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Faszinierende Unterschiede im Stil

Faszinierende Unterschiede im Stil

Als Schweden sich in der Türkei 2011/12 den Titel sicherte, gab es den Minusrekord von 26 Toren in 15 Spielen, durchschnittlich nur 1,73 pro Spiel. Natürlich spielte in Israel auch die Hitze eine Rolle, doch 39 Tore waren eine Verbesserung um 50 Prozent und bestätigten die zwei vorhergehenden Endrunden auf diesem Level, nämlich 2014 (36 Tore in Norwegen, ein Durschnitt von 2,4 pro Spiel) und 2013 (40 Tore in Wales, ein Durchschnitt von 2,67 pro Spiel).

In den Spielen gab es eine deutliche Betonung der physischen und technischen Qualitäten der Mannschaften
Hope Powell

Der Hauptunterschied bestand nicht darin, wie viele Tore fielen, sondern wie sie fielen: Was waren die Unterschiede zwischen verlorenen und siegreichen Spielen? Wie brachten die Endrundenteilnehmer ihre verschiedenen Stärken auf den Platz?

"In den Spielen gab es eine deutliche Betonung der physischen und technischen Qualitäten der Mannschaften", fand Hope Powell, die Technische Beobachterin der UEFA. "Viele Teams haben sich besonders vorbereitet und einige haben diese phyischen Aspekte auch auf dem Feld umgesetzt. Die Trainer mussten sich dazu einen Überblick verschaffen – und ihre Spezialisten gezielt einsetzen, um den Anforderungen des Spiels gerecht zu werden und um physisch mithalten zu können, während gleichzeitig die Spielerinnen präventiv vor Verletzungen geschützt werden sollten"

Kopfbälle

Bei dieser Endrunde fielen einige wichtige Tore durch Kopfbälle. Rebecca Knaaks kraftvoller Kopfball brachte Deutschland einen letztendlich wichtigen Sieg im Eröffnungsspiel gegen England ein, vorbereitet durch eine Ecke von rechts. Stina Blackstenius zeigte ebenso, dass der Offensiv-Kopfball Teil ihres beeindruckenden Repertoires ist, insbesondere bei Schwedens Endspielsieg gegen Spanien.

Überall auf dem Feld gab es für die UEFA-Beobachter lobenswerte Kopfball-Fähigkeiten zu betrachten.

"Die Qualität der Kopfbälle hat sich im Frauenfußball insgesamt verbessert, das war auch bei diesem Turnier bemerkbar", fügte Hesterine de Reus an. "Die Mädchen üben diese von einem jüngeren Alter an und wir sehen jetzt, dass sie davon profitieren, dass das Kopfballspiel gezielt trainiert wird. Man sieht sie nun bereits ab einem jungen Alter als Athletinnen, das bringt sehr verschiedene Anforderungen mit sich."

MannschaftTorschüsseAufs TorDurchschnittTore
Dänemark 17 4 5.67 2
England 32 12 10.67 2
Frankreich 57 17 14.25 7
Deutschland 60 25 15 6
Israel 8 3 2.67 1
Norwegen 37 23 12.33 2
Spanien 79 33 15.8 9
Schweden 56 22 11.2 10

Kraft sparen

©Getty Images

Norwegen konnte sich seine Kräfte gut einteilen

Sowohl Schweden als auch Norwegen konnten effektiv verteidigen und sparten so in der schwülen Atmosphäre des israelischen Sommers Kraft. Bei seinem Sieg gegen Deutschland in Lod war Norwegen bei deutschem Ballbesitz sehr geduldig und wusste, dass man so gut organisiert war, dass man eine gute Chance hatte, den ersten oder zweiten Ball zu gewinnen. Durch Geduld und das Festhalten am eigenen Plan wurden Deutschlands Optionen eingeschränkt.

Ähnlich effizient zeigte sich Schweden, im Vertrauen darauf, dass Blackstenius im vorderen Drittel des Platzes die sich bietenden Chancen eiskalt nutzen würde. Schwedens Erfolg in der ersten Halbzeit im Endspiel von Netanya hatte viel mit ihrer Möglichkeit zu tun, die zweiten Bälle für sich zu entscheiden, das sahen beide Mitglieder des Technischen Teams so.

Ihre Gegner verfolgten teils andere Ansätze.

"Technisch gesehen waren Spanien, Frankreich und England auf Passspiel aus", erklärte Powell. "Sie konzentrierten sich auf möglichst direkte Pässe und eine besondere Aufmerksamkeit für die freistehende Mitspielerin, was sowohl technische Fähigkeiten als auch Talent erforderte."

Das heißt aber nicht, dass nicht manchmal auch andere Ansätze verfolgt wurden, wenn es notwendig war, um die wünschenswerten Ergebnisse zu erreichen. Selbst die drei von Powell beispielhaft erwähnten Nationen nutzten immer mal wieder den langen Ball, wenn es angebracht war – Spanien insbesondere war aber sehr zögerlich dabei und vertraute generell lieber auf Geduld und Ballbesitz, selbst als man im Finale auf einmal mit zwei Toren im Rückstand lag.

Ergebnisorientierung

©Sportsfile

Deutschland war mit langen Pässen sehr erfolgreich

"Es gab den Trend, die offensiven Außenspielerinnen nach innen zu holen und über die nach vorne stoßenden Außenverteidigerinnen für die nötige Breite im Spiel zu sorgen", sagte De Reus. Manchmal wurden die kompakteren Mannschaften dazu ermutigt, gegen gut organisierte Defensivreihen den langen Ball zu spielen, um schnell in die Lücken zu kommen, und während, wie Powell feststellte, "Deutschland als eines der ersten Teams dies gut ausnutzen konnte", brachte diese Taktik nicht immer den Erfolg.

Die taktische Zweckmäßigkeit bestätigte einmal mehr, dass Resulate zur Entwicklung von Spielerinnen und Mannschaften notwendig sind – dazu gehört auch die Notwendigkeit, den Übergang zwischen den verschiedenen Altersgruppen im internationalen Jugendfußball erfolgreich zu managen.

"Die besten Spielerinnen im internationalen Fußball kommen tendenziell aus diesem Umfeld", schloss Powell. "Die Trainer und Trainerinnen haben die Möglichkeit, ihre Spielerinnen im Wettbewerb mit den besten Gegnern Europas zu schulen und, wenn sie erfolgreich sind, sogar noch bei der FIFA-U20-WM der Frauen. Die Fähigkeiten werden besser, gleichzeitig steigen aber auch die Ansprüche."

NameMannschaftTore
Stina BlacksteniusSchweden6
Marie-Charlotte LégerFrankreich3
Alba RedondoSpanien3
Filippa AngeldalSchweden2
Nicoline SørensenDänemark2
Pilar GarroteSpanien2
Nina EhegötzDeutschland2
Rebecca KnaakDeutschland2
Madeline GierDeutschland1
Noémie CarageFrankreich1
Nathalie BjörnSchweden1
Vilde FjelldalNorwegen1

https://de.uefa.com/womensunder19/season=2015/technical-report/technical-topics/index.html#technische+beobachtungen