Raphael Wickys größte Herausforderung

Basel geht als krasser Außenseiter ins Duell mit Manchester City. Trainer Raphael Wicky erklärt im Interview mit UEFA.com, wie man die Partie angehen will.

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Wenn man die Favoriten auf den Titel in der UEFA Champions League benennen sollte, fallen einem da gleich mehrere Mannschaften ein. Sucht man jedoch nach dem vermeintlich größten Außenseiter, landet man schnell beim FC Basel. 

Für die Schweizer ist dies eher ein Kompliment. Nach einer tollen Gruppenphase glückte der Einzug ins Achtelfinale und dort wartet nun Manchester City. Vor dem Hinspiel am Dienstag hat sich UEFA.com mit Trainer Raphael Wicky unterhalten.

Als Spieler waren Sie in vier Ländern aktiv, lange auch in Deutschland. Für einen Trainer, der sich in der UEFA Champions League mit den Besten aus ganz Europa misst, ist das doch bestimmt eine gute Schule gewesen?

Ich habe viel gelernt, die unterschiedlichen Kulturen haben mir sehr geholfen. In Deutschland war ich zehn Jahre aktiv, noch dazu in der Medienstadt Hamburg. Da habe ich viel über den Druck gelern, der von außen kommt. Was mir unheimlich hilft, sind die vier verschiedenen Sprachen, die ich gelernt habe. Neben Deutsch kann ich Spanisch, Englisch, Französisch und ein wenig Italienisch. Insgesamt hat die Auslandszeit sehr geholfen, um mich in Situationen hineinzuversetzen, die meine Spieler jetzt haben.  

Wicky bestritt 75 Länderspiele für die Schweiz
Wicky bestritt 75 Länderspiele für die Schweiz©Getty Images

Ihre Spielerkarriere mussten sie vorzeitig aufgrund von Verletzungsproblemen beenden. Sie haben dann viel im Jugendbereich gemacht und dort ihre Trainerkarriere begonnen. Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie sich für diesen Beruf begeistern konnten?

Es hat sehr viel Spaß gemacht. Es hat nicht viel mit der aktiven Karriere zu tun. Ich konnte schnell genau erkennen, was ein junger Spieler tun muss, um in den Profibereich zu kommen. Als Trainer konnte ich natürlich auch sehr viel austesten. Als U16-Trainer fallen Fehler nicht so ins Gewicht. Diese sechs oder sieben Jahre haben extrem Spaß gemacht und mir in der Entwicklung sehr geholfen.   

Stimmt es, dass vor allem die UEFA Youth League Lust auf mehr geweckt hat?

Ja, das war sehr schön und lehrreich, die ganzen Abläufe durchzumachen. Am Wochenende in der Liga und unter der Woche spielst Du in London oder Paris. Da kommt einiges an Reisen und Planungen auf Dich zu. Als Spieler habe ich das erlebt, aber als Trainer ist es nicht das gleiche. Jetzt habe ich das Glück, die Champions-League-Mannschaft trainieren zu können. Die Abläufe sind ähnlich, aber das mediale Interesse und der Druck sind natürlich viel größer.

Am Dienstag in Basel zu Gast: Guardiola, Agüero und Co.
Am Dienstag in Basel zu Gast: Guardiola, Agüero und Co.©Getty Images

Danke für die Überleitung, denn alle fußballbegeisterten Menschen in der Schweiz blicken jetzt gespannt darauf, wie sich Basel im Achtelfinale gegen Manchester City schlagen wird. Als jemand, der sich in den letzten Jahren stark für die Entwicklung des Fußballs interessiert hat, konnten Sie sich doch bestimmt auch etwas von City-Trainer Pep Guardiola abschauen, oder?

Er hat die Transformation des spanischen Fußballs vorangetrieben und damit auch irgendwie ganz Europa geprägt. Das schnelle Umschalten nach Ballverlust, die Domination in Ballbesitz. Natürlich hat man geschaut, wie er damals bei Barcelona gearbeitet hat. Aber man kann niemanden kopieren. Jeder hat andere Gedanken. Aber es ist beeindruckend, wie er seine Philosophie durchzieht. Er ist für mich schon fast ein Trainergenie und Genies kann man nicht kopieren.

Aber Sie müssen sich eine Lösung ausdenken, wie Sie ihn schlagen können…

Das müssen wir, ja. Viele Teams haben es schon probiert, aber haben damit in dieser Saison Probleme. Momentan ist City eines der besten drei Teams in Europa. Wir müssen daran glauben und mit viel Mut spielen. An einem perfekten Tag und mit viel Teamwork kann man einiges erreichen.

Die Champions-League-Saison lief bisher ja richtig gut für Basel. Was macht diese Mannschaft so selbstbewusst?

Wicky:
Wicky:©AFP/Getty Images

Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir wussten ja, wie schwierig es wird. Trotzdem haben wir uns hohe Ziele gesteckt. Wenn man die 16 Mannschaften anschaut, die jetzt noch dabei sind, sieht man plötzlich das Logo vom FC Basel. Das ist eigentlich unglaublich, wenn man auch die finanziellen Unterschiede bedenkt.

Was haben Sie sich für den Abend im St. Jakob Park vorgenommen?

Es wird brutal schwierig. Aber wir haben nichts zu verlieren und wollen mit Freude ins Spiel gehen. Wir wissen, dass sie unglaublich dominant sind. Wir müssen viel arbeiten, viel laufen und auch ein wenig Glück haben. Das wissen wir. Aber die Hauptsache ist, dass wir diesen Abend genießen.  

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