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Futsal bei der UEFA: eine Übersicht

In den letzten drei Jahrzehnten hat die Hallensportart in Europa eine rasante Entwicklung hinter sich.

UEFA via Getty Images

In den letzten drei Jahrzehnten hat die Hallensportart in Europa eine rasante Entwicklung hinter sich.

Die UEFA Futsal EURO 2022 wird die bisher größte Ausgabe des Wettbewerbs sein. Sie umfasst erstmals 16 Teilnehmer und ist die erste, bei der sich 50 der 55 UEFA-Mitgliedsverbände anmelden, mit einer neuen Gruppenphase im Qualifikationswettbewerb (Hin- und Rückspiel).

Die kommende Endrunde ist ein Meilenstein für den europäischen Futsal, dessen Popularität nicht über Nacht entstanden ist.

Portugal wurde 2018 in Slowenien zum ersten Mal Futsal-Europameister.
Portugal wurde 2018 in Slowenien zum ersten Mal Futsal-Europameister.UEFA via Sportsfile

Die Ursprünge des Futsals lassen sich bis ins Jahr 1930 zurückverfolgen, als der uruguayische Lehrer Juan Carlos Ceriani als Reaktion auf die während der Regenzeit anhaltenden Überschwemmungen der Außenplätze, die seine Schüler wochenlang vom Fußballspielen abhielten, eine Alternativlösung ersann.

Futsal war aber keineswegs ein einfacher Hallenableger des Fußballs, sondern wurde als völlig neue Sportart konzipiert, die vom Basketball (Anzahl Spieler), Handball (Spielfeld), Wasserball (Rolle des Schiedsrichters) und natürlich dem Fußball inspiriert war.

Das Spiel verbreitete sich rasch in ganz Südamerika, nicht jedoch in Europa – in der Sowjetunion wurde in den 1950er-Jahren eine Variante des Indoor-Kleinfeldfußballs populär, doch in Westeuropa tauchte der Futsal erst in den 1970er-Jahren dank südamerikanischer Einwanderer in Portugal und Spanien auf.

Futsal EURO: Schöne Endspieltore

1974 setzte das UEFA-Exekutivkomitee eine Kommission für Hallen- und Frauenfußball ein, um den Sport zu standardisieren, der sowohl in Fünfer- als auch in Achterteams und mit unterschiedlichen Spielfeldgrößen, Balltypen sowie Regeln hinsichtlich der Verwendung von Banden betrieben wurde. Das Bestreben der UEFA blieb zunächst erfolglos, weshalb die Kommission 1978 aufgelöst wurde – eine Sportart, für die es nur in fünf europäischen Ländern nationale Wettbewerbe gab, hatte damals schlicht keine Priorität.

1989 organisierte die FIFA in den Niederlanden ihre erste Futsal-Weltmeisterschaft, und für die Ausgabe 1992 übernahm die UEFA die Ausrichtung des europäischen Qualifikationswettbewerbs, wobei in Spanien und Italien je ein Miniturnier mit fünf Mannschaften organisiert wurde.

2019 gewann Spanien die erste UEFA Women’s Futsal EURO.
2019 gewann Spanien die erste UEFA Women’s Futsal EURO.

1993 organisierten erst 13 UEFA-Mitgliedsverbände nationale Futsal-Meisterschaften, und auf Anregung des spanischen Verbandspräsidenten Ángel María Villar Llona, der auch dem UEFA-Exekutivkomitee angehörte, wurde eine Umfrage unter allen Verbänden durchgeführt, um sich ein Bild über die Situation des Futsals in Europa machen zu können.

Im Herbst 1995 organisierte die UEFA den europäischen Qualifikationswettbewerb zur Futsal-WM 1996 sowie ein Einladungsturnier für die besten Futsal-Nationen Europas im spanischen Córdoba. Aus diesem Turnier ging anschließend die Futsal-Europameisterschaft hervor, deren Endrunde heute unter dem Namen UEFA Futsal EURO bekannt ist.

Damals und heute: Das Wachstum des Futsals in Europa

Russland und Spanien, die Finalisten beim ersten UEFA-Futsal-Turnier im Januar 1996.
Russland und Spanien, die Finalisten beim ersten UEFA-Futsal-Turnier im Januar 1996.

