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Der Weg ins Finale

Der Weg ins Finale
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Der Weg ins Finale

Litauen war nicht nur erstmaliger Gastgeber einer UEFA-U17-Europameisterschaft der Frauen, sondern war zugleich auch zum ersten Mal überhaupt bei einer Endrunde mit von der Partie, nachdem man zuvor zehnmal in der Qualifikation gescheitert war. Lehrreich sollte das Turnier für den Gastgeber werden, der gleich zum Auftakt gegen die Niederlande eine echte Lehrstunde bekam. Die Partie war bereits nach einer Viertelstunde entschieden, gerade auf Grund des starken Umschalt- und Flügelspiels von Oranje, das auf diesem Wege fast alle Treffer erzielte – für Litauen eine Lektion, von deren Lehren man bereits im zweiten Spiel profitieren konnte. Die Niederlande unter Trainerin Marleen Wissink gingen umso selbstbewusster in das anschließende Duell mit Deutschland.

Die Deutschen, die ihren dritten Turniersieg in Serie einfahren wollten, mussten zum Auftakt hart um ihren Erfolg gegen Finnland kämpfen. Die Finninnen attackierten die Deutschen durchaus couragiert in einem 1-4-1-3-2-System, das mitunter zu einem kompakten 1-4-4-2-System wurde. Die Folge waren viele Ballgewinne im Mittelfeld dank ihres gut organisierten Pressings. Deutschland spielte sich 21 Torchancen heraus, schoss aber nur sechsmal auf das gegnerische Tor. Sechs weitere Torschüsse wurde abgeblockt und neun gingen am Tor vorbei. Finnland hatte weniger Gelegenheiten, machte aus diesen aber zu Beginn deutlich mehr. Die Führung für die Finninnen folgte auf eine Kombination mit 14 Pässen, die Aino Vuorinen vollendete. Deutschland blieb auch nach dem Rückstand seiner 1-3-4-3-Formation treu und drückte weiter in Richtung finnisches Tor. Die Folge war einer der ganz wenigen Abwehrfehler, den Shekiera Martinez zum Ausgleich nutzte. Für die Entscheidung war ebenfalls Martinez zuständig, die kurz vor dem Schlusspfiff im Anschluss an eine Ecke den Siegtreffer besorgte.

Englands Trainer John Griffiths musste im Auftaktspiel seines Teams gegen Polen verletzungsbedingt auf einige Stammkräfte verzichten. Die Quittung gab es in Form des polnischen Führungstreffers kurz nach dem Seitenwechsel. Entscheidend beteiligt war Paulina Tomasiak, die in dieser Situation wie in vielen weiteren die Lufthoheit hatte und den Ball Paulina Filipczak für einen schönen Volleyabschluss zur Führung vorlegte. England überzeugte in dieser Partie mit seinem schnellen Spiel mit Ball und starken Kontern, und genau auf diesem Weg entstand auch der Ausgleich nach einer knappen Stunde. Polen schaffte es nicht, England dauerhaft vom eigenen Tor fernzuhalten, und auch aus der Entfernung war England gefährlich. So landete Jessica Parks Abschluss nur knapp über dem Tor von Polens Schlussfrau Sara Kierul. Die Führung für England erzielte schließlich Paris Mckenzie nach einer Ecke mit dem Kopf – es sollte das einzige Turniertor bleiben, das direkt im Anschluss an eine Standardsituation entstand. Den Schlusspunkt der Partie setzte jedoch Tomasiak nach Vorarbeit von Mittelfeldspielerin Adriana Achcińska in der Nachspielzeit.

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Italien stellte Spanien in Gruppe B vor eine hohe Hürde

Italien war erstmals seit dem Erreichen des dritten Platzes im Jahr 2014 wieder bei einer Endrunde mit von der Partie und traf in Šiauliai auf den Vorjahresfinalisten Spanien. Die Spanierinnen gaben zehn Torschüsse ab, von denen nur drei auf das italienische Tor gingen. Doch zwischen den Pfosten stand die gut aufgelegte Camilla Forcinella. Die italienische Torfrau musste vor der Pause eine großartige Parade zeigen, profitierte über weite Strecken dieser Partie, aber auch im zweiten Spiel, von ihren kommunikativen Fähigkeiten und ihrem starken Positionsspiel. Die Spanierin Eva Maria Navarro, die zum dritten Mal in Serie bei einer Endrunde dabei war, versuchte sich immer wieder mit starken Dribblings durch die gegnerischen Reihen zu spielen, wann immer dies klappte, fand sie aber schlussendlich keine Abnehmerin für ihre Hereingaben. Allerdings sollte sie diesbezüglich im sich anschließenden Spiel erfolgreicher sein.

