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Trainerin des Siegers
Das ist Spaniens Erfolgstrainerin María Antonia 'Toña' Is ©Sportsfile

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Trainerin des Siegers

Vor einem Jahr, nach der Niederlage Spaniens gegen Deutschland im Elfmeterschießen, waren es noch Tränen der Trauer. Jetzt waren es Tränen der Freude, fast der Ungläubigkeit. Toña Is sank nach dem Schlusspfiff auf den Boden. Die Emotionen wurden noch verstärkt durch die Erinnerung an den Schmerz der Niederlage damals.

Die unterlegene Trainerin Anouschka Bernhard gratulierte ihr sportlich fair und umarmte sie. Die Tränen flossen auch in diesem Moment weiter. "Genießen Sie den Moment, saugen Sie alles auf". Diese Worte flüsterte die viermalige Gewinnerin Bernhard ihrer Kontrahentin ins Ohr. Es passte alles in dem Moment, in dem Is ihr ganz persönliches Highlight feierte.

"Wir wussten, dass wir wieder auf die Deutschen treffen würden. Aber das war uns egal. Da mussten wir durch”, sagte Is den spanischen Medien. "Am Ende haben wir gewonnen. Dieses Gefühl hat meine Mannschaft gebraucht." Aber auch die in Oviedo geborene Is hatte darauf lange gewartet. "Ja, für mich war das moralisch ein enormer Schub”, fügte sie hinzu. "Es wäre sehr hart gewesen, heute zu verlieren. Ich möchte gar nicht daran denken, was in einem erneuten Elfmeterschießen hätte passieren können. Wir haben alles dafür getan, dass es diesmal nicht wieder so enden würde."

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Toña Is (rechts) und DFB-Trainerin Anouschka Bernhard

Wenn man ihre Kommandos an der Außenlinie hört, ahnt man, auf welcher Position sie in ihrer aktiven Karriere spielte: In der Innenverteidigung. Is absolvierte 34 Länderspiele für Spanien und stand in der Mannschaft, die 1997 ihr Land erstmals bei einer Endrunde der UEFA Women's EURO repräsentierte. In Schweden sprang am Ende Platz drei heraus.

2014 arbeitete sie als Verkehrspolizistin und lernte in ihrer Freizeit für die Trainerlizenz. Sie vermisste das Spiel, den Geruch des Rasens, die Action und die Emotionen. Für Is war es eine Leidenschaft, junge Mädchen in deren Entwicklung als Fußballerinnen zu unterstützen und damit dem Spiel etwas zurückzugeben, das ihr so viel gebracht hatte. Sie wollte keine Strafzettel mehr schreiben, sondern lieber taktische Formationen auf ihre Tafel kritzeln.

Nur zwei Jahre, nachdem sie den Trainerlehrgang zusammen mit den männlichen Ex-Profis Guti, Iván Helguera und Mista absolviert hatte, saß Is bereits neben Pedro López, als Spanien in Island zum dritten Mal Europameister bei den U17-Frauen wurde. Es war 2015 – und schon ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommen würde.

Nach diesem Triumph schrieb Is Fußballgeschichte in ihrem Land. Sie folgte López im Oktober 2015 nach und wurde damit erster weiblicher Coach einer spanischen Nationalmannschaft. Diese führte sie anschließend zum ersten dramatischen Finale, in dem ihr Team den Deutschen im Elfmeterschießen unterlag. Nur ein paar Monate später folgte die Revanche, als Spanien das DFB-Team im Viertelfinale der FIFA-U17-Weltmeisterschaft in Jordanien mit 2:1 schlug. Am Ende wurde Spanien nach einem 4:0-Sieg über Venezuela Vierter und damit beste europäische Mannschaft. Maßgeblich an diesem Sieg beteiligt war Eva Navarro mit drei Toren.

Im Finale 2017 folgte noch eine Enttäuschung. Doch Is konnte ihr Team motivieren, diesen letzten Schritt zum Titel 2018 zu gehen. "Ich habe den Mädchen vor dem Spiel in der Umkleidekabine gesagt, dass der ganze Druck auf den Deutschen lastet. Sie haben die letzten beiden Finals gewonnen, in ihrem Land spielen eine Million Mädchen Fußball, bei uns nur 40 000", erklärte sie.

"Es war eine sehr anstrengende erste Halbzeit. Aber sobald wir sie unter Druck setzten, haben sie sich unwohl gefühlt. In der Pause haben wir gesagt, dass wir gewinnen werden, wenn wir sie noch ein klein wenig mehr attackieren."

Genau so haben sie es dann auch gemacht. Was folgte, war dieser unbeschreibliche Gefühlsausbruch nach dem Abpfiff. Für Is war es die Erfüllung eines Traums, für den sie so hart gearbeitet hatte. In ihrem Gesicht waren nicht nur Tränen zu sehen, sondern auch ein glänzendes Lächeln.

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