1996-2009: Die Anfänge

1996 Im Januar findet in Córdoba das erste UEFA-Futsal-Turnier mit sechs der besten europäischen Nationen statt. Sie sind aus drei Qualifikationsgruppen mit insgesamt 17 Mannschaften hervorgegangen; im ersten Qualifikationsspiel am 23. Oktober 1995 bezwingt die Ukraine Jugoslawien mit 9:5. Belgien, die Niederlande, Russland, Italien und die Ukraine qualifizieren sich neben Ausrichter Spanien, der das Endspiel gegen Russland mit 5:3 für sich entscheidet. Das Turnier gilt als Erfolg, weshalb das UEFA-Exekutivkomitee 1997 beschließt, eine offizielle UEFA-Futsal-Europameisterschaft einzuführen, die alle zwei Jahre ausgetragen wird. 1999 Im spanischen Granada findet die Endrunde der ersten offiziellen Futsal-EM statt. Im Finale setzt sich Russland nach einem 3:3-Unentschieden im Sechsmeterschießen gegen Gastgeber Spanien durch. Konstantin Eremenko erzielt elf Tore und hält damit bis heute den Endrundenrekord. 25 Länder nehmen an der Qualifikation für das acht Teams umfassende Turnier teil – die Zahl der Endrundenteilnehmer bleibt bis 2010 bestehen. 2001 Spanien besiegt die Ukraine beim Futsal-EM-Finale im Februar in Moskau mit 2:1. Angesichts der neun inoffiziellen europäischen Klubwettbewerbe auf dem ganzen Kontinent genehmigt das UEFA-Exekutivkomitee den Antrag auf Schaffung eines eigenen Europapokal-Wettbewerbs. Es ist die Geburtsstunde des UEFA-Futsal-Pokals, an dessen erster Ausgabe 2001/02 Vereine aus 27 verschiedenen Nationalverbänden teilnehmen. Der Wettbewerb wird mit einem Finalturnier der acht besten Mannschaften im Februar 2002 in Lissabon abgeschlossen. Der erste Titel geht an Playas de Castellón aus Spanien, das sich im Endspiel gegen Action 21 Charleroi aus Belgien durchsetzt. 2003 Italien begeistert das heimische Publikum in Caserta und wird dank einem 1:0-Sieg gegen die Ukraine Europameister. Das Finale des UEFA-Futsal-Pokals wird fortan in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Castellón verteidigt seinen Titel gegen Charleroi erfolgreich. 2005 29 Länder melden sich zur Qualifikation für die UEFA-Futsal-Europameisterschaft an. Spanien, das 2004 zum zweiten Mal in Folge Futsal-Weltmeister geworden ist, holt sich dank einem 2:1-Sieg über den alten Rivalen Russland die europäische Krone zurück. 2007 Erstmals nehmen 40 Vereine am UEFA-Futsal-Pokal teil, der neu im Rahmen eines Final-Four-Turniers entschieden wird. Inter FS, Dinamo Moskau, Charleroi und Murcia, die alle ein Freilos für die Eliterunde erhalten haben, qualifizieren sich für die Endphase in Murcia. In einem dramatischen Finale besiegt Dinamo Titelverteidiger Inter und holt den Titel erstmals nach Russland. Im Rahmen der Europameisterschaft qualifiziert sich Rumänien, das den Futsal erst 2003 eingeführt hat, überraschend für die Endrunde. Die nervenstarken Spanier verteidigen in Portugal ihren Titel – mit einer TV-Gesamtzuschauerzahl von 11,7 Mio., davon 4,4 Mio. im Ausrichterland, wird eine neue Bestmarke erreicht. Dies führt zu einem Anstieg der Marketing- und kommerziellen Einnahmen im Hinblick auf künftige EM-Endrunden. 2008 In St. Petersburg findet ein UEFA-U21-Futsal-Turnier mit acht Mannschaften statt, das Gastgeber Russland gewinnt.

Futsal EURO: Torhüter als Torschützen

2010-2016: Die Gunst der Stunde nutzen

2010 Die Futsal-EM-Endrunde findet fortan im Januar/Februar in geraden Jahren statt, wo ein Platz im UEFA-Spielkalender frei ist. Zudem wird das Turnier auf zwölf Teams ausgeweitet und zum ersten Mal in zwei verschiedenen Städten ausgetragen. Die ungarischen Städte Budapest und Debrecen fungieren als Gastgeber und das neue mattschwarze Spielfeld kommt beim Publikum gut an. Unverändert bleibt die Dominanz Spaniens, das sich im Endspiel gegen ein aufstrebendes Portugal mit 4:2 durchsetzt. 38 Länder nehmen an der Qualifikation teil, was das Wachstum des Futsals in Europa zeigt; Aserbaidschan und Belarus qualifizieren sich für ihre erste UEFA-Endrunde überhaupt. 2012 Gastgeber Kroatien stößt bei seiner ersten Endrundenteilnahme seit 2001 bis ins Halbfinale vor und sorgt gleich dreimal für einen neuen Zuschauerrekord – zuletzt beim Halbfinale gegen Russland in Zagreb vor 14 300 Fans. Spanien steht im Endspiel gegen Russland 34 Sekunden vor einer Niederlage, dreht die Partie aber noch und wird zum vierten Mal in Folge Europameister. Die Teilnehmerzahl steigt auf 43 Länder. 2014 Italien stoppt die spanische Titelserie und wird dank einem Endspielsieg über Russland in Antwerpen zum zweiten Mal Europameister. 2016 Bei der Futsal-EM in Serbien wird mit 129 Treffern ein neuer Rekord aufgestellt – zehn davon fallen im Finale, bei dem sich Spanien dank einem 7:3-Sieg gegen Russland den Titel zurückholt. Fünf der zehn Spieltage mit je zwei Partien sind ausverkauft mit einer Gesamtzuschauerzahl von 113 820. UEFA-Endrundenneuling Kasachstan gewinnt überraschend die Bronzemedaille. 46 Mannschaften bestreiten die Qualifikation, während der UEFA-Futsal-Pokal zum ersten Mal 50 Teilnehmer zählt.

 

Höhepunkte der Futsal EURO 2018

 

Ab 2017: geschärfter Fokus

2017 Am 4. April beschließt das UEFA-Exekutivkomitee eine Reihe von Neuerungen, welche die Futsal-Landschaft in Europa grundlegend prägen werden – darunter die Einführung einer Frauen-Futsal-Europameisterschaft und die Umgestaltung des Futsal-Pokals in die UEFA Futsal Champions League ab der Saison 2018/19. Zu jenem Zeitpunkt verfügen nur sieben Nationalverbände über eine Frauen-Futsal-Nationalmannschaft; 30 Länder zählen keine registrierten Futsal-Spielerinnen, beginnen nun aber mit der entsprechenden Entwicklungsarbeit. Es wird auch eine U19-Futsal-Europameisterschaft eingeführt, die alle zwei Jahre ausgetragen und deren Endrunde acht Teams umfassen wird. Infolgedessen wird die UEFA Futsal EURO fortan im Vierjahreszyklus ausgetragen. 2018 Portugal wird schließlich Europameister – angeführt von Superstar Ricardinho, der bei seiner fünften Futsal-EM-Endrunde sieben Treffer erzielt und seinen ewigen Torrekord auf 22 hochschraubt. Nach dem 3:2-Finalsieg nach Verlängerung über Spanien in Ljubljana wird Ricardinho als Spieler des Turniers ausgezeichnet. 2019 Der erste Titel in der UEFA Futsal Champions League geht ebenfalls nach Portugal: Nach mehreren Finalniederlagen darf Sporting Lissabon dank einem Sieg gegen Gastgeber Kairat Almaty endlich jubeln. Bei der ersten Women’s Futsal EURO in Gondomar hat Ausrichter Portugal hingegen das Nachsehen: Die Gastgeberinnen verlieren das Endspiel gegen Spanien, Russland sichert sich im kleinen Finale gegen die Ukraine die Bronzemedaille. 23 Nationalverbände hatten sich zum Wettbewerb angemeldet. Im September wird Spanien dank einem 6:1-Sieg im Finale gegen Kroatien in Riga erster U19-Futsal-Europameister. 2020 Mit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie müssen Futsal-Wettbewerbe unterbrochen und verschoben werden. Im Juni wird bekanntgegeben, dass die zweite Women’s Futsal EURO um zwölf Monate auf März 2022 verschoben wird – das Turnier findet wieder in Gondomar statt. Trotz der geltenden Einschränkungen zur Verhinderung der Ausbreitung des Virus kann die UEFA die Endphase der Futsal Champions League im Oktober unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Gastgeber Barcelona gewinnt das erste rein spanische Finale gegen Murcia mit 2:1. 2021 Infolge der Pandemie wird das Format der Futsal Champions League 2020/21 angepasst: Die Qualifikation wird mit K.-o.-Duellen in einem Spiel ausgetragen und das Finalturnier im kroatischen Zadar wird auf acht Mannschaften erweitert und findet erneut vor leeren Rängen statt. Im Finale treffen die beiden letzten Sieger aufeinander: Sporting dreht gegen Barça einen 0:2-Pausenrückstand und besiegt den Titelverteidiger schließlich mit 4:3. 2022 Dieses Jahr ist das bis dato größte in der Geschichte des europäischen Futsals. Bei der UEFA Futsal EURO im Januar/Februar 2022 traten erstmals 16 Mannschaften gegeneinander an . Vier von ihnen - Bosnien-Herzegowina, Finnland, Georgien und die Slowakei - waren erstmals bei einer Endrunde dabei. Portugal verteidigte seinen Titel, nachdem das Team im Finale nach einem 0:2-Rückstand letztlich mit 4:2 gegen die russische Auswahl gewann. Die UEFA Women’s Futsal EURO kehrt Anfang Juli nach Gondomar, Portugal, zurück. In der Arena Riga in Lettland spielen in der Endphase der Futsal Champions League 2021/22 Sporting, Barça, Benfica und Tjumen um den Titel. Und auch bei der U19-Futsal-EM rollt in diesem Jahr wieder der Ball: Im September findet im spanischen Jaén die Endrunde statt.