Spanien sicherte sich seinen ersten Sieg der Endrunde in der zweiten Partie gegen England - in einer Partie, in der man von Beginn an auf hohes Tempo und offensives Spiel setzte. Die Folge war der Führungstreffer bereits in der vierten Minute, als Paula Arana Montes auf 1:0 stellte. England versuchte in der ersten Halbzeit sehr früh zu stören, gefährlich war das Team vor allem durch Konter. Einer davon endete in der 26. Minute mit dem Ausgleich durch Ebony Salmon. Zum spanischen Matchwinner wurde am Ende aber Navarro, die den 2:1-Endstand in Alytus besorgte.

Italien zeigte sich nach dem torlosen Auftakt gegen Spanien auch gegen Polen hinten kompakt mit Chiara Ripamonti und Heden Corrado als federführende Kräfte. Sie hatten, genau wie die erneut ganz starke Schlussfrau Camilla Forcinella, großen Anteil, dass die weiße Weste in Sachen Gegentreffer aufrecht erhalten wurde. Auf polnischer Seite agierte Tomasiak abermals herausragend. Doch gerade das frühzeitige verletzungsbedingte Aus von Kapitänin Adriana Achcińska machte dem Team einige Probleme, die mehr als ein torloses Remis nicht zuließen.

Finnland nahm vor dem Duell mit Gastgeber Litauen in Šiauliai sechs Änderungen an der Startelf vor, doch System und Spielausrichtung änderten sich im Vergleich zur knappen Niederlage gegen Deutschland kaum. Annika Huhta war an diesem Tag eine Nummer zu groß für Litauen und erzielte alleine drei der vier finnischen Treffer, während Joanna Tynnilä mit zwei Torvorlagen glänzen konnte. Auf Seiten der Gastgeberinnen verkörperte besonders Ugnė Lazdauskaitė den eisernen Kampfgeist und Schlussfrau Kibirkštis setzte mit ihrer unermüdlichen Vorstellung immer wieder inspirierende Impulse an ihre Mitspielerinnen.

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Ieva Kibirkštis spricht nach dem Spiel zu den Reportern

"Sie haben nichts zu verlieren, sie müssen diese Erfahrung genießen und sie werden diese Endrunde sicherlich niemals vergessen", sagte Litauens Trainerin Ieva Kibirkštis über ihr Team, das sich im zweiten Spiel deutlich sattelfester präsentierte als noch zum Auftakt.

Mit einem stattlichen Rückstand musste auch Deutschland, das Team von Trainerin Anouschka Bernhard, umgehen, als man im Duell mit den Niederlanden 0:2 ins Hintertreffen geriet. Allerdings musste Oranje zu diesem Zeitpunkt bereits in Unterzahl agieren, da man Claire Dinkla früh in der zweiten Hälfte nach einem Platzverweis verlor. So kam Deutschland unter jeweiliger Beteiligung von Julia Pollak noch zum Ausgleich und sicherte sich einen Punkt.

Mit diesem Ergebnis im Rücken war klar, dass Deutschland schon mit einem Punkt aus der Partie gegen Litauen das Halbfinale sicher hat – zum zehnten Mal bei elf Teilnahmen. Doch gegen den Gastgeber, der ab der 28. Minute in Unterzahl spielen musste, tat sich der Titelverteidiger schwer und lag zur Pause nur mit 1:0 in Front. "Uns ging es nicht wirklich um das Ergebnis, wir wollten einen ebenbürtigen Kampf liefern und keine Angst zeigen", sagte Litauens Trainerin Ieva Kibirkštis, die trotz des 0:8-Endstands stolz auf ihr Team war. Nicht weniger stolz war Deutschlands Angreiferin Shekiera Martinez, die nach der Partie bei sechs Turniertreffern stand. Doch das sollte noch nicht alles sein für die 16-Jährige vom 1. FFC Frankfurt.

Wie das Toreschießen funktioniert, zeigte auch Englands Salmon im abschließenden Gruppenspiel gegen Italien, als sie in nur 18 Minuten drei Treffer erzielte. Nachdem man insgesamt fünf Halbzeiten ohne Gegentreffer geblieben war, musste man gegen die ganz starken Engländerinnen schließlich mit 0:4 vom Feld gehen. Die Italienerinnen brachten es in drei Partien auf insgesamt nur zwei Eckbälle, blieben auf der anderen Seite aber 207 Minuten ohne Gegentreffer, bevor es dann doch so weit war. Angeführt von Salmon zeigte England in der Folge keine Gnade und sicherte sich seine vierte Halbfinalteilnahme. Dort traf man auf Deutschland, zum zweiten Mal nach 2016, als man dem Team von Bernard in der Vorschlussrunde mit 3:4 unterlag.

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Spanien setzte sich in Marijampole knapp gegen Finnland durch

Das zweite Halbfinale stieg zwischen Spanien, das sich weiter von Spiel zu Spiel steigerte und Polen im dritten Gruppenspiel mit 5:0 dominierte, sowie der finnischen Mannschaft. Die Spanierinnen waren mit und ohne Ball zu schnell für Polen, so dass diese zumeist einen Schritt zu spät kamen. Bei den Ibererinnen zeigten sich vorne vor allem Paola Hernández Díaz und Navarro in Spiellaune, während Ana Tejada das Team hinten zusammenhielt. Spanien schaffte zum neunten Mal bei neun Teilnahmen den Sprung in das Halbfinale.

Die Niederlande mussten unterdessen die Stärken des finnischen Teams am eigenen Leib erfahren. Die taktisch erstklassig aufgestellten und gut organisierten Nordeuropäerinnen erzielten das erste direkte Freistoßtor des Turniers, nachdem drei Spielerinnen die Ausführung antäuschten und schließlich Kaisa Juvonen den Ball mit einem flachen Schuss direkt im gegnerischen Tor unterbrachte. Die Führung wurde von Aino Vuorinen verdoppelt, als diese sich von ihrer Gegenspielerin lösen konnte und nach Vorarbeit von Kapitänin Tuuli Enkkilä das 2:0 besorgte. Durch einen Strafstoß von Romée Leuchter kam Oranje noch einmal heran und brauchte nun noch einen Treffer, um selbst den Sprung in die nächste Runde zu schaffen. Doch die Zeit reichte nicht mehr aus. Nun stand Finnland bei seiner Endrunden-Premiere auf Anhieb im Halbfinale.

Dort stellte man das favorisierte Spanien vor eine richtig schwere Aufgabe, lieferte dem Gegner, der zum fünften Mal in Folge das Endspiel erreichen wollte, einen harten Kampf und "zeigte deutlich, dass man auch als Außenseiter mit harter Arbeit und dem Glauben an die eigenen Fähigkeiten viel erreichen kann", erklärte die technische Beobachterin Anja Palusevic. In der Tat überzeugte Finnland von Torhüterin Anna Koivunen bis hin in die Spitze mit einer Alle-für-Eine und Eine-für-Alle-Mentalität. Jede Spielerin unterstützte ihre Teamkameradinnen nach Kräften. Spanien musste also richtig guten Fußball spielen und genau das gelang dem Team auch. Dem Treffer von Navarro gingen 22 Pässe voraus und so war der Widerstand der Finninnen gebrochen, die zuvor noch einen gehaltenen Elfmeter durch Koivunen bejubeln durften. Für Spanien war das Endspiel gebucht.

Im Finale sollte man auf einen altbekannten Gegner treffen, denn die deutsche Mannschaft hatte mit England bei einem absolut einseitigen 8:0 keinerlei Probleme. Martinez erzielte ihren zweiten Dreierpack in Litauen und stellte so mit neun Treffern einen neuen Turnierrekord auf. Deutschland störte ganz früh und ließ England vor allem über die linke Seite keinerlei Platz zur Entfaltung. Die meisten Angriffe der Deutschen kamen über die Mitte, von hinten kam dabei viel Unterstützung über die Abwehrspielerin Greta Stegemann, die bei ihren Vorstößen oftmals Überzahlsituationen herstellen konnte. Zwar dauerte es bis zur 23. Minute, ehe Ivana Fuso mit ihrem Schuss erst die Latte und von dort den Rücken von Kayla Rendell traf und auf 1:0 für Deutschland stellte. Der Rest waren aber sieben weitere Treffer, die Deutschland zum achten Mal in das Endspiel brachten.

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Finnland kämpfte sich zur Weltmeisterschaft

Im Spiel um Platz 3 ging es für England und Finnland um die Qualifikation für die FIFA-U17-Weltmeisterschaft der Frauen 2018 in Uruguay im November. Nur drei Tage nach den Halbfinals machte gerade England noch einen sehr müden Eindruck, trotz einiger personeller Umstellungen. Trotzdem reichte es für eine englische Führung, die nach dem Seitenwechsel durch zwei finnische Treffer gedreht wurde. Das dritte und letzte europäische Ticket für Uruguay ging somit an den EURO-Debütanten Finnland, der dort im November somit neben den beiden Finalisten im Einsatz sein wird.

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2018/technical-report/road-to-the-final/index.html#der+weg+finale