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Gesprächsthemen

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Schwedens Aufwärmprogramm vor dem Duell mit Dänemark ©Sportsfile

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Ganzheitlicher Ansatz bei der Turniervorbereitung

Man hat bei der Vorbereitung nicht viel Zeit, aber die Weiterentwicklung der Teams verteilt sich über die ganze Saison
Hesterine de Reus

Das Turnier fand kurz nach der FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft 2015 statt und das Technische Team der UEFA stellte bei der Endrunde in Israel Ähnlichkeiten beim Spielstil zwischen den A-Nationalteams und den Jugendmannschaften fest. Noch bedeutsamer war vielleicht der gestiegene Standard bei den nicht-technischen Aspekten des Spiels. So wurde deutlich, welch Gewichtung die Teams vorab auf körperliche und psychologische Vorbereitung gelegt hatten.

Alle acht Cheftrainer und ihre Trainerstäbe nahmen körperliche Übungen und Konditionstraining in ihr Programm während der Endrunde auf. Das Programm wurde je nach Hintergrund der individuellen Spielerinnen angepasst, um sicherzustellen, dass die Fähigkeiten nahezu optimal auf dem Platz umgesetzt werden können.

"Man hat bei der Vorbereitung nicht viel Zeit, aber die Weiterentwicklung der Teams verteilt sich über die ganze Saison", erklärte UEFAs Technische Beobachterin Hesterine de Reus. "Man hat Spielerinnen mit komplett unterschiedlichen Hintergründen. Einige von ihnen spielen in den großen Ligen, andere werden mit Topklubs in Verbindung gebracht oder sind zuletzt kaum zum Einsatz gekommen. Sie kommen hier an und haben ganz unterschiedliche körperliche Verfassungen. Die Vielfalt in diesem Alter ist enorm, aber alle Länder haben gezeigt, wie wichtig es ist, sich körperlich vorzubereiten."

Das Erarbeiten einer guten Grundlage vor der Endrunde ermöglichte es den Teams nicht nur, in einem Klima mit heißen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit zu spielen. Die Spielerinnen bekamen so auch einen Vorgeschmack auf das, was sie bei einem möglichen Sprung in die A-Nationalmannschaft erwartet - und genau dies ist eines der Ziele der Jugendwettbewerbe.

Deutschlands Trainerin Maren Meinert legt Wert auf Spielerinnen, die neben technischen Fähigkeiten auch mit Schnelligkeit und Ausdauer glänzen können. Wenn Norwegens Verantwortliche die Spielerinnen bei den Klubs besuchten, war auch immer ein Fitnesstrainer dabei. Dänemark analysierte jede Woche Daten der Spielerinnen.

Aus Sicht der Ausdauer hatte das Engagement zugunsten von körperlicher Entwicklung bereits einen Effekt. Erstmals seit 2010 gab es bei der U19-Endrunde der Frauen mehr Tore in der ersten Halbzeit (24) als im zweiten Durchgang (15). Wenn man diese Informationen kontextualisiert und die immer schmaler werdende Lücke zwischen Elite- und Entwicklungsteams berücksichtigt, erkennt man den signifikanten Einfluss des körperlichen Niveaus der Spielerinnen vor Ort.

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Stina Blackstenius jubelt

Außerdem wirkte es sich auf die Art und Weise aus, wie Mannschaften ein Spiel strategisch angingen. Schweden zeigte sich in der Offensive körperlich robust, nicht zuletzt dank Rekord-Torjägerin Stina Blackstenius. Ein größerer Trend des Turniers war das Ringen um Räume anstatt Druck auf den Ball bei gegnerischem Ballbesitz. Dadurch wurde ein direkter Pass erzwungen und man verließ sich auf die Lufthoheit der Innenverteidiger.

"Im Finale gab es zwei unterschiedliche Spielstile", meinte UEFAs Technische Beobachterin Hope Powell. "Schweden hatte generell mehr Kraft und Robustheit, während Spanien technisch stark agierte. Wenn ich mir das Spiel ansehe, muss es ein Gleichgewicht von beiden geben. Einige der Mannschaften haben sich offensichtlich auf den physischen Aspekt konzentriert, um bei diesen Bedingungen fünf Spiele über 90 Minuten durchhalten zu können. Manche Teams entscheiden sich für die andere Richtung, aber wenn man beide zusammenführt, hat man gute Voraussetzungen für eine Siegermannschaft."

Schwedens erfahrener Trainer Calle Barrling setzte neben körperlichem Training auch auf psychologische Aspekte. Er wollte damit sicherstellen, dass seine Spielerinnen für die Herausforderungen auch mental gewappnet sind. Zudem ist er fest überzeugt, dass man den Gegner im Detail kennen muss, um ihm Probleme zu bereiten. "Eine Steigerung des Maßstabes wurde durch die Analyse erreicht", erklärte er.

"Wenn man den Gegner genauer anschaut, macht es ein Spiel noch interessanter und es bedeutet, dass wir eine Menge lernen, wenn wir diese Partien spielen. Der Fußball auf diesem Niveau ist technisch besser geworden, aber der Unterschied von einem Jahr zum nächsten ist schwer zu erkennen. In kleinen Details sieht man ihn jedoch."

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Nuria Garrote und Anissa Lahmari

Gemeinsames Training

Das Technische Team der UEFA stellte mit Freude fest, in welchem Umfang die teilnehmenden Mannschaften in Israel zusammen mit ihren männlichen Kollegen trainierten und spielten. In dieser Phase ihrer Entwicklung sei dies ein ganz wichtiger Aspekt, sowohl aus körperlicher als auch aus technischer Hinsicht.

"Einige meiner Spielerinnen trainieren mit Jungs, aber mein Verband bevorzugt es, wenn Mädchen ab dem Alter von 15 Jahren unter sich sind", so Dänemarks Trainer Søren Randa-Boldt. "Wir können dies nicht von oben herab anweisen, da die Entscheidung den regionalen Behörden unterliegt, aber manchmal erkennen wir, dass bei einer weniger formellen Struktur Mannschaften in diesem Alter länger mit Jungs zusammen trainieren. Dies führt zu einer gewissen Robustheit, wie wir es von Serbien 2012 in der Türkei gesehen haben."

Die Teilung der Geschlechter war ein interessantes Gesprächsthema in Israel. Powell und de Reus berichteten, dass es zu ihrer Zeit im Juniorenfußball keine so strengen Richtlinien wie heute gegeben habe.

"Es ist ein wichtiger Teil in der Entwicklung einer Spielerin", meinte Powell. "Es ist interessant, die unterschiedlichen Ansätze der Länder und ihrer Fußballstrukturen zu sehen, wenn es darum geht, Spielerinnen im gemischtgeschlechtlichen Spielbetrieb auf hochklassigen Wettbewerb vorzubereiten."

©David Catry

Schwedens Torhüterin Zecira Musovic

Ausgewogenheit und Entwicklung

Das ansteigende Profil des Frauenfußballs in Europa machte es für die Trainer etwas komplizierter, den Kader zusammenzustellen. Während einige Trainer der in Israel spielenden Mannschaften exzellente Beziehungen zu den Vereinen pflegen und Spielerinnen ohne Probleme freigestellt bekamen, gab es dennoch insgesamt das Gefühl, dass es die Entwicklung des Frauenfußballs schwieriger mache, Spielerinnen für Länderspiele abzustellen.

Die UEFA Women's Champions League wächst und gewinnt an Bedeutung, außerdem fordern die nationalen Ligen ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Dementsprechend steigt der Druck auf die Trainer und in manchen Fällen mussten Spielerinnen wegen Marketinganforderungen sogar bei ihrem Arbeitgeber bleiben. Anders als bei der Qualifikations- und Eliterunde von der U19-EM der Frauen 2014/15 wurde die Endrunde nicht während eines FIFA-Abstellungszeitraums für Nationalmannschaften durchgeführt.

"Ab Beginn eines Jahres ziehe ich es vor, einen großen Überblick der Verpflichtungen der Spielerinnen zu haben. Zwischen der Eliterunde und der Endrunde gibt es einen ganz wichtigen Zeitraum", verriet Meinert, die einen Mitarbeiter hat, der mit den Schulen die Abstellungen koordiniert. "Es ist ein Balanceakt, weil ich verstehe, dass die Vereine die Spielerinnen bezahlen und der Trainer sie braucht, um das nächste Spiel zu gewinnen. Aber die Nationalmannschaft entwickelt Spielerinnen weiter und beide Seiten sollten glücklich darüber sein, was die jeweils andere Partei einbringt."

Der Wandel in der Dynamik zwischen Vereinen und Nationalverbänden führte in manchen Fällen dazu, dass die Trainerteams ihre Vorbereitungen trafen, ohne wirklich zu wissen, auf welche Spielerinnen sie eigentlich zurückgreifen können. "Für die Karriere einer Spielerin sind dies ganz wichtige Phasen. Die Teilnahme an Wettbewerben bereitet Spielerinnen auf den nächsten Schritt in ihren Karrieren vor - dies gilt für Vereins- und Nationalmannschaften", so de Reus.

https://de.uefa.com/womensunder19/season=2015/technical-report/talking-points/index.html#gesprachsthemen