitten haben, wenn sie ihren Traum vom Halbfinale - in dem sie entweder auf den AC Milan oder RC Deportivo La Coruña treffen würden - weiterleben wollen.
Beeindruckendes Comeback
Seit Beginn der Champions League im Jahr 1992 konnten allerdings bislang erstaunlicherweise nur zwei Mannschaften einen Zwei-Tore-Rückstand aufholen. In der Saison 1999/2000 kämpfte sich der FC Barcelona nach einem 1:3 im Hinspiel bei Chelsea FC wieder zurück und gewann mit 6:4 in Addition und gestern schaffte AS Monaco FC es gegen Real Madrid CF, das 2:4 aus dem Hinspiel noch zu drehen. Le Guen jedenfalls lässt sich nicht ins Bockshorn jagen. Er ist überzeugt, dass seine Mannschaft das Potenzial, die Qualität und die mentale Stärke hat, den UEFA-Pokal-Sieger aus dem Turnier zu werfen.
Heimvorteil
"Die Chance, dass wir weiterkommen, ist nach wie vor groß", sagte Le Guen. "In Portugal haben mich sowohl unser Spiel als auch das Ergebnis enttäuscht. Ihre Spieler haben die Chancen viel besser genutzt und ihren Heimvorteil ausgespielt. Doch jeder, der Lyon regelmäßig spielen sieht, weiß, dass im Gerland alles möglich ist, wenn wir gut spielen und die Zuschauer hinter uns stehen."
Samba im Spiel
Der französische Meister hat gute Erfahrung mit Aufholjagden. Vor zwei Jahren machten sie im UEFA-Pokal-Drittrundenrückspiel gegen Club Brugge KV einen 1:4-Rückstand wett und kamen weiter. Dabei schaffte Sonny Anderson einen denkwürdigen Hattrick. Der brasilianische Stürmer hat längst einen neuen Arbeitgeber, doch für den nötigen Schuss Samba im Gerland sorgen nun seine Landsleute Giovane Elber, Edmílson und Spielmacher Juninho Pernambucano, der laut Le Guen in Europas Königsklasse bislang alle Erwartungen übertroffen hat.
Lange Saison
"In dieser Saison hat Juninho unsere Erwartungen mehr als erfüllt", erklärte Le Guen. "Er hat mit einigen wichtigen Toren dazu beigetragen, dass wir es so weit geschafft haben, auch wenn die Saison für ihn sehr lang war. In der letzten Woche flog er nach Brasilien und wieder zurück. Wir können deshalb nicht erwarten, dass er gegen Porto den Alleinunterhalter spielt. Wir haben aber genug Spieler in der Mannschaft, die eine Partie entscheiden können."
Verletzungssorgen
Juninho hat sich nun vollständig von einer Ohrenentzündung erholt und wird in der Startelf auflaufen. Der französische Nationalstürmer Sidney Govou fehlt jedoch aufgrund einer Achillessehnenverletzung und Claudio Caçapa sowie Eric Carrière fallen beide mit Knie- bzw. Knöchelverletzungen aus. Christophe Delmotte, der lange Zeit verletzt war, wird wahrscheinlich auf der Bank Platz nehmen.
Zwei Rückkehrer
Aber auch das Wartezimmer von Portos Mannschaftsarzt hat sich deutlich geleert. So darf sich Trainer José Mourinho über die Rückkehr von Benni McCarthy und Maniche freuen. Mourinho ist zuversichtlich, dass seine Mannschaft den Einzug ins Halbfinale schafft. "Das Hinspiel verlief optimal", sagte er.
Keine Selbstgefälligkeit
"Ich bin sicher, dass wir vorne bleiben", so Mourinho weiter. "Lyon muss mindestens zwei Tore erzielen und darf dabei kein Gegentor kassieren. Das wird allerdings schwierig, denn genau das haben wir vor. Wenn wir treffen, brauchen sie schon vier Tore. Wir dürfen aber nicht zu selbstgefällig sein, denn in der Geschichte des Fußballs gab es schon viele unerwartete Aufholjagden."
Endspiel winkt
Für die jungen Trainer Mourinho und Le Guen ist das Viertelfinale die perfekte Chance, sich weiter zu profilieren. Die andere Mittwochspartie zwischen AC Milan und Deportivo scheint so gut wie entschieden, und so werden alle Augen auf das Stade Gerland gerichtet sein, wo sich entscheidet, welche der beiden Mannschaften dem Endspiel einen Schritt näher kommt.