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Schweizerinnen wollen mehr

Als Gastgeber hatte sich die Schweiz sicher mehr ausgerechnet, doch bereits in einem Monat haben sie die Möglichkeit, ihre wahre Stärke zu beweisen.

Normalerweise genießt der Heimvorteil im Fußball einen hohen Stellenwert - nicht so jedoch bei der UEFA-U19-Europameisterschaft für Frauen. Seit 2001/02 ist der Gastgeber dieses Wettbewerbs noch nie über die Gruppenphase hinaus gekommen. Schweden, Deutschland, Finnland und Ungarn belegten am Ende immer den letzten Rang ihrer jeweiligen Gruppe. In der Hinsicht ist der dritte Platz der Schweiz bei der diesjährigen Endrunde immerhin eine Steigerung, doch das lindert den Schmerz natürlich keineswegs.

Höhen...
Da man beim letzten Turnier noch den fünften Platz erreicht hatte, wollte Trainer Claudio Taddei dieses Mal natürlich um jeden Preis ins Halbfinale einziehen. Nach dem 2:0-Sieg über die Niederlande schien die Schweiz auf dem besten Wege dorthin, und als seine Elf gegen Russland in der ersten Minute in Führung ging, schien erst recht alles nach Plan zu verlaufen. Auch zur Halbzeit lag die Schweiz noch vorne, doch von da an sollte es für den Gastgeber nur noch bergab gehen.

... und Tiefen
Innerhalb von 14 Minuten der zweiten Halbzeit traf Elena Danilova gleich zwei Mal für den Titelverteidiger, so dass die Schweiz mit 1:2 verlor und am letzten Spieltag unbedingt gegen Frankreich gewinnen musste. Zwar wurde es eine offene Partie, in der auch die Schweiz zahlreiche Chancen hatte, doch nach zwei späten Gegentreffern zum Endstand von 0:3 aus Schweizer Sicht war die Mannschaft ausgeschieden. Natürlich bezeichnet auch Taddei die Niederlage gegen Russland als den Knackpunkt des Turniers. Eigentlich waren beide Seiten gleich stark, doch 14 Minuten der Unachtsamkeit wurden von den Russinnen eiskalt bestraft.

Mangel an Fitness
"Hoffentlich haben meine Spielerinnen gelernt, dass man sich für ein großes Turnier dementsprechend vorbereiten muss", sagte Taddei verärgert. "Konditionell waren einige nur bei 70 Prozent. Ohne 100 Prozent kann man aber nichts erreichen. Auch in ihren Köpfen muss sich einiges ändern. Sie müssen sich professioneller vorbereiten. Es ist alles eine Kopfsache. Einige von ihnen waren schon zufrieden, überhaupt im Schweizer Kader zu sein und das alles mitzuerleben. Das kann nicht ihr Ziel sein. Sobald sie dies erreicht haben, müssen sie das nächsthöhere Ziel anpeilen."

Weltmeisterschaft
Für den Großteil des Kaders gilt es nun, sich auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten, die nächsten Monat in Russland stattfindet. "Jetzt blicken wir nur noch auf die [FIFA-]U20-Weltmeisterschaft für Frauen", sagt Taddei. "14 bis 15 dieser Spielerinnen werden mit dabei sein, und ich hoffe, sie haben aus dieser Erfahrung gelernt." Die Schweiz spielt in der Gruppe C mit Mexiko, der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) und Titelverteidiger Deutschland. Zu den 14 bis 15 Spielerinnen im Kader gehört wahrscheinlich auch die zuletzt beeindruckende Verteidigerin Caroline Abbé, Torhüterin Stenia Michel und Simone Zahno, die für Standardsituationen zuständig ist.

Kampfansage
Doch unabhängig vom Ausgang in Russland, das enttäuschende Abschneiden bei der EM zeigt einmal mehr, dass es im Schweizer Frauenfußball noch einiges nachzuholen gibt. Die A-Nationalmannschaft ist auf dem letzten Platz ihrer WM-Gruppe und brachte es in der Qualifikation zur UEFA EURO 2005™ nur auf fünf Punkte. Immerhin glaubt man das Problem erkannt zu haben und hat eine Fußballschule geschaffen, in der Jungen und Mädchen lernen und trainieren können. U19-Kapitänin Zahno sagt eine viel versprechende Zukunft voraus: "In den kommenden Jahren wird der Schweizer Frauenfußball zur Spitze gehören."