Steinhaus freut sich auf Finale in Cardiff

Bibiana Steinhaus, die am Donnerstag das Finale der UEFA Women's Champions League pfeift, sagt, dass sie trotz der großen Spiele, die sie geleitet hat, noch nie eine solche Aufregung wie jetzt gespürt habe.

Bibiana Steinhaus leitet in Cardiff das Finale der UEFA Women's Champions League
Bibiana Steinhaus leitet in Cardiff das Finale der UEFA Women's Champions League ©AFP

Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus weiß schon jetzt, wie sie sich fühlen wird, wenn sie am Donnerstag vor dem Finale der UEFA Women’s Champions League zwischen Lyon und Paris Saint-German im Cardiff City Stadium Aufstellung nimmt.

"Ich werde wahrscheinlich Gänsehaut haben", sagt die 38-jährige Polizistin aus dem niedersächsischen Bad Lauterberg.

"Es ist vermutlich der Moment, den ich am meisten genießen werde ... das Gefühl, hier zu sein, gemeinsam mit meinem Team für dieses Spiel ausgewählt worden zu sein", sagt sie und fährt fort. "Ich bin sehr dankbar, dass ich hier bin, und dass mir die Leute genug Vertrauen schenken, mich hierher zu schicken."

Obwohl sie schon die größten Spiele gepfiffen hat, die es im Frauenfußball gibt - zum Beispiel das Finale der FIFA-WM 2011 in Deutschland oder das Endspiel bei den Olympischen Spielen 2012 in London -, bestätigt Steinhaus, dass das Gefühl der Aufregung mit jeder neuen Berufung immer wieder da ist.

"Das ist eine große Ehre, gefragt zu werden, ob ich das Spiel in Cardiff leiten will, und Teil der Women’s Champions League zu sein, die ein wunderbarer Wettbewerb ist."

Steinhaus wird beim Finale assistiert von Katrin Rafalski und Christina Biehl, vierte Offizielle ist Riem Hussein - sie alle kommen aus Deutschland. Reserveschiedsrichterin ist Sian Massey (England).

Steinhaus sieht das rein französische Endspiel in Wales als ideale Gelegenheit, den massiven Aufschwung zu unterstreichen, den der Frauenfußball - und damit auch das Frauenschiedsrichterwesen - in den letzten Jahren genommen hat.

"Tempo und Dynamik des Frauenfußballs haben sich sicherlich entwickelt", sagt Steinhaus. "Die Spielerinnen sind nun Athletinnen, und die Schiedsrichterinnen haben das gleiche Tempo angenommen. Bei diesem Finale und bei der anstehenden Frauen-EURO werden wir die Chancen haben zu sehen, wie groß der gemachte Fortschritt ist."

"Die UEFA unterstützt den Frauenfußball und das Frauenschiedsrichterwesen sehr. Und das war ein großer Faktor dabei."

Erst vor wenigen Wochen hat Steinhaus eine weitere erfreuliche Nachricht erhalten. In der kommenden Saison wird sie die erste Frau sein, die auch Spiele der Herrenbundesliga pfeift. Eine Belohnung für die bislang gezeigten Qualitäten auf dem Platz und für die harte Arbeit, die sie in den vergangenen Jahren auf diesem Gebiet geleistet hat."

"Ich wurde Schiedsrichterin, weil ich keine sehr gute Spielerin war", erinnert sie sich. "Und die Schiedsrichterei ist nun in meinem Blut. Ich genieße einfach nur, was ich tue, von Spiel zu Spiel."

Steinhaus weiß, dass ein wesentlicher Fakt im Fußball der Respekt ist. Der Respekt zwischen Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und jedem, der in den Fußball involviert ist. Wir alle tragen die Respect-Aufnäher an unseren Trikots, aber wir müssen Respekt als echten Lebenswert betrachten. Wir alle sehen auf das gleiche Produkt, auf den Fußball, und wir müssen zusammenkommen und das Produkt verkaufen, weil es der Welt verkauft werden sollte."

Das Schiedsrichterinnengespann in Cardiff wird konzentriert und vereint auf den Platz gehen. Alle Offiziellen werden die wesentlichen Führungsqualitäten zeigen, die ein Unparteiischer braucht, um Erfolg zu haben.

"Ich glaube ganz fest daran, dass der Umgang mit Menschen der Schlüssel für die Schiedsrichter ist", sagte Steinhaus. "Es ist wie im Leben. Wie man auf Menschen reagiert und wie sie auf dich reagieren. Ein Schiedsrichter ist ein Entscheidungsträger auf dem Feld. Die Hälfte der Spieler stimmt mit deinen Entscheidungen überein, die andere Hälfte nicht. Das ist die Aufgabe eines Entscheidungsträgers. Im Leben und auf dem Platz."

"Ich frage mich immer selbst: 'Habe ich den bestmöglichen Job gemacht. Habe ich mich richtig vorbereitet. Habe ich alles getan, um die richtigen Entscheidungen zu treffen?' Wenn ich sagen kann, dass ich all diese Dinge getan habe, dann fühle ich mich wohl."

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