Zehn Talente der U19-Endrunde für Frauen

Bei der UEFA-U19-Europameisterschaft für Frauen 2010/11 in Nordost-Italien gab es einige außergewöhnliche individuelle Leistungen zu bewundern. UEFA.com stellt zehn große Talente vor.

Norwegens Maria Thorisdottir und Deutschlands Kapitänin Ramona Petzelberger im Endspiel
Norwegens Maria Thorisdottir und Deutschlands Kapitänin Ramona Petzelberger im Endspiel ©Sportsfile

Bei der UEFA-U19-Europameisterschaft für Frauen 2011 in der Emilia-Romagna in Nordost-Italien gab es einige außergewöhnliche individuelle Leistungen zu bewundern. Die Reporter von UEFA.com haben zehn aufsteigende Talente ausgewählt, wobei fünf der acht Endrundenteilnehmer vertreten sind.

Pascale Küffer (Schweiz)
Küffers Leistungen in der Gruppenphase erfüllten ihren Trainer Yannick Schwery mit Stolz, besonders nach der mutigen und überzeugenden Show beim 0:0 gegen Russland, durch welches die Schweiz den Punkt holte, der zum Einzug ins Halbfinale fehlte. "Sie hat uns gerettet", sagte er, nachdem die 18-Jährige in der Nachspielzeit auch noch einen Freistoß von Ksenia Veselukha gerade so über die Latte gelenkt hatte. Im Halbfinale musste Küffer bei sieben Schüssen aufs Tor in der ersten Halbzeit nur einen Gegentreffer hinnehmen, bevor Deutschland nach der Pause dann alles klar machte.

Maria Thorisdottir (Norwegen)
Während Norwegens Angriff mit Tempo und gutem Freilaufverhalten überzeugte, war es vor allem das disziplinierte Spiel von Thorisdottir in der Defensive, das den Norwegerinnen so viele Freiheiten im Spiel nach vorne erlaubte. Die Mittelfeldspielerin von Klepp IL war extrem lauffreudig und räumte hinter den offensiv eingestellten Andrine Hegerberg und Cathrine Dekkerhus immer wieder ab und leistete sich selber sehr wenige Fehlpässe.

Chantal Fimian (Schweiz)
Vor dem Halbfinale sagte Schwery, dass seine Mannschaft lernen müsse, ohne Chantal Fimian in der Abwehrzentrale auszukommen, doch das war anscheinend nicht ganz so einfach, denn den Deutschen musste man sich am Ende 1:3 geschlagen geben. Das Turnier der 17-Jährigen endete nach 14 Minuten im dritten Gruppenspiel gegen Russland durch die sechste ernsthafte Verletzung ihrer noch so jungen Karriere. Doch Fimian, die beim Grasshopper-Club als Stürmerin spielt, hatte ihr tolles Stellungsspiel und ihre starke Technik schon beim 4:1-Sieg gegen Belgien und dem hart erkämpften 1:0 gegen Italien unter Beweis gestellt.

Luisa Wensing (Deutschland)
Wensing, die sich für Deutschland dauerhaft auf dem Feld befand, war in der starken DFB-Abwehr eine eindrucksvolle Figur. Ihre gute Antizipation und ihre Athletik, mit der sie gegen die Niederlande noch auf der Torlinie retten konnte, wird im Spiel nach vorne gepaart mit kraftvollen Läufen, Flanken und Kopfbällen. Dadurch wird sie bei Standards zur großen Gefahr, wie Norwegen im Endspiel herausfand, als ihr das erste Tor gelang. Nicht nur auf dem Platz verbreitete die Spielerin des FCR 2001 Angst und Schrecken - es wird auch gemunkelt, dass sie mit dem Tischtennisschläger in der Hand wenig Gnade zeigt.

Martina Rosucci (Italien)
Rosucci ist die einzige Spielerin, die aus Italiens erfolgreicher Mannschaft von 2008 übrig blieb und war in der Emilia-Romagna ein leuchtendes Beispiel für ihre Mitspielerinnen. Sie wurde von Corrado Corradini in einer ungewohnten, offensiveren Position eingesetzt und wechselte sich mit Lisa Alborghetti dabei ab, die italienischen Flügelspielerinnen im Angriff einzusetzen. Sie war außerdem die erste Spielerin, die das Pressing einleitete, wenn der Gegner im Ballbesitz war und wohl auch die technisch stärkste Spielerin im italienischen Mittelfeld. Rosucci hob sich ihre beste Leistung für den wichtigsten Zeitpunkt auf, als sie in brillanter Manier die beiden Tore von Elisa Lecce und Coppola im Halbfinale gegen Norwegen vorbereitete, die 2:3-Niederlage aber nicht verhindern konnte.

Isabella Schmid (Deutschland)
Deutschlands größte Stärke ist die Geschwindigkeit, mit der sie ihre Gegner unter Druck setzen. Dabei tut sich im Mittelfeld vor allem Schmid hervor, die scheinbar nie müde wird und ihr gutes Stellungsspiel noch um eine starke Spieleröffnung ergänzt. Mit ihren genauen Pässen gibt sie das Spieltempo ihrer Mannschaft vor und ist die Schaltzentrale des deutschen Spiels. Diese Allrounderin im Mittelfeld verfügt außerdem über einen gefährlichen Schuss, der ihr drei Weitschusstore - alle gegen Norwegen, einmal im Gruppenspiel und zweimal im Finale - ermöglichte.

Ramona Petzelberger (Deutschland)
Vor dem Turnier hieß es, dass Petzelberger wohl Deutschlands größtes Talent sei, und sie enttäuschte die Erwartungen nicht, obwohl sie ohne eigenen Treffer durch die Gruppenphase ging. Die Angreiferin vom SC 07 Bad Neuenahr ist mit großem Tempo und Torgefahr gesegnet, lässt sich aber auch gern einmal fallen, um dann aus der Tiefe die Strippen zu ziehen. Die UEFA-U17-Europameisterin besorgte im Halbfinale mit einem überlegten Abschluss die Führung ihrer Elf. Durch ihren cleveren flachen Freistoß konnte Eunice Beckmann Deutschland gegen die Schweiz wieder in Führung bringen, bevor sie ein "großartiges Turnier" (Trainerin Maren Meinert) mit einem Treffer im 8:1-Endspieltriumph krönte.

Tessa Wullaert (Belgien)
Wullaert ist eine starke Spielmacherin mit sehr enger Ballführung und einem tollen Blick für das Spiel. Sie wirkt fast zerbrechlich, doch im Angriffsdrittel wird sie zur tödlichen Gefahr; die 18-Jährige genoss ihre freie Rolle im Mittelfeld und zeigte ihr ganzes Können in der Emilia-Romagna. Egal ob Tunnler, gefährliche Distanzschüsse oder magische Flanken aus eigentlich unmöglichen Positionen, wie ihre Vorbereitung für das Tor von Justine Vanhaevermaet gegen Russland - Wullaert hatte alles zu bieten. Es war eine Freude, der Nummer zehn beim Fußballspielen zuzuschauen.

Melissa Bjånesøy (Norwegen)
Vor 18 Monaten noch hatte Bjånesøy niemand so richtig auf dem Zettel, doch nach einem Tipp nahm Trainer Jarl Torske sie zu einem Freundschaftsspiel nach La Manga (Spanien) mit und sollte es nicht bereuen. Die Stürmerin von IL Sandviken erzielte 19 Tore in 21 U19-Länderspielen und sollte in der Emilia-Romagna sieben Mal treffen; in jedem Spiel gelang ihr mindestens ein Treffer. Nur Russlands Elena Danilova konnte mehr Tore im gesamten Turnier inklusive der Qualifikation erzielen. Es war vor allem ihr Tempo, das ihren Gegenspielerinnen große Probleme bereitete, außerdem ließ sie sich eine Chance durch ihr blendendes Positionsspiel selten entgehen. "Sie ist unglaublich", sagte Torske. Eine ganze Reihe von Abwehrspielerinnen musste das zähneknirschend ebenfalls eingestehen.

Katia Coppola (Italien)
Coppola brauchte nur drei Minuten, um ihr erstes von drei Turniertoren zu erzielen, als Italien mit einem 2:1 gegen Russland in die Gruppe A startete. Die zierliche Flügelspielerin war stets hellwach und reagierte am schnellsten, nachdem die russische Torhüterin den Ball fallengelassen hatte. Doch Coppola konnte auch zielgenau schießen, wie sie mit dem Siegtreffer sechs Minuten vor Schluss gegen die Schweiz bewies und verfügt über große Schnelligkeit, die sie bei der 2:3-Niederlage gegen Norwegen im Halbfinale bei ihrem Treffer zur Schau stellte.